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Erst der Preisschock, jetzt der Platzmangel: Deutschlands Wohnungen schrumpfen

Дата публикации: 07-01-2026 11:38:00

Nach Jahrzehnten des Flächenwachstums kehrt sich der Trend um: Neubauten werden kleiner, und erstmals seit Generationen dürfte auch der Wohnungsbestand folgen.

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Nach Jahrzehnten des Flächenwachstums kehrt sich der Trend um: Neubauten werden kleiner, und erstmals seit Generationen dürfte auch der Wohnungsbestand folgen. Das hat tiefere ökonomische und gesellschaftliche Ursachen.

Über Jahrzehnte galt mehr Wohnfläche als stiller Wohlstandsindikator. Seit den 1960er-Jahren sind Wohnungen in Deutschland kontinuierlich gewachsen, getragen von steigenden Einkommen, wachsendem Komfortanspruch und einer expansiven Nachkriegsbaupolitik. 

Wohnen in Deutschland: Vom Flächenwachstum zur Flächenkorrektur

Zwischen 1965 und heute stieg die durchschnittliche Wohnungsgröße von rund 69 auf etwa 94 Quadratmeter. Parallel dazu hat sich die Wohnfläche pro Kopf mehr als verdoppelt. Dieses Wachstum schien lange selbstverständlich. Doch seit Mitte der 2000er-Jahre werden Neubauwohnungen wieder kleiner – ein Bruch mit einer jahrzehntelangen Entwicklung.

DIW-Ökonom Konstantin A. Kholodilin ordnet den Befund klar ein: „Über Jahrzehnte haben steigende Einkommen und der Wunsch nach mehr Komfort dazu geführt, dass unsere Wohnungen immer größer wurden. Doch die Wachstumsphase scheint vorbei.“ Entscheidend sei, dass der Rückgang der Neubaugrößen kein kurzfristiger Effekt ist, sondern ein Signal mit Langzeitwirkung: „Der Rückgang der Neubaugrößen signalisiert einen strukturellen Wandel auf dem gesamten Wohnungsmarkt.“

Weil Neubauten den Maßstab für künftige Bestände setzen, erwarten die Forscher eine allmähliche Anpassung des gesamten Wohnungsmarkts. Bis 2050 könnte die durchschnittliche Wohnung in Deutschland rund sechs Quadratmeter kleiner sein als heute – eine historische Zäsur.

Kleine Haushalte, hohe Preise

Die Ursachen liegen weniger im Geschmack der Mieter als in den Rahmenbedingungen des Marktes. Zentral ist hierbei der demografische Wandel. Der Anteil der Einpersonenhaushalte hat sich seit den 1960er-Jahren auf über 40 Prozent erhöht. In Metropolen wie Berlin oder München lebt inzwischen etwa jeder zweite Haushalt allein.

Hinzu kommt der massive Preisanstieg auf den Immobilienmärkten seit etwa 2010. Bauland ist knapp, Baukosten sind stark gestiegen, Zinsen haben sich verteuert. Für Bauträger rechnen sich kleinere Einheiten besser, weil sie pro Quadratmeter höhere Erlöse erzielen. Für Käufer und Mieter wiederum sind große Wohnungen schlicht nicht mehr bezahlbar. Die sinkende Wohnungsgröße ist damit weniger Ausdruck freiwilliger Bescheidenheit als Ergebnis ökonomischer Zwänge.

Internationaler Trend kommt mit Verzögerung nach Deutschland

Deutschland folgt mit zeitlicher Verzögerung einer Entwicklung, die in anderen Industrieländern schon früher eingesetzt hat. In Japan oder Belgien begann die Verkleinerung von Neubauten bereits um die Jahrtausendwende, in Frankreich und Polen wenig später. Dass Deutschland so lange am Flächenwachstum festhielt, lag auch an einer vergleichsweise robusten Einkommensentwicklung und an großzügigen Wohnstandards im Bestand.

Bemerkenswert ist die wachsende Diskrepanz zwischen Neubau und Bestand. Während neue Wohnungen zunehmend kompakt geplant werden, dominieren im Bestand weiterhin große, häufig unterbelegte Wohnungen – insbesondere in Ein- und Zweifamilienhäusern älterer Eigentümer. Neue Wohnungen fehlen also und große Wohnungen werden oft nicht ausgenutzt. Das verschärft den Mangel in den Städten.

Sebastian Kohl, Mitautor der Studie, sieht darin keinen Verschlechterung, sondern eine notwendige Anpassung: „Wenn neue Wohnungen kleiner werden, ist dies kein Rückschritt, sondern eine Reaktion auf gesellschaftliche Realitäten.“ Entscheidend sei nicht die Fläche an sich, sondern ihre Nutzung. „Kleinere, gut geschnittene und energieeffiziente Wohnungen werden die zentrale Wohnform der Zukunft sein – und sie sind ein Schlüssel, um den Energiebedarf des Gebäudesektors zu senken.“

Weniger Fläche, andere Qualität, neue Anforderungen

Die Schrumpfung der Wohnungsgrößen markiert damit mehr als eine statistische Randnotiz. Sie steht für einen grundlegenden Wandel im Zusammenspiel von Demografie, Preisen und Klimazielen. 

Für Politik und Stadtplanung bedeutet das: Der Fokus muss sich von der reinen Quadratmeterzahl lösen. Gefragt sind Wohnungen, die effizient, bezahlbar und an veränderte Lebensrealitäten angepasst sind. Die Ära des stetigen Flächenwachstums ist vorbei. Was folgt, ist eine Phase der ökonomischen und ökologischen Neujustierung.

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Классификация: Недвижимость. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: 0. Информативность: 8.1. Источник: rss.focus.de.