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89-Jähriger überträgt Haus an eine Stiftung – Eigentümer spenden Millionen-Immobilien für günstige Mieten

Дата публикации: 31-08-2026 05:11:00

Immer mehr private Eigentümer übertragen Immobilien an Stiftungen. So soll dauerhaft bezahlbarer Wohnraum entstehen – ein Modell mit Potenzial.

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Immer mehr private Eigentümer übertragen Immobilien an Stiftungen. So soll dauerhaft bezahlbarer Wohnraum entstehen – ein Modell mit Potenzial.

Die Geschichte von Otto Gugger hat bundesweit Aufmerksamkeit erregt: Der 89-Jährige verschenkte sein Wohnhaus mit 3000 Quadratmeter Garten in München-Hadern im Wert von rund zehn Millionen Euro. Und zwar an die Stiftung „Daheim im Viertel“.

Derzeit prüfe die Stiftung noch, wie viele Wohnungen auf dem Grundstück entstehen könnten. Geplant sind bislang etwa 25. Rund 70 Prozent davon sollen an Haushalte mit geringen bis mittleren Einkommen vermietet werden. Die übrigen Wohnungen sollen ebenfalls deutlich unter der Marktmiete angeboten werden.

Private Eigentümer geben Immobilien an Stiftungen

Bezahlbarer Wohnraum ist in Deutschland knapp, besonders in den Großstädten. Die Mieten für neue Verträge stiegen 2025 bundesweit um 3,7 Prozent. Bei vielen Haushalten fließt ein erheblicher Teil des Einkommens in die Wohnkosten.

Der Fall Gugger steht für ein Modell, das über München hinaus interessant für Deutschland sein könnte: Private Eigentümer geben Immobilien an Stiftungen, die daraus dauerhaft bezahlbaren Wohnraum machen.

Stiftung besitzt bereits Häuser und Wohnungen

Tatsächlich gehören der Stiftung „Daheim im Viertel“, die 2021 gegründet wurde, inzwischen ein Grundstück, zwei Mehrfamilienhäuser mit 19 Wohneinheiten und zwei Eigentumswohnungen. Bei zwei weiteren Mehrfamilienhäusern steht die Übertragung bevor. Testamentarisch wurde die Stiftung zudem mit 26 Immobilien und mehr als 90 Wohneinheiten bedacht.

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„Insgesamt haben sich seit Gründung 2021 mehr als 100 interessierte Immobilieneigentümer an die Stiftung gewandt“, sagt Christian Stupka von „Daheim im Viertel“.

Das Stiftungsvermögen beträgt nach seinen Angaben inzwischen fast 20 Millionen Euro, hinzu kommen fast drei Millionen Euro an Zuwendungen privater Unterstützer.

Das Prinzip unterscheidet sich vom klassischen Immobilienverkauf: Die Stiftung hält die übertragenen Immobilien dauerhaft selbst und will sie nicht später wieder verkaufen, sondern langfristig für bezahlbare Mieten nutzen.

Warum Eigentümer ihre Immobilien verschenken

Für manche Eigentümer steht offenbar nicht der Verkaufserlös im Vordergrund. Stupka berichtet von Menschen, die verhindern wollen, dass ihre Immobilien später auf dem freien Markt verwertet werden. Andere wollten sicherstellen, dass ein Haus, das von Eltern oder Großeltern aufgebaut wurde, erhalten bleibt.

Die Stiftung hat ihre Satzung inzwischen um die Wohnungsgemeinnützigkeit ergänzt. Übertragene Immobilien können damit gezielt Haushalten mit geringen bis mittleren Einkommen zu Mieten weit unterhalb der Marktmieten zur Verfügung gestellt werden.

Aus zehn Millionen Euro sollen 25 Wohnungen werden

Beim Grundstück von Otto Gugger soll nicht nur bestehender Wohnraum gesichert werden. Stupka sieht darin auch ein Beispiel dafür, dass Neubau anders kalkuliert werden kann, wenn der Boden nicht zu einem hohen Marktpreis gekauft werden muss.

Mit dem Bauvorhaben will die Stiftung zeigen

  • dass man bezahlbare Wohnungen bauen kann, wenn man sich vom spekulativen, hochpreisigen Grundstücksmarkt in München entkoppelt
  • dass man ein gemeinschaftliches Wohnprojekt mit lebendiger Nachbarschaft realisieren kann ( Vorbilder sind die vielen neuen Genossenschaftsprojekte in München)
  • dass man nachhaltig und trotzdem bezahlbar bauen kann (Holzbau, Verzicht auf Tiefgarage wg. Mobilitätskonzept)

Noch ist offen, wie viele Wohnungen tatsächlich gebaut werden können. Das Baurecht wird derzeit geprüft.

Überlegen Sie auch, Ihre Immobilie zu verschenken oder kennen Sie jemand, der dies tun möchte? Dann schreiben Sie uns gerne an Mein-Bericht@focus.de.

Ein Modell mit Vorbildern

Ein ähnlicher Grundgedanke steckt hinter dem Ulmer Modell: Die Stadt Ulm hält seit Jahrzehnten Grundstücke in eigener Hand und behält dadurch Einfluss auf deren Entwicklung. Der Unterschied: In Ulm ist die Kommune Eigentümerin des Bodens, bei „Daheim im Viertel“ übertragen private Eigentümer Grundstücke oder Immobilien freiwillig an eine Stiftung.

Auch die Stiftung Trias, die mit gemeinwohlorientierten Boden- und Wohnmodellen arbeitet, sieht Parallelen. „Der Ansatz sowie die Grundhaltung und Werte der Stiftung Daheim im Viertel decken sich in vielerlei Hinsicht mit denen der Stiftung Trias“, sagt Sönke Eickmann, der bei der Stiftung für das Wohnprojekte-Portal, Veranstaltungen und Publikationen zuständig ist.

Seit ihrer Gründung wurden an Trias nach eigenen Angaben 26 Immobilien mit 17 Gewerbeeinheiten und 146 Wohneinheiten gestiftet. Die Stiftung rechne mit weiteren Schenkungen und Erbschaften. Auch „Daheim im Viertel“ erhalte inzwischen Anfragen aus anderen Städten, darunter Hamburg und Dortmund.

Immobilienexperte sieht ein „Nischenmodell“

Pekka Sagner vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) warnt allerdings davor, die Wirkung solcher Stiftungen zu überschätzen.

„Solche Modelle können im Einzelfall sinnvoll sein, insbesondere wenn Eigentümer ihr Vermögen bewusst langfristig einem sozialen Zweck widmen möchten“, schreibt der Immobilienökonom.

Gleichzeitig seien die Möglichkeiten begrenzt und man dürfe die Bedeutung der Schenkungen nicht überschätzen:

„Sie beruhen auf freiwilligen Entscheidungen einzelner Eigentümer und werden deshalb voraussichtlich ein Nischenmodell bleiben.“

Dass daraus ein Modell in größerem Maßstab wird, halte er für unwahrscheinlich. Schließlich stellen Immobilien für viele Haushalte einen erheblichen Teil des Vermögens dar. Sie werden typischerweise verkauft oder innerhalb der Familie weitergegeben.

Wenn ein Grundstück nicht zum Marktpreis gekauft werden müsse und dauerhaft in gemeinwohlorