Zu Hause Astroaufnahmen machen? Klingt nach Tausenden Euros, langen Nächten und vielen Fehlschlägen. Das Dwarf Mini von DwarfLab will Sternenfotos vereinfachen. Wie gut das klappt, zeigt der Praxis-Test von COMPUTER BILD.
Kompakt und smart: Das Dwarf Mini soll den Sternenhimmel einfacher aufs Foto bringen.
Foto: COMPUTER BILD
Zu Hause Astroaufnahmen machen? Klingt nach Tausenden Euros, langen Nächten und vielen Fehlschlägen. Das Dwarf Mini von DwarfLab will Sternenfotos vereinfachen. Wie gut das klappt, zeigt der Praxis-Test von COMPUTER BILD.
Das Dwarf Mini richtet sich vor allem an Hobby-Astronomen, die ohne großen Technikaufwand und ohne Vorwissen in die Astrofotografie einsteigen möchten. Die App nimmt viel Arbeit ab, das kompakte Teleskop findet seine Ziele weitgehend selbst und liefert mit genug Zeit ansehnliche Aufnahmen. Wer maximale Kontrolle, kurze Aufnahmezeiten oder Profiqualität erwartet, ist mit klassischem Astro-Equipment besser bedient. Für den unkomplizierten Einstieg in die Sternenfotografie eignet sich das Dwarf Mini jedoch.
Pro
Kontra
Die Sonnenfinsternis ist vorbei, die Faszination für Sterne aber noch da? Dann könnte ein smartes
Teleskopwie das DwarfLab Dwarf Mini interessant sein. Es soll Sterne, Nebel und Galaxien leichter auffindbar machen und den Einstieg in die Astrofotografie ermöglichen. COMPUTER BILD hat das kompakte Teleskop ausprobiert und zeigt, was im Alltag klappt und wo die Grenzen liegen.
Groß war die Überraschung, als wir das Dwarf-Mini-Paket erhielten: Es ist erstaunlich klein. Darin steckt ein Teleskop? Ja, und ob.

Der Größenvergleich zeigt: Das Dwarf Mini ist deutlich kleiner als ein MacBook Air.
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Neben dem Dwarf Mini liegen ein USB-C-Kabel und ein ND-Filter im Karton. Damit lässt sich sogar die Sonne fotografieren, ohne den empfindlichen Bildsensor zu gefährden. Mit 840 Gramm ist das Gerät leicht genug für den Rucksack. Trotz der kleinen Bauform ist das Dwarf Mini kein Schnäppchen. Zum Testzeitpunkt kostete das smarte Teleskop rund 412 Euro.

Alles überschaubar: Neben dem Dwarf Mini liegen USB-C-Kabel, Putztuch und ND-Filter im Karton.
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Zwar besteht das Gehäuse größtenteils aus Kunststoff, es wirkte aber ordentlich verarbeitet. Viel zu bedienen gibt es am Gerät nicht: An der Seite sitzt nur ein Knopf zum Ein- und Ausschalten. Den Rest macht man über die App Dwarflap für
Androidund
iOS.
Technisch setzt das Dwarf Mini auf zwei Kameras: ein Teleobjektiv mit 150 Millimeter Brennweite für die Himmelsaufnahmen und eine Weitwinkelkamera mit 6,7 Millimeter Brennweite zur Orientierung. Die Verbindung zur App erfolgt entweder über das heimische WLAN oder über den integrierten Hotspot des Teleskops. Für Aufnahmen stehen 64 Gigabyte interner Speicher bereit.
Nach kurzer Eingewöhnung hilft vor allem die Objekt-Datenbank der App: Statt Koordinaten zu suchen und selbst einzugeben, tippen Sie einfach auf das jeweilige Himmelsobjekt Ihrer Wahl. Anschließend schwenkt das kleine Teleskop wie von Geisterhand bewegt in die richtige Position. Genau hier unterscheidet sich das Dwarf Mini von vielen klassischen Teleskopen: Nachführung,
Bildbearbeitungund das Zusammensetzen der Aufnahmen erledigt das Gerät weitgehend selbst.

Die App verbindet das Teleskop, wählt Ziele aus und zeigt den geplanten Himmelsausschnitt.
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Also Motiv ausgewählt, Aufnahme gestartet und gespannt auf das erste Ergebnis gewartet. Dann folgte allerdings der Dämpfer. Um 01:00 Uhr nachts am Waldrand zeigte die App eine ernüchternde Dauer an: Für die Aufnahme würden voraussichtlich 4 Stunden und 9 Minuten benötigt. Uff. Das ist eine Ansage. Ein paar kurze Aufnahmen machten wir zwar noch, für mehrere Stunden waren wir allerdings schlecht vorbereitet. Ein Zelt oder eine andere Übernachtungsmöglichkeit hatten wir nicht dabei. Also ging es wieder zurück nach Hause. Klar ist: Das Dwarf Mini macht Astrofotografie zumindest nicht schneller.

