Deutschland steckt seit Jahren in der Fußballkrise. Mats Hummels und Thomas Müller versuchen sich, den Problemen anzunähern. Ein Vergleichspunkt: die Spanier.
Während Deutschland drei missratene Weltmeisterschaften in Folge hingelegt hat, steht Spanien 16 Jahre nach dem WM-Titel 2010 wieder im Finale. Außerdem gewannen die Iberer 2008, 2012 und 2024 die Europameisterschaft.
„Ich weiß nicht, ob es 100 Prozent stimmt. Aber mein Eindruck war so ein bisschen, dass man um 2010 herum dachte, man muss jetzt dieses vermeintliche Tiki-Taka der Spanier und des FC Barcelona kopieren, was damals State of the Art war“, sagt Hummels bei MagentaTV.
Diese Ausbildung brachte zwar „einen Haufen Spieler“ hervor, „die alle richtig gut zocken können“. Allerdings fehle es in Deutschland „an richtigen Dribblern“, also an Spielertypen, „die Eins-gegen-Eins gehen und Momente kreieren können aus dem Nichts“.
Zumal Hummels einwirft, dass in Deutschland seiner Ansicht nach „zu kurzfristig“ auf Ergebnisse geachtet werde – was dazu führe, „dass athletisch stärkere Spieler gegenüber denen eine Chance bekommen, die erst später athletisch werden“.
Expertenkollege Thomas Müller ergänzt: „Mir kommt es so vor, als sei die individuelle Entwicklung weniger wichtig als der mannschaftliche Erfolg. Und mannschaftlichen Erfolg kriegst du schon mit gutem Spielsystem, sehr viel Wert auf Taktik und diszipliniertem Spielen als Team.“
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Dabei seien die deutschen U-Mannschaften „gar nicht so unerfolgreich“, sagt der Profi der Vancouver Whitecaps. Den Gegenentwurf bilden die Spanier, die auch in der Jugend „immer jünger“ würden „und trotzdem immer in Finals“ stünden.
Müller: „Wir kaufen das oft eher mit älteren Spielern, die als Mannschaft gut funktionieren. Und eben nicht, dass wir nicht den aktuell besseren Spieler spielen lassen, sondern den, in dem wir mehr Potential sehen.“
Zugleich sieht Müller „auch die Spieler gefordert, sich bei den Vereinen durchzusetzen“. Er nennt die Beispiele von Florian Wirtz und Nick Woltemade, die bei Leverkusen beziehungsweise Stuttgart glänzten, das Niveau nach ihren Transfers in die englische Premier League aber nicht halten konnten. „Es ist nicht nur: Der DFB muss alles regeln“, sagt Müller dazu.
Indes stellt Jürgen Klopp die Notwendigkeit heraus, eine „Erwartungshaltung zu kreieren, die man erfüllen kann und mit der die Spieler umgehen können. Es hat ewig gedauert, bis die Spanier so ausgesehen haben, wie sie heute aussehen.“
Auf die Frage, ob im deutschen Jugendbereich nicht mit einer Sprache gesprochen werde, antwortet der designierte Bundestrainer: „Ich kann nicht einmal sagen, ob das im Moment nicht schon der Fall ist.“
Video: „Wir kreieren nur Schlagzeilen, nichts trifft den Kern“, sagt Klopp,regionOfInterest=(390,144)&hash=203d72364dd9b978f8401541b318e5417f4024ab13fcd9391dce6a04c1ca17b7)
Thomas Müller-Jürgen Klopp_DFB-Zukunft.mp4
FOCUS Online
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