Firmen wie Amazon, Meta und Uber treten bei der Nutzung von künstlicher Intelligenz auf die Bremse: Da ihre Mitarbeiter immer mehr KI-Tools verwenden, steigen die Kosten für Rechenleistung enorm an – besonders „Tokenmaxxing“ ist ein Problem.
Firmen wie Amazon, Meta und Uber treten bei der Nutzung von künstlicher Intelligenz auf die Bremse: Da ihre Mitarbeiter immer mehr KI-Tools verwenden, steigen die Kosten für Rechenleistung enorm an – besonders „Tokenmaxxing“ ist ein Problem.
29.05.2026, 17.06 Uhr
Hohe Rechnungen wegen KI-Tools: Manche US-Firmen berichten bereits, dass sich ihre KI-Ausgaben zuletzt verdoppelt oder sogar verdreifacht haben
Foto: Philip Dulian / dpaDer Einsatz von künstlicher Intelligenz und Tools wie ChatGPT oder Claude hat zuletzt in vielen Unternehmen stark zugenommen, einige US-Konzerne müssen nun allerdings schon wieder gegensteuern. Wie das „Wall Street Journal “ (WSJ) berichtet, haben unter anderem Uber, Meta Platforms und Microsoft damit begonnen, die KI-Nutzung ihrer Mitarbeiter zu drosseln. Grund dafür sei der enorm angestiegene Rechenbedarf innerhalb der Unternehmen und die damit verbundenen Kosten, die zuletzt geradezu explodiert seien.
Durch die Nutzung von künstlicher Intelligenz werden sogenannte Token verbraucht. So bezeichnet man die Abrechnungs- und Kontingenteinheit, mit der Anbieter von KI-Modellen ihre eigenen Kosten kontrollieren. Laut dem Bericht des WSJ haben einige Unternehmen ihre Jahresbudgets an solchen Token allerdings schon nach drei Monaten aufgebraucht, Uber zum Beispiel. Bei manchen Firmen hätten sich die KI-Ausgaben in letzter Zeit vervielfacht. Google verkündete etwa erst kürzlich, dass der Konzern inzwischen mehr als 3,2 Billiarden KI-Token pro Monat verarbeitet – und damit siebenmal so viel wie noch vor einem Jahr.
In einigen betroffenen Konzernen würden sich die Führungskräfte deshalb nun darum bemühen, diese Ausgaben wieder zu senken, etwa indem sie den KI-Einsatz rationieren oder ihre Mitarbeiter auf kostengünstigere Tools umsteigen lassen. Andrew Bosworth (44), der Chief Technology Officer bei Meta, schrieb im April in einem Memo an alle Mitarbeiter: „Es war großartig, den Leuten das Experimentieren zu ermöglichen, aber jetzt haben wir zu viele sich überschneidende Tools.“ Niemand solle KI-Tools nur ihrer selbst willen nutzen, so Bosworth.
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Matan Grinberg, der Geschäftsführer des Codierungsautomatisierungsunternehmens Factory, erklärte zudem, dass ihm ein leitender Angestellter eines führenden Finanzinstituts erzählt habe, dass dessen Mitarbeiter jeden Monat Hunderttausende Dollar für KI-Token verpulvern würden. Manche dieser Mitarbeiter würden außerdem leistungsstarke Premiummodelle nutzen, um sich von der KI einfachste Fragen beantworten zu lassen oder um Small Talk zu betreiben.
„Tokenmaxxing“ beschäftigt auch AmazonAuch sogenanntes „Tokenmaxxing“ sei ein Problem, berichtet das WSJ. Dabei nutzen Mitarbeiter absichtlich möglichst oft künstliche Intelligenz und verbrauchen entsprechend viele Token, um innerhalb ihres Unternehmens als KI-Vorreiter zu gelten.
Amazon habe deshalb sogar konzerninterne Ranglisten abgeschafft, mit denen sich die Nutzung von KI-Tools durch Mitarbeiter erfassen ließ, berichtet aktuell die „Financial Times “. Manche Angestellten von Amazon hätten versucht, ihre Werte durch unnötige Aktivitäten zu verbessern und so auf der Rangliste nach oben zu klettern. Ganz im Sinne des „Tokenmaxxings“ sollen sogar KI-Agenten zum Einsatz gekommen sein, also autonome Bots, die im Namen von Mitarbeitern unnötige KI-Aufgaben erledigen.
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KI-Kritiker sehen in der Drosselung und Rationierung von KI-Nutzung in all diesen Konzernen auch ein Problem für Unternehmen wie Anthropic und OpenAI. Wenn sich das rasante Wachstumstempo der KI-Branche verlangsamt, könnte das den Betreibern von Claude beziehungsweise ChatGPT potenziell schaden.
Andere Fachleute sehen dagegen noch keinen Grund zur Panik. „Wir befinden uns noch in einer ziemlich frühen Phase der KI-Einführung“, sagt etwa Will McGough, der Chief Investment Officer beim Vermögensverwalter Prime Capital Financial gegenüber dem WSJ. „Selbst große Unternehmen sind noch dabei, sich zurechtzufinden.”
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