Einfach gestartet, lange gewartet: Die App kündigte mehr als vier Stunden Aufnahmezeit an.
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Der zweite Versuch startete kurzerhand vom Dach der eigenen Wohnung aus. Doch konnte das überhaupt funktionieren? Und – vor allem –: Wie sehen die Aufnahmen am Ende aus?
Doch siehe da: Vom Dach aus lief es deutlich besser. Das Dwarf Mini erkannte die Sterne zuverlässig und konnte das Zielobjekt selbstständig verfolgen. Hier zeigt sich der größte Vorteil der Automatik. Das Prinzip dahinter ist einfach: Das Dwarf Mini macht Hunderte Einzelaufnahmen mit Belichtungszeiten von bis zu 180 Sekunden. Damit die Sterne dabei nicht zu Strichen werden, gleichen die eingebauten Motoren die Erdrotation kontinuierlich aus.

Ein erster Versuch – für den Anfang kann sich das Ergebnis sehen lassen.
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Ganz ohne Einschränkung gilt das aber nicht. Wer die längsten Belichtungszeiten nutzen möchte, muss das Dwarf Mini zusätzlich möglichst genau auf die Erdachse ausrichten. Dafür braucht es ein separates Stativ. Nur dann lassen sich die vollen 180 Sekunden ohne sichtbare Sternspuren ausnutzen.
Laut Hersteller sollen integrierte Filter Bildrauschen reduzieren und störendes Mond- oder Stadtlicht herausfiltern. So sollen auch in kleineren Städten noch verwertbare Aufnahmen möglich sein. Dieser Eindruck bestätigte sich in der Praxis: Selbst in einer Kleinstadt gelangen ohne großen Aufwand ansehnliche Bilder von Sternen und Nebeln.

Nicht nur nachts: Mit dem ND-Filter erfasst das Dwarf Mini auch die Sonne samt Flecken.
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Anschließend verrechnet die App die Einzelbilder zu einer fertigen Aufnahme. Unscharfe oder verwackelte Fotos sortiert das System automatisch aus. So entstehen Bilder von Sternen, Nebeln und Galaxien, die mit einer einzelnen Aufnahme kaum möglich wären.
Nach den ersten Versuchen zeigte sich ein weiterer Vorteil der App: Sie bietet eine eigene KI, mit der sich Aufnahmepläne per Chat erstellen lassen. Nach kurzem Austausch und der Angabe, welcher Himmelsausschnitt vom Dach aus sichtbar war, schlug die KI den Nordamerikanebel als Ziel vor und programmierte die Aufnahme direkt ein.

Nicht perfekt, aber eindrucksvoll: Aus vielen Einzelbildern entsteht ein Sternfeld mit rotem Nebel.
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Gerade bei automatischen Nachtserien zählt Reserve. Der 7.000-Milliamperestunden-Akku reichte im Praxis-Test für einzelne Sessions problemlos aus. Wer regelmäßig mehrstündige Aufnahmeserien plant, sollte trotzdem eine gute Powerbank bereithalten, damit die Serie nicht kurz vor dem letzten Foto abbricht.
Die Ergebnisse sehen für ein so kleines Teleskop erstaunlich gut aus. Ein großer Teil des Bildeindrucks entsteht aber erst durch die Nachbearbeitung der App. Für Einsteiger ist das kein Nachteil. Im Gegenteil: Das Dwarf Mini liefert Bilder, die viele Einsteiger mit einem klassischen Teleskop kaum auf Anhieb hinbekämen.
Trotzdem bleiben klare Grenzen. Gute Aufnahmen brauchen Zeit. Je nach Motiv können mehrere Stunden Belichtungszeit nötig sein. Es ist also Geduld gefragt. Außerdem hängt die Qualität stark vom Wetter, von der Lichtverschmutzung und vom Standort ab.

Der Zwerg macht neugierig: Schon beim ersten Blick wirkt das Dwarf Mini eher wie Technikspielzeug als wie ein klassisches Teleskop.
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Grenzen setzt auch die Kameraauflösung. In der Telekamera steckt ein Sony IMX662, in der Weitwinkelkamera ein OmniVision OS02K10. Beide Sensoren sind 1/2,8 Zoll groß und lösen mit 1920x1080 Pixeln (Full HD) auf. Für Smartphone und soziale Netzwerke reicht das aus. Für großformatige Ausdrucke ist die Auflösung aber zu gering.
Aus der Sicht ambitionierter Astrofotografen ersetzt das kompakte Gerät keine größere, teurere Astro-Ausrüstung. Wer aber ohne viel Vorwissen Sterne, Nebel oder Galaxien fotografieren möchte, bekommt ein einfach zu bedienendes Teleskop, das viel von selbst erledigt.
DWARFLAB
419,00 EUR
Das Dwarf Mini richtet sich vor allem an Hobby-Astronomen, die ohne großen Technikaufwand und ohne Vorwissen in die Astrofotografie einsteigen möchten. Die App nimmt viel Arbeit ab, das kompakte Teleskop findet seine Ziele weitgehend selbst und liefert mit genug Zeit ansehnliche Aufnahmen. Wer maximale Kontrolle, kurze Aufnahmezeiten oder Profiqualität erwartet, ist mit klassischem Astro-Equipment besser bedient. Für den unkomplizierten Einstieg in die Sternenfotografie eignet sich das Dwarf Mini jedoch.
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