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Ex-Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo: „Wir riskieren, den Mythos Ferrari zu zerstören“

Дата публикации: 27-05-2026 14:27:00

Der erste vollelektrische Ferrari löst in der Autowelt einen Sturm der Entrüstung aus. Selbst Ex-Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo übt vernichtende Kritik und fordert, das springende Pferd vom Auto zu entfernen.

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„Wenn ich sagen würde, was ich wirklich denke, würde ich Ferrari schaden“: Der ehemalige Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo über das neue Elektromodell Luce
„Wenn ich sagen würde, was ich wirklich denke, würde ich Ferrari schaden“: Der ehemalige Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo über das neue Elektromodell Luce

„Wenn ich sagen würde, was ich wirklich denke, würde ich Ferrari schaden“: Der ehemalige Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo über das neue Elektromodell Luce

Foto: Pascal Le Segretain / Getty Images

Vier Türen, fünf Sitze, ein hohes Dach und Linien, die eher an ein futuristisches Konzeptfahrzeug als an einen klassischen Ferrari erinnern: Der Luce, das erste vollelektrische Serienmodell aus dem italienischen Maranello, sieht aus wie kein Ferrari zuvor – und genau das wird ihm derzeit zum Verhängnis. Kurz nach seiner Vorstellung am Dienstag brach ein Sturm der Entrüstung los, der von Social Media über Autohändler bis in die Chefetagen der Branche reicht.

Allen voran übt ausgerechnet der ehemalige Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo (78) vernichtende Kritik. Am Rande einer Arbeitgeberkonferenz bekannte er gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur ANSA: „Wenn ich sagen würde, was ich wirklich denke, würde ich Ferrari schaden.“

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Wirklich zurückhalten konnte sich Montezemolo aber nicht. „Wir riskieren, einen Mythos zu zerstören, und das tut mir sehr leid“, sagt er ins Reportermikro. „Ich hoffe, dass sie wenigstens das springende Pferd von diesem Auto entfernen.“ Und dann noch eine süffisante Spitze: „Immerhin ist es ein Auto, das die Chinesen nicht kopieren werden.“

Technisch beeindruckend, optisch umstritten

Die technischen Daten lesen sich zunächst wie die eines typischen Supersportwagens aus Maranello. Der Luce verspricht bis zu 1050 PS, mehr als 310 Stundenkilometer in der Spitze, 530 Kilometer Reichweite und einen Sprint von null auf 100 km/h in 2,5 Sekunden. Doch der Elektrowagen bricht mit mehreren Ferrari-Traditionen: vier Türen, fünf Sitze, großer Kofferraum, hohes Dach und ein Design, das deutlich glatter und futuristischer wirkt als bisherige Modelle.

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Foto: Ferrari Press Office / EPA
Social-Media-Shitstorm und Börsenreaktion

Unter einem LinkedIn-Post des „Motor1“- und „InsideEVs“-Chefredakteurs Roland Hildebrandt sammelten sich binnen Stunden Hunderte kritische Kommentare. Nutzer verglichen den Luce mit einem „Playmobil-Auto“, einem „Temu-Ferrari“ oder einem „chinesischen Elektroauto“.

Alexander Bloch, CEO bei auto mobil VOX, schrieb etwa: „Entweder die Kamera verzerrt brutal oder die Designer haben so viel billigen Grappa gesoffen, bis ihnen die Proportionen und Formen völlig entglitten sind.“

Auch an der Börse kam der Wagen nicht gut an. Die Ferrari-Aktie verlor nach der Vorstellung am Dienstag zeitweise fast 8 Prozent. Zuletzt zeigte sie kaum noch Veränderung. Analyst Michael Binetti von Evercore ISI sprach von „einem radikalen Bruch mit dem traditionellen Ferrari-Design“. Anthony Dick von Oddo BHF bezeichnete den Luce als „radikale und durchaus kontroverse Abkehr vom traditionellen Marken-Ethos“. Besonders kritisch: Laut Binetti berichten Händler bislang von einer eher geringen Nachfrage – bei einem Preis von rund 550.000 Euro.

Prominente aus der Autobranche schießen scharf

Deutschlands bekannter Auto-Tuner Jean Pierre „JP“ Kraemer (45) meldete sich in einer Instagram-Story zu Wort: „Dagegen werden alle anderen Autos auf einmal wunderschön.“

Luxus-Autohändler und Grip-Moderator Hamid Mossadegh fand in einem YouTube-Video noch härtere Worte. „Das hat für mich nichts mehr mit Ferrari zu tun. Gar nichts mehr. Der neue Luce wird komplett floppen. Ferrari braucht jetzt richtig gute Verkäufer. Es tut mir leid. Eine Ikone ist am Sterben.“

Ferrari-Chef bleibt gelassen

Vor dem Launch des neuen Modells zeigte sich Ferrari-Chef Benedetto Vigna (57) gegenüber der „Financial Times“ selbstbewusst: „Ich habe keine Angst davor, wie die Leute reagieren werden.“ Er rechtfertigte Ferraris Versuch als fortschreitende Innovation. In einer Telefonkonferenz zu den Geschäftszahlen für das vierte Quartal 2025 betonte Vigna zudem noch: „Man darf Kunden nicht dazu zwingen, etwas zu kaufen, das ihnen nicht gefällt. Das wäre der größte Fehler.“

Ob vermögende Kunden wirklich bereit sind, vom Verbrennungsmotor abzurücken, ist fraglich. Jaguar Land Rover verursachte 2024 einen Aufruhr mit seinem Rebranding als rein elektrische Premiummarke. Porsche musste nach einem radikalen E-Shift erhebliche Abschreibungen vornehmen und Investitionen zurück zu Benzin- und Hybridmodellen verlagern. Lamborghini strich kürzlich Pläne für sein erstes vollelektrisches Auto, den Lanzador, und wird stattdessen ein Plug-in-Hybrid-Modell ausrollen.

Neue Zielgruppe im Fokus

Ferrari will mit dem Luce allerdings nicht die übliche Zielgruppe ansprechen. Erstmals gibt Ferrari Bestellungen von neuen und traditionellen Kunden die gleiche Priorität. Der Wagen wurde gemeinsam mit dem Designkollektiv LoveFrom um den früheren Apple-Designer Jony Ive (59) entwickelt und soll vorwiegend Techunternehmer im Silicon Valley ansprechen.

Scott Sherwood, ein unabhängiger Analyst für Luxusautomarken, sagte: „In Ferraris Kalkulation ist es irrelevant, ob die meisten aktuellen Ferrari-Kunden den Luce cool finden. Wenn er bei der Tech-Crowd gut genug ankommt, um das Orderbuch zu füllen, ist das alles, was sie interessiert.“

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Einige Analysten sehen sogar Hoffnung für das Unternehmen durch das neue Modell. Bernstein-Analyst Stephen Reitman zeigte zuletzt etwa zuversichtlich: „Wir glauben, dass es genügend Sammler sowie neue Ferrari-Kunden gibt, um sicherzustellen, dass der Luce sich fest in Ferraris Modellpalette etabliert.“

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