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Sie hätten nur noch deutlich mehr Schwierigkeiten, einen Handerker zu finden als ohnehin schon.
"Seitdem 2004 viele Handwerke vom Meisterzwang befreit wurden, erlebte das deregulierte Handwerk eine erfreuliche Gründungsdynamik." Gerne hier nachlesen: https://www.buhev.de/2018/12/pm_afd_will_meisterzwang_ausweiten.html
Herzliche Grüße
Die Redaktion
FRANKFURT/MAIN. Das – erneute – frühe Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft wird die Diskussion über den Zustand des deutschen Fußballs neu entfachen. Der Turnierverlauf bestätigt eine Analyse, die seit einiger Zeit schon die Nachwuchsförderung prägt: Deutschland bildet zu wenige Spitzenfußballer aus. Mit neuen Trainings- und Spielformen soll deshalb die Talententwicklung verbessert werden. Seit knapp zwei Jahren ist die Reform in Kraft. Doch sie ruft nach wie vor Kritiker auf den Plan. Bis hinauf zum Bundeskanzler. Der Konflikt wächst sich zum Kulturkampf aus – was auffällig an die Debatte um die Bundesjugendspiele erinnert.
Top of the Pops. (Symbolbild.) Foto: Shutterstock
Unschwer vorauszusagen: Das Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft, schon das dritte Scheitern bei Weltmeisterschaften hintereinander, wird erneut für Diskussionen über die Zukunft des deutschen Fußballs sorgen. Für den Deutschen Fußball-Bund dürfte die sportliche Krise nicht überraschend kommen. Seit Jahren weisen Verantwortliche darauf hin, dass Deutschland in der Talententwicklung international an Boden verloren hat. Die Spieler, die heute das Nationaltrikot tragen, wurden noch weitgehend nach den bisherigen Konzepten ausgebildet. Gerade deshalb versucht der Verband ja bereits, den Kinder- und Jugendfußball grundlegend zu verändern.
Deutschland bilde zu wenige Spitzenspieler aus, viele Kinder hörten früh mit dem Fußball auf, heißt es zur Begründung. Mit kleineren Spielformen und mehr Ballkontakten soll sich das nach Vorstellung des Verbandes ändern. Doch dafür wird er angegangen.
„Wenn du beim Training in der Schlange stehst oder am Wochenende kaum spielst, hören Kinder irgendwann auf“Millionen Kinder und Jugendliche spielen zwar weiterhin hierzulande Fußball – mit rund 2,38 Millionen organisierten Spielerinnen und Spielern bleibt Fußball nach Angaben die mit Abstand größte Sportart Deutschlands. Gleichzeitig beobachtet der Verband jedoch einen deutlichen Wandel. Vor allem zwischen D- und B-Jugend hören viele Jugendliche auf. Mannschaften lösen sich auf, Vereine verlieren Spielerinnen und Spieler, insbesondere im ländlichen Raum kämpfen Klubs ums Überleben. Als Ursachen nennt der DFB unter anderem die Konkurrenz durch soziale Medien, Gaming und Streamingangebote sowie veränderte Freizeitgewohnheiten.
Für Hannes Wolf, Direktor für Nachwuchs, Training und Entwicklung beim DFB, beginnt das Problem auch schon auf dem Trainingsplatz. Kinder hätten zu wenig Ballkontakte, müssten zu lange warten und seien zu selten aktiv am Spiel beteiligt. „Wenn du beim Training in der Schlange stehst oder am Wochenende kaum spielst, hören Kinder irgendwann auf“, sagt Wolf im ZDF. Deshalb arbeitet der Verband an einer neuen Trainingsphilosophie. Kleinere Spielformen, kleinere Gruppen und mehr Spielsituationen sollen dafür sorgen, dass jedes Kind häufiger am Ball ist, mehr Entscheidungen trifft und stärker eingebunden wird. Denn vielen Kindern fehle vor allem eines: „das Gefühl, wichtig zu sein“, wie es in dem Bericht heißt.
Wolf weist den Eindruck zurück, die Reform richte sich gegen den Leistungsgedanken. „Wir waren in der Spielerentwicklung nicht gut genug. Da müssen wir uns deutlich steigern, denn wir wollen die Besten werden.“ Die Reform soll also dazu beitragen, den deutschen Fußball langfristig wieder erfolgreicher zu machen – mehr Leistung also, nicht weniger.
Was dieser Ansatz auf dem Platz verändert, zeigte sich im vergangenen Herbst (ein Jahr nach Einführung der Reform) zum Beispiel beim Kinderfußball-Spieltag in Südbaden, über den der SWR berichtet. Statt sieben gegen sieben spielen die jüngsten Kinder nun überwiegend drei gegen drei auf mehreren kleinen Spielfeldern. Teilweise kommen vier Minitore zum Einsatz.
