In „Sturm der Liebe“ spielt Ziegler eine Weltenbummlerin. Auch privat ist sie reiselustig – und entging dabei einst knapp einer Katastrophe.
Von großen Theater- und Musicalrollen wie „Evita“ bis Serien wie „Gegen den Wind“ – Daniela Zieglers Karriere hat eine erstaunliche Vielfalt zu bieten. Demnächst beweist die erfahrene Schauspielerin, die derzeit im Salzburger „Jedermann“ auf der Bühne steht, in der Daily Soap „Sturm der Liebe“ (montags bis freitags ab 15.10 Uhr in der ARD) ihre Talente (ab 18. September). Diese Bandbreite spiegelt sich auch in ihrem wechselvollen Werdegang zwischen Europa und den USA wider. Wie die 77-Jährige im Interview erklärt, war der schon in ihrer frühesten Kindheit zu erkennen – was für ihre Eltern einige Komplikationen mit sich brachte.
Ihre Figur Mona Fischer im „Sturm der Liebe“ ist eine Weltenbummlerin. Sie selbst können auch auf ein Leben voller Veränderung zurückblicken. Sehen Sie da Gemeinsamkeiten mit Ihrer Figur?
Daniela Ziegler: Da gibt es durchaus Ähnlichkeiten. Als freiberufliche Schauspielerin arbeitet man eben überall da, wo man etwas angeboten bekommt – und das auf der ganzen Welt. Ich habe da viele schöne Dinge erlebt, ob bei Drehs auf Schiffen oder im Theater. Mir macht das Freude, weil ich gerne unterwegs bin.
Mona Fischer will sich die ganze Welt anschauen. Gibt es Orte auf dem Globus, die Sie unbedingt noch sehen möchten?
Ich war immer noch nicht auf Island, weil ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich im Winter oder im Sommer dorthin möchte. Und dann hat es zeitlich nicht gepasst. Das steht also noch auf meiner Liste. Auch wollte ich mal im Wohnmobil die Westseite Südamerikas befahren – vom Äquator bis an die Südspitze. Aber ich habe leider in meinem Freundeskreis niemanden gefunden, der da mitmachen wollte. Es war denen zu lang und zu unbequem. Und man muss sich ja auch wirklich gut miteinander verstehen, wenn man so eine lange Reise gemeinsam unternimmt.
Dafür braucht man auch eine gewisse Abenteuerlust. Wie hoch ist die Ihre?
Ziemlich hoch. Ich bin gerne bereit, etwas hinter mir zu lassen, um etwas Neues zu unternehmen, ob beruflich oder privat. Allerdings ist dieser Hang in meinem doch ziemlich hohen Alter etwas gedämpfter. Früher war ich noch viel mehr unterwegs.
Die Alterswahrnehmung hat sich doch inzwischen geändert …
Das schon, trotzdem bin ich in zwei Jahren 80. Da bin ich dann keine ältere Dame mehr, sondern eine alte Frau. Wobei die Zahl etwas anderes als die eigene Befindlichkeit oder Ausstrahlung ausdrückt, die bei mir effektiv jünger ist. Aber es gibt genügend Altersdiskriminierung. Zum Beispiel darf man kein Auto mehr anmieten, weil man zu alt ist, obwohl die meisten Unfälle von jungen Menschen verursacht werden.

Daniela Ziegler ist ab dem 18. September als Mona in „Sturm der Liebe“ zu sehen und verkörpert die Mutter von Schauspielekollege Philip Birnstiel.© ARD | Christof Arnold
Sie meinten in einem Interview, dass Sie früher einmal Ärztin werden wollten.
Für arme kleine Kinder. Tierärztin wollte ich auch mal werden. Das waren so Gedanken in der Jugendzeit.
„Mückchen“: So war die Schauspielerin in ihren jungen JahrenBedauern Sie es ein bisschen, dass daraus nie etwas geworden ist?
