Junge Menschen äußern verstärkt den Wunsch, im Job etwas mit den Händen zu erschaffen. Dass auch Berufe im Bauwesen und Handwerk zunehmend digital sind, wird allerdings noch von vielen unterschätzt.
weiterlesen auf t3n.de
Junge Menschen äußern verstärkt den Wunsch, im Job etwas mit den Händen zu erschaffen. Dass auch Berufe im Bauwesen und Handwerk zunehmend digital sind, wird allerdings noch von vielen unterschätzt.
Von Noëlle Bölling
Im KI-Zeitalter werden Bürojobs für junge Menschen unattraktiver. (Foto: Shutterstock / DJ Creative Studio)
KI verändert die Arbeitswelt – und damit auch die Berufswünsche junger Menschen. In den USA fühlen sich 82 Prozent der 14- bis 23-Jährigen im Umgang mit Tools wie Claude, Gemini und ChatGPT zwar sicher. Aber anstatt vollständig digitaler Berufe wünschen sich viele etwas anderes: Sie wollen physische Dinge herstellen und mit den Händen arbeiten. Das geht aus dem „AI Jobs Report 2026” des Softwareunternehmens Autodesk hervor, für den 1.000 Schüler:innen und Student:innen im Alter von 14 bis 23 Jahren sowie 500 Fachkräfte aus kreativen und produzierenden Berufen befragt wurden.
Gen Z im Bewerbungsstress: Arbeitsmarkt für Akademiker bricht ein
Die Gen Z steckt in einer beruflichen Krise. Die Zahl offener Stellen für Berufsanfänger:innen ist deutlich gesunken und selbst ein Abschluss von Elite-Universitäten wie Stanford garantiert keine steile Karriere mehr. Besonders betroffen sind gut bezahlte Büro- und Verwaltungsjobs, die lange als stabil galten. Laut einer Erhebung des Pew Research Centers sind deshalb sieben von zehn US-Amerikaner:innen der Meinung, dass sich das Hochschulsystem in die falsche Richtung entwickelt. Mehr als die Hälfte kritisiert, dass Universitäten ihre Absolvent:innen nicht ausreichend auf den aktuellen Arbeitsmarkt vorbereiten.
Auch in Deutschland ist die Lage schwierig: Aktuell sind so viele unter 30-Jährige Hochschulabsolvent:innen arbeitslos gemeldet wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Laut einer Stepstone-Analyse müssen junge Akademiker:innen inzwischen im Durchschnitt 40 Bewerbungen verschicken, um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden – bei einem durchschnittlichen Aufwand von sieben Stunden pro Bewerbungsprozess. Besonders frustrierend: 74 Prozent berichten, dabei mindestens einmal gar keine Rückmeldung erhalten zu haben. Bei Gleichaltrigen mit Berufsausbildung läuft es etwas besser: Hier ist die Ghosting-Rate niedriger und es sind im Schnitt nur 26 Bewerbungen für eine Einladung nötig.
Autodesk-Studie: Handwerk und Bauwesen werden für Gen Z attraktiver
Junge Menschen, die noch vor ihrem Abschluss stehen, scheinen diese Entwicklung aufmerksam zu verfolgen – und wenden sich angesichts der Krise verstärkt praktischen Berufen zu. Im Autodesk-Report gaben 66 Prozent der Schüler:innen und Student:innen sowie 61 Prozent der Berufstätigen an, sich eine Laufbahn zu wünschen, in der sie Dinge herstellen können – sechs Prozent mehr als noch im Jahr 2024. Auf die Frage, welche Arbeit ihnen im KI-Zeitalter attraktiver erscheint, entscheiden sich Schüler:innen und Student:innen mit einem Verhältnis von mehr als zwei zu eins für die physische gegenüber der digitalen Welt. Bei Berufstätigen beträgt das Verhältnis sogar mehr als vier zu eins.
Gleichzeitig offenbart der Report eine Wissenslücke: 60 Prozent der Befragten assoziieren Bauwesen, Fertigung und Handwerk vor allem mit manuellen Fähigkeiten, nur 24 Prozent beschreiben diese Bereiche als hochtechnologisch. Und obwohl sich die meisten im Umgang mit alltäglichen KI-Tools sicher fühlen, sehen sich nur 36 Prozent in der Lage, berufsfeldbezogene KI-Werkzeuge zu nutzen. Diese Lücke versuchen viele selbstständig zu schließen: So geben 80 Prozent an, sich berufsrelevante Fähigkeiten etwa über Youtube-Videos aneignen zu wollen. Weniger als jede:r Fünfte greift dafür auf Praktika oder andere praktische Erfahrungen zurück.
Empfohlene redaktionelle Inhalte
Hier findest du externe Inhalte von TargetVideo GmbH,
die unser redaktionelles Angebot auf t3n.de ergänzen.
Mit dem Klick auf "Inhalte anzeigen" erklärst du dich einverstanden,
dass wir dir jetzt und in Zukunft Inhalte von TargetVideo GmbH auf unseren Seiten anzeigen dürfen.
Dabei können personenbezogene Daten an Plattformen von Drittanbietern übermittelt werden.
Warum Handwerksberufe digitaler sind, als viele denken
„Die Absolvent:innen von heute kennen kein Studium ohne ChatGPT. Gleichzeitig wollen Student:innen aber nicht ausschließlich hinter einem Bildschirm arbeiten. Da Künstliche Intelligenz rein digitale Arbeit unsicherer und weniger menschlich erscheinen lässt, beobachten wir tatsächlich, dass sich immer mehr junge Menschen von der Idee angezogen fühlen, mit ihren Händen etwas Greifbares zu schaffen“, erklärt Dara Treseder, Chief Marketing Officer bei Autodesk gegenüber t3n. Laut einer Analyse des Unternehmens sei die Zahl der KI-bezogenen Stellenangebote für Design und Fertigung im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent gestiegen. Jetzt gelte es, junge Menschen gezielt auf diese Berufe vorzubereiten und ihre Erwartungen der Realität anzupassen.
Dieser Artikel wurde ursprünglich am 04.07.2026 veröffentlicht, interessiert jedoch immer noch sehr viele unserer Leser:innen. Deshalb haben wir ihn aktualisiert und hier nochmals zur Verfügung gestellt.