Die WM 2030 ist für die Telekom mehr als ein TV-Deal: MagentaTV soll Kunden begeistern – und das Unternehmen grundlegend verändern.
Die WM 2030 ist für die Telekom mehr als ein TV-Deal: MagentaTV soll Kunden begeistern – und das Unternehmen grundlegend verändern.
Kurz vor Ende der WM kam die Meldung: Die Telekom hat sich für MagentaTV auch die Übertragungsrechte für alle 104 Spiele der Weltmeisterschaft 2030 gesichert.
Ein Blick hinter die Kulissen und exklusive Einblicke zeigen jedoch: Für Magenta geht es um weit mehr. Es ist eine radikale Neupositionierung des Internetgeschäfts – mit Chancen, aber auch Risiken.
Das Umfeld ist hart umkämpft. In einer Zeit, in der Internetzugänge ein eher beliebiges und vergleichbares Produkt sind, muss man sich abheben. Bei MagentaTV hofft Arnim Butzen, Senior Vice President TV & Entertainment, auf einen emotionalen Mehrwert. Sein Sender lädt das beliebige Produkt Internetzugang mit Live-Übertragungen und Sendungen mit Fußball maximal emotional auf.
Kishor Sridhar ist angesehener Berater, Keynote-Speaker und Autor, spezialisiert auf Change Management, Führung und Digitalisierung. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Mit dieser Strategie will Magenta zum letzten großen TV-Lagerfeuer werden. Butzen nennt das so: Customer Experience First. Also: Kundenerlebnis zuerst.
Doch wenn der Sender ein Zuhause und gemeinsame Momente verkörpern will, muss er die Unterschiedlichkeit der Zuschauer berücksichtigen. Den ersten Schritt hat er bei den Spielen der türkischen Nationalmannschaft mit türkischem Kommentar und eigenen Analysen gemacht. Hier werden nun weitere Angebote folgen müssen, aber nicht nur nach Ländern, sondern auch nach weiteren Interessen und Schwerpunkten.
Ferner bedeutet Customer Experience im Internetzeitalter auch Interaktion mit Zuschauern. Um ein Gefühl des Miteinanders zu schaffen, muss müssen Communities live interagieren: in Live-Foren und Mitmachsendungen, aber klüger und moderner als die einfachen Chatfragen, die gerne im Öffentlich-Rechtlichen eingebunden werden.
Ein Lagerfeuer lebt von Community. Wenn dieser Innovationsschub nicht erfolgt, reicht es bei aller Begeisterung nicht, dem neuen Anspruch der Kunden an Customer Experience gerecht zu werden.
Zudem muss die emotionale Customer-Service-Experience weitergedacht werden. Sie muss bereits bei der ersten Kontaktaufnahme, dem Bestellvorgang, der Installation bis hin zur möglichen Fehlerbehebung von allen Mitarbeitern gelebt werden.
Deswegen ist Customer Experience eine Mammutaufgabe für das gesamte Unternehmen und das an jedem Punkt, an dem der Kunde mit dem Sender in Berührung kommt.
Als Change-Manager erlebe ich immer wieder, dass Wandel daran scheitert, wenn intern die Mitarbeiter nicht richtig eingebunden werden. Butzen räumt ein, dass „große Content-Investitionen eine andere Unsicherheit mit sich bringen als klassische Infrastrukturprojekte.“ Projekte anzugehen, ohne Präzision und Verlässlichkeit aufzugeben, war seiner Aussage nach kulturell die anspruchsvollste Aufgabe.
Bei MagentaTV wurde intern das Motto ausgerufen, man wolle „die WM nach Hause holen“, diese Vision wurde in einem Town-Hall-Meeting mit tausenden Mitarbeitern vorgestellt. Der richtige Ansatz. Vor allem, wenn man laut Butzen vermittelt: dass die Frage nicht mehr nur lauten sollte, ob alles perfekt funktioniert, sondern vor allem, ob es die Menschen begeistert. Doch der Erfolg liegt dann in der Umsetzung im Alltag.
Change-Projekte scheitern oft daran, dass eine einmalige Ansprache zwar Begeisterung entfacht, diese aber im Alltag gelebt und in Handeln umgesetzt werden muss. Und hier kommt es auf eine positive und sehr gute Führungskultur an, die aber schnell kippen kann, wenn es in der Umsetzung knirscht.
Um also den Wandel bei der Telekom erfolgreich voranzutreiben, müssen ergänzend zu Customer Experience First auch der Grundsatz bei den Führungskräften der mittleren Ebene lauten: Employee Experience First. Denn ein emotionales Projekt wird nur zum Erfolg durch die Emotionen der Mitarbeitenden.
Insofern ist das Projekt WM bei MagentaTV nicht nur nach außen hin interessant, sondern intern werden die Weichen gestellt, welches Unternehmen man in Zukunft ist: eins mit großen Visionen oder eins, das eine ganz neue, dynamische Unternehmens- und Führungskultur hat, die Großes auf die Beine stellt. Ob dies dann 2030 gelungen ist, entscheiden letztlich dann die Zuschauer.
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