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Die deutsche Suche nach dem Schuldigen ist zu billig

Дата публикации: 28-07-2026 10:27:00

Deutschland sucht nach dem WM-Aus einen Schuldigen. Sein Vereinstrainer liefert den nüchternen Befund, der der hiesigen Debatte fehlt.

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Deutschland sucht nach dem WM-Aus einen Schuldigen. Sein Vereinstrainer liefert den nüchternen Befund, der der hiesigen Debatte fehlt.

Es gehört zu den zuverlässigsten Ritualen des deutschen Fußballs, nach einem verpatzten Turnier einen Namen zu suchen, an dem sich das Scheitern festmachen lässt. Diesmal fällt die Wahl auf Leroy Sané. Der 30-Jährige gilt als eines der möglichen Opfer beim Neustart unter Bundestrainer Jürgen Klopp, und man muss kein großer Prophet sein, um zu ahnen, dass dieser Name in den nächsten Wochen häufiger fallen wird.

Dass ausgerechnet sein Vereinstrainer nun dagegenhält, ist bemerkenswert – und in der Sache überzeugender als vieles, was aus Deutschland zu hören ist.

Sündenbock der WM? Gala-Trainer nimmt Sané in Schutz

Okan Buruk, Coach beim türkischen Rekordmeister Galatasaray, hat bei Sky einen Satz gesagt, der sitzt: „Leroy ist einer der letzten, den man als Sündenbock auswählen kann.“ Er habe „in jedem Spiel versucht, alles zu geben und sehr viel dafür getan“. Man kann das als Loyalität eines Arbeitgebers abtun.

Man kann es aber auch ernst nehmen, weil Buruk mit Sané täglich arbeitet und ihn nicht nur aus vier Fernsehabenden kennt. Und weil seine Bewertung sich an dem messen lässt, was tatsächlich passiert ist.

„Keine schlechte WM gespielt“: Sané-Zahlen untermauern Trainer-These

Denn die Zahlen erzählen keine Geschichte des Versagens. Sané stand bei der WM in allen vier Begegnungen in der Startelf, er erzielte beim 1:2 gegen Ecuador seinen ersten WM-Treffer. Wer 80 Länderspiele und 18 Tore vorweist, ist kein Passagier, den man nach einem Turnier beliebig aussortiert. Buruks Einwand, Sané habe „keine schlechte WM gespielt“, ist deshalb kein Freundschaftsdienst, sondern eine nüchterne Feststellung, die der deutschen Debatte fehlt.

Wenn ein Spieler in jedem WM-Spiel von Beginn an aufläuft und trifft, danach aber als Erster für ein Kollektivversagen geradestehen soll, dann sagt das weniger über den Spieler als über die Bequemlichkeit derer, die urteilen.

Der Kontrast in der deutschen und türkischen Wahrnehmung

Interessant ist der Kontrast zwischen dem deutschen Blick und dem türkischen. Während Sané hierzulande als „Opfer“ eines Neuanfangs gehandelt wird, berichtet Buruk von einem Profi, der „sehr, sehr positiv aus dem Urlaub zurückgekommen“ sei, sich „im Kreis der Mannschaft sehr wohl“ fühle und den man nun körperlich wieder aufbaue.

Sanés Vertrag läuft bis 2028, in seiner ersten Saison am Bosporus kam er auf sieben Tore und neun Vorlagen in 43 Pflichtspielen. Das sind keine Werte eines Auslaufmodells, sondern die eines Spielers, dem sein Trainer offen „weiterhin viel“ zutraut.

Die deutsche Suche nach dem Schuldigen ist zu billig

Man muss Sané nicht für unantastbar halten, um zu erkennen, dass die deutsche Suche nach dem Schuldigen zu billig ist. Ein Turnier scheitert selten an einem Einzelnen, und wenn doch, dann braucht es dafür mehr als ein Bauchgefühl. Buruk liefert das Gegenargument, ohne ins Pathos zu verfallen – mit einem fast trockenen Befund.

Die entscheidende Frage stellt er selbst, indem er es „fast schon ein bisschen lustig“ findet, dass Sané zum Sündenbock werde. Wer über diese Wortwahl schmunzelt, hat verstanden, worum es geht: nicht um Sané, sondern um die Ehrlichkeit der Kritiker.

Von Redaktion

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