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Die Unabhängigkeit von Energiekosten kostet Jahre und Geld

Дата публикации: 01-10-2026 04:12:00

Benzin kostet 2,50 Euro, die Gasspeicher sind bedenklich schwach gefüllt, die Strompreise die vierthöchsten der Welt. Wer genug davon hat, kann sich unabhängig machen. Doch lohnt sich das finanziell?

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Benzin kostet 2,50 Euro, die Gasspeicher sind bedenklich schwach gefüllt, die Strompreise die vierthöchsten der Welt. Wer genug davon hat, kann sich unabhängig machen. Doch lohnt sich das finanziell?

Vom Energiemarkt kommen in den vergangenen Jahren selten gute Nachrichten. Aktuell ist Benzin in Deutschland so teuer wie nie zuvor. Gestern erst stieg der Liter Diesel im bundesweiten Durchschnitt kurzzeitig auf fast 2,60 Euro pro Liter an. Die Strompreise lagen im zweiten Quartal im Schnitt bei 35,6 Cent pro Kilowattstunde. Nur in drei Ländern auf der Welt war Strom teurer.

Und Heizen im kommenden Winter dürfte auch teuer werden. Die Gasspeicher sind nur zu 56 Prozent gefüllt, 27 Prozent weniger als im langjährigen Durchschnitt. Der Gaspreis wiederum schoss am niederländischen Handelspunkt TTF diese Woche auf mehr als 82 Euro pro Megawattstunde nach oben. Das ist rund viermal so teuer wie vor einem Jahr. Wer mit Öl heizt, muss mit 175 Euro pro 100 Liter derzeit rund doppelt so viel zahlen wie vor einem Jahr.

Wenn es Ihnen stinkt, diese Preise immer mitmachen zu müssen, gibt es Alternativen. Sie könnten zum Beispiel…

  • … ein Elektroauto fahren: Elektroautos sind unabhängig vom Benzin- und Dieselpreis. Dafür ist der Strom an öffentlichen Ladesäulen teuer. Im Juli 2026 kostete die Kilowattstunde im Schnitt 57 Cent. An Schnellladesäulen waren es 62 Cent. Aber: Im Gegensatz zum Haushaltsstrom sinkt der Preis langsam, weil immer mehr Anbieter auf den Markt drängen. Zudem ist der Strom weit günstiger, wenn Sie daheim laden können.
  • … ihren eigenen Strom produzieren: Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach sind Sie zwar nicht autark, produzieren aber zumindest teilweise Ihren eigenen Strom. Das reduziert die Kosten. Um wie viel, hängt davon ab, welchen Anteil Ihres Verbrauchs Sie damit abdecken können. Realistisch sind Werte zwischen 30 und 75 Prozent.
  • … eine Wärmepumpe installieren: Sie brauchen zum Heizen nicht zwingend Erdgas oder Erdöl. Klimafreundliche, alternative Methoden sind oft im Betrieb auch günstiger. Unter den klimafreundlichen Heiztechniken hat sich die Wärmepumpe besonders stark durchgesetzt. Für sie gibt es zudem eigene Stromtarife, die im Schnitt um fast 20 Prozent günstiger sind als Haushaltsstrom.

Elektroauto, Photovoltaikanlage und Wärmepumpe gibt es aber nicht umsonst. Für Anschaffung und Einbau müssen Sie teils hohe Summen bezahlen. Andererseits gibt es dafür Förderung vom Staat und Sie sparen später im Betrieb. Doch nicht jeder kann jede Option umsetzen. Als Mieter können Sie zum Beispiel weder eine Wärmepumpe einbauen noch eine PV-Anlage aufs Dach setzen.

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Das ist unsere Musterrechnung

Als Eigenheimbesitzer haben Sie die Freiheit, das volle Programm durchzuziehen. Die genauen Werte hängen von der Art Ihres Hauses ab. Wir rechnen deswegen einen Musterfall einer Familie in einem Einfamilienhaus mit einem Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden und einem Gasverbrauch von 20.000 kWh pro Jahr durch und geben an, wann sich die Investition jeweils amortisiert. Wir betrachten jede Investition einzeln. Kombinieren Sie mehrere Maßnahmen, beeinflussen sie sich gegenseitig und die Amortisationszeiten verkürzen sich.