Nein, denn die Schauspielerei stand schon immer im Vordergrund. Ich war einfach als Kind sehr unruhig. Meine Mutter hat mich auch „Mückchen“ genannt, weil ich ständig draußen herumschwirrte. Man musste mich ständig suchen. Ein anderer Spruch von ihr war: „Du hast eigentlich einen Koffer in der Hand.“
Aber Ihre Eltern haben Sie jedes Mal gefunden?
Ja klar. Die haben dann einfach im Bekanntenkreis herumtelefoniert: „Wo ist sie denn?“
Und wo waren Sie?
Bei irgendeinem Schulkameraden, oder ich bin mit dem Fahrrad herumgefahren und habe die Zeit vergessen. Ich war fröhlich unterwegs, ohne zu Hause Bescheid zu geben.
Waren Ihre Eltern nachsichtig?
Erst einmal haben sie geschimpft, aber es war nicht schlimm. Letztlich wurde das mit einem Blinzeln akzeptiert. Ich hatte eben gewisse Freiheiten, durfte auch bei Freundinnen übernachten.
Wie kommen Sie denn heute damit klar, wenn Sie mit einem festen Drehplan wie bei „Sturm der Liebe“ arbeiten?
Ich hatte vor ungefähr 15 Jahren in der Telenovela „Herzflimmern“ gespielt, weil ich damals ausprobieren wollte, ob ich diese Schnelligkeit und Flexibilität hinbekomme. Das ging so gut, sodass man mich weiter in die Serie hineinschreiben wollte. Das habe ich aber abgelehnt. Jetzt wollte ich sehen, ob ich das immer noch kann, und ich habe festgestellt: Es geht noch immer.
Es war ein strenges Programm, aber ich habe mich auch vom Team sehr gut aufgenommen gefühlt. Und ich kenne feste Strukturen von meinen Musical-Engagements. Da musst du mehrere Monate lang jeden Abend funktionieren, egal, wie es dir geht. Die ganze Konzentration geht auf den Abend. Da kann man tagsüber nicht irgendeinen Blödsinn machen.
Flug verpasst: Schauspielerin entging nur knapp FlugzeugunglückHaben Sie sich in Ihrer langjährigen Karriere denn alle Wünsche und Träume erfüllt?
Lassen Sie es mich so sagen: Ich bekam nach meinem Musical-Studium in New York unglaublich tolle Aufgaben. Ich wollte aber nie eine Musical-Rolle zwei, drei Jahre am Stück spielen, sondern höchstens acht Monate. Und Gott sei Dank konnte ich das durchsetzen, weil man mich unbedingt haben wollte. So bekam ich tolle Aufgaben und bei Drehs durfte ich mich an den schönsten Orten aufhalten.
Weil ich regelmäßig Aristokratinnen gespielt habe, habe ich meine Zeit oft in Schlössern verbracht, während Kollegen, die in Krimis und Sozialdramen aufgetreten sind, unter schrecklichen Umständen in irgendwelchen Kellern und Hallen drehen mussten. Ein Geschenk.
Brauchen Sie persönlich den Luxus von Schlössern oder kommen Sie mit einem Koffer klar?
Ich muss nicht in einem Schloss wohnen, aber wenn ich für die Arbeit irgendwohinfahre, nehme ich meinen halben Hausstand mit. Ästhetik spielt für mich eine große Rolle, und wenn man unterwegs ist, ist es nicht immer leicht, schöne Wohnungen zu finden. Sonst musste ich oft meterweise Nesseltücher kaufen, um irgendwelche schrecklichen Muster zu überdecken.
Mit der Südamerika-Tour hat es ja nicht geklappt – aber was war denn ihre abenteuerlichste Reiseerfahrung?
Ich habe nichts wirklich Gefährliches erlebt. Ich habe Seereisen auf Segelschiffen und Safaris gemacht, aber es war nicht so, dass ich gerade mal einem Löwen entkommen bin. Es gab eine Situation, in der ich einen Flieger verpasst habe, und dieses Flugzeug ist dann verunglückt. Da war der Schutzengel ganz lieb mit mir.