Ziel ist es, jedes Kind möglichst häufig ins Spiel einzubeziehen. Tobias Barth, Leiter der Abteilung Kinderfußball beim Südbadischen Fußballverband, beschreibt den Unterschied anschaulich: „Wenn ich so an meine eigene F-Jugend-Zeit zurückdenke, wo wir sieben gegen sieben gespielt haben und vielleicht zwei Kinder eingebunden waren, die anderen haben Blumen gepflückt. Jetzt sind alle Kinder mittendrin und sind auch wirklich am Ball: megagut.“
Auch die ungewöhnliche Anordnung der Tore verfolgt einen pädagogischen Zweck. „Da passiert unheimlich viel im Kopf von den Kindern. Wir schaffen es früh, dass sie sich nach außen entwickeln. Wenn die Kinder wahrnehmen, ‚da ist ja noch ein Tor, das ist offen‘, dann passiert halt etwas“, erläutert Barth dem Bericht zufolge. Nach Darstellung des Verbandes sollen die Kinder dadurch häufiger Spielsituationen lösen, räumlich denken und eigenständig Entscheidungen treffen.
Bemerkenswert ist dabei, dass die Reform an der Basis offenbar deutlich weniger umstritten ist als in der politischen Debatte. Der SWR berichtet von Eltern, die vor allem die größere Beteiligung ihrer Kinder positiv bewerten. „Die Kinder spielen jetzt mehr, schießen mehr aufs Tor, haben mehr Erfolgserlebnisse. Ich glaube, das ist ganz wichtig“, sagt ein Vater. Eine Mutter erklärt: „Ich finde das wirklich gut. Ich glaube, dass der Wettbewerb auch Druck machen kann und die Kinder sind ja eh gerade erst dabei, sich zu finden.“ Trainerin Sara Wolz berichtet zugleich, den Kindern selbst seien viele der Diskussionen gleichgültig. „Denen ist es im Endeffekt auch egal, wie groß die Tore sind, ob es Stangentore sind, Hütle-Tore oder normale Tore.“ Für sie gelte schlicht: „Tor ist Tor.“
Nicht alle teilen die Sicht des DFB. Der damalige Zeit-Kolumnist, heute für die Bild schreibende Harald Martenstein sah in der Reform einen grundsätzlichen „Abschied vom Leistungsdenken“. Die Veränderungen erinnerten ihn an Reformen des Bildungssystems, bei denen der Leistungsgedanke ebenfalls an Bedeutung verloren habe. Ironisch zog er den Vergleich mit einem bedingungslosen Grundeinkommen: „Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens an Einsatzzeiten und Toren für junge Fußballernde ist ein erster Schritt.“ Soll heißen: Wer Anfangshürden senkt, um den Einstieg zu erleichtern, erzieht damit Kinder zur Schwäche – der polemische Begriff „Kuschelpädagogik“ liegt in der Luft.
Tatsächlich entwickelte sich die Reform rasch zu einem politischen Symbolthema. CDU-Chef Friedrich Merz kündigte Anfang 2025 (also im damaligen Bundestagswahlkampf) an, er werde den Deutschen Fußball-Bund bitten, „in der E- und F-Jugend wieder Fußballspiele stattfinden zu lassen, wo Tore geschossen werden dürfen“. Dabei sieht die Reform keine Abschaffung von Toren vor. Verändert wurden Mannschaftsgrößen, Spielfelder und Wettbewerbsformen. Dennoch verlagerte sich die Diskussion schnell von sportpädagogischen Fragen auf eine grundsätzliche Debatte über Leistung, Wettbewerb und Erziehung.
„Die Debatte über die Teilnehmer- statt Siegerurkunden bei Bundesjugendspielen verlief ähnlich plump“Der Sportjournalist Oliver Fritsch beschrieb diese Entwicklung in der Zeit als Ausdruck eines politischen Kulturkampfs. „Der Kulturkampf hat den Kinderfußball erreicht“, schreibt er. Merz‘ Aussage sei „ein Paradebeispiel für Populismus. Fakten vereinfachen und verdrehen, damit es ins Weltbild passt.“ Auffällig sei die Parallele: „Die Debatte über die Teilnehmer- statt Siegerurkunden bei Bundesjugendspielen verlief ähnlich plump.“ Meist führten sie Menschen, „die sich sonst nicht viel um das Thema Sport scheren“, ihn aber als Projektionsfläche für gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen nutzten. Mittlerweile wurde die Reform der Bundesjugendspiele auf Drängen der CDU wieder teilweise gekippt (News4teachers berichtete).
Tatsächlich verbindet beide Reformen dieselbe Grundidee. Weder der DFB noch die Kultusministerkonferenz (einschließlich der beteiligten Spitzensportverbände) wollten Wettbewerb oder Leistung abschaffen. Beide Reformen entstanden aus der Diagnose, dass die bisherigen Konzepte den heutigen sportpädagogischen Erkenntnissen nicht mehr entsprechen. Die eigentliche Kernfrage dabei lautet nicht, ob Leistung wichtig ist. Sondern wie sie in der Breite entsteht. Doch diese entscheidende Frage rückt im politischen Kulturkampf völlig aus dem Fokus.
Dass der heutige Bundeskanzler Merz als Reformkritiker nicht viel Sachverstand mitbringt, machte er einmal mehr mit einem Post nach der tristen Niederlage der Nationalmannschaft deutlich. „Was für ein Spiel“, schrieb er begeistert auf Instagram – seitdem rätselt die Öffentlichkeit, welches Spiel er geguckt hat. News4teachers
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