Photovoltaikanlage – 10,5 Jahre

Auf das Dach eines typischen Einfamilienhauses können Sie meist eine Anlage installieren, die eine Leistung von 10 Kilowattpeak bringt. Sie produziert pro Jahr rund 10.000 Kilowattstunden, aber nicht so gleichmäßig verteilt, dass Sie damit Ihren kompletten Bedarf abdecken können.

Eine Anlage mit 10 kWp Leistung kostet Sie für Anschaffung und Installation rund 10.000 Euro. Je nach Anbieter können es auch bis zu 14.000 Euro sein. Zuschüsse vom Bund gibt es nicht, teilweise aber regionale Programme. Der Kauf ist aber von der Mehrwertsteuer befreit. Wem das Geld fehlt, der kann aber von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einen Kredit zu derzeit rund 4,5 Prozent jährlichem Zins bekommen.

Die HTW Berlin hat berechnet, dass eine 10-kWp-Anlage bei einem Haushalt mit 4000 kWh Stromverbrauch rund 36 Prozent des Bedarfs abdeckt. Das wären also 1451 kWh, die Sie nicht mehr aus dem Netz entnehmen müssen. Der Preis dafür liegt aktuell bei 32,3 Cent pro kWh. Sie sparen also pro Jahr 469 Euro Stromkosten. Wenn Sie die Anlage dieses Jahr noch in Betrieb nehmen, gibt es zudem noch 7,7 Cent Einspeisevergütung pro kWh. Bei 10.000 kWh Produktion, von denen Sie nur 1451 kWh selbst nutzen, blieben 8549 kWh für die Einspeisung. Bei 7,7 Cent pro kWh bekämen Sie dafür pro Jahr 658 Euro. Sonderregeln bei negativen Strompreisen und zur Einspeiseleistung lassen wir in der Musterrechnung außen vor.

Von den 1127 Euro Vorteil, die Ihnen die PV-Anlage pro Jahr bringt, sind aber rund 175 Euro für laufende Kosten abzuziehen. Das betrifft etwa Smart Meter, Steuerbox, Versicherung, Wartung, Reparaturen und eine Rücklage für den späteren Austausch des Wechselrichters. Somit bleibt ein jährlicher Vorteil von 952 Euro. Die PV-Anlage würde sich auf diese Weise nach rund zehneinhalb Jahren amortisieren.

Batteriespeicher – 10,5 Jahre

Um die Effektivität einer PV-Anlage zu erhöhen, können Sie sich einen Batteriespeicher kaufen. Für unseren Musterhaushalt wären rund 5 kWh Kapazität ausreichend. Dafür zahlen Sie aktuell zwischen 2000 und 4000 Euro. Wir rechnen mit dem Durchschnitt von 3000 Euro. Ähnlich wie bei der PV-Anlage gibt es keine direkte Förderung dafür. Lediglich die Mehrwertsteuer entfällt. Auch einen Batteriespeicher können Sie über einen KfW-Kredit finanzieren.

Eine Batterie in dieser Größe würde Ihre Autarkie in etwa verdoppeln. Sie könnten dann 2680 statt 1450 kWh selbst nutzen. Die Ersparnis läge dann bei 397 Euro. Da beim Speichern Energie verloren geht, müssen dafür mehr als 1230 kWh Solarstrom in die Batterie fließen. Diesen Strom können Sie nicht mehr einspeisen. Unter Berücksichtigung der Speicherverluste und der entgangenen Einspeisevergütung bleiben rund 286 Euro zusätzlicher Vorteil. Damit würde sich der Speicher ebenfalls nach rund zehneinhalb Jahren amortisieren. Je nach Kaufpreis können es aber mehr sein. Das ist ein Problem, denn Batteriespeicher halten in der Regel 10 bis 15 Jahre, bevor Sie sie ersetzen müssen.

Wärmepumpe – 10,5 Jahre

Bei Wärmepumpen ist die Rechnung komplizierter. Je nach Bauart unterscheiden sich Preis und Leistung erheblich. So können Sie derzeit zwischen 10.000 und 40.000 Euro inklusive Installation ausgeben. Wir rechnen deswegen wieder mit dem Mittelwert von 25.000 Euro. Außerdem setzen wir eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,2 an. Das bedeutet, dass die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom 3,2 Kilowattstunden Heizenergie bereitstellt.

Die Anschaffungs- und Installationskosten von 25.000 Euro können Sie durch staatliche Förderung senken. Nach aktuellen Regeln gibt es eine Grundförderung von 30 Prozent – 7500 Euro. Ersetzen Sie Gasheizung, die älter als 20 Jahre ist, kommt ein Klimageschwindigkeitsbonus von 16 Prozent hinzu. Das sind weitere 4000 Euro. Weitere Boni etwa für einkommensschwächere Haushalte lassen wir für das Beispiel außen vor. Sie müssten also noch 13.500 Euro selbst bezahlen.

Beim Verbrauch müssen Sie 20.000 kWh Gas ersetzen. Da Erdgas nur einen Wirkungsgrad von etwa 90 Prozent hat, sind das 18.000 kWh Heizenergie. Bei einer JAZ von 3,2 benötigt die Wärmepumpe dafür rund 5600 kWh Strom. Wärmepumpenstrom kostet aktuell im Schnitt laut Verivox 20,66 Cent pro kWh. Die Betriebskosten lägen also bei 1162 Euro pro Jahr. Hinzu kommen Wartungskosten von 150 bis 300 Euro. Mit dem Mittelwert von 225 Euro gerechnet sind das 1387 Euro pro Jahr.

Demgegenüber stehen Gaskosten von aktuell rund 12 Cent pro kWh laut Verivox. Bei 20.000 kWh waren das zuvor also 2400 Euro. Wartungskosten liegen hier bei rund 280 Euro pro Jahr. Die Wärmepumpe spart Ihnen pro Jahr also rund 1300 Euro. Bei Kosten von 13.500 Euro amortisiert sie sich damit nach ebenfalls rund zehneinhalb Jahren. Hätten Sie eine alte Gasheizung sowieso ersetzen müssen, geht das schneller, weil Sie dann nur die Mehrkosten einer Wärmepumpe extra haben.

Elektroauto – 3 Jahre

Bei Autos wird die Rechnung noch schwieriger. Hier hängt der Anschaffungspreis weniger von der Antriebsart als von der Fahrzeugklasse ab. Limousinen sind in beiden Kategorien deutlich teurer als Kleinwagen. Bei manchen Herstellern sind mittlerweile die Elektro-Versionen sogar etwas günstiger als die Verbrenner-Variante. Bei anderen Herstellern ist es genau umgekehrt. Wir gehen für unser Rechenbeispiel deswegen von einem Aufpreis von 5000 Euro für ein Elektroauto gegenüber einem gleichwertigen Verbrenner aus. Zudem brauchen Sie eine Wallbox, um es daheim aufladen zu können. Diese kostet rund 2000 Euro. Die gesamten Anschaffungskosten lägen also bei 7000 Euro.

Liegt Ihr zu versteuerndes Haushaltseinkommen bei weniger als 80.000 Euro, erhalten Sie eine Basisförderung von 3000 Euro auf den Elektroautokauf. Mit Kindern kann es sogar mehr sein. Für unsere Musterfamilie unterstellen wir ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen von höchstens 80.000 Euro und rechnen deshalb mit 3000 Euro Basisförderung. Effektiv zahlen Sie für das Elektroauto plus Wallbox also noch 4000 Euro.

Der Verbrauch eines Elektroautos liegt heute im Schnitt laut ADAC bei rund 20 kWh pro 100 Kilometer. Bei einer typischen Fahrleistung von 12.500 Kilometern im Jahr brauchen Sie also 2500 kWh Ladestrom. Ähnlich wie bei Wärmepumpenstrom gibt es auch günstige Tarife für Autostrom. Sie liegen im Schnitt laut Verivox bei 24,5 Cent pro kWh. Das wären also jährliche Kosten von 612,50 Euro.

Ein vergleichbarer Verbrenner verbraucht 7,9 Liter Benzin oder 6,3 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Bei den aktuellen Preisen von 2,33 Euro für Benzin und 2,47 Euro für Diesel wären das jährliche Kosten von 1950 bis 2300 pro Jahr. Wir nehmen wieder den Mittelwert. So brächte ein Elektroauto im Betrieb eine Ersparnis von rund 1500 Euro pro Jahr. Bei 4000 Euro Anschaffungskosten hätte es sich also nach weniger als drei Jahren amortisiert.

Das gilt aber nur, wenn Sie sowieso gerade ein Auto kaufen müssen. Dann fällt eben nur der Aufpreis für ein Elektroauto extra an. Tauschen Sie dagegen Ihr jetziges Auto gegen eine Elektrovariante, dauert es länger. Je nach Kaufpreis und eventuellem Verkaufspreis für Ihr jetziges Fahrzeug kann sich der Umstieg dann eventuell nicht mehr lohnen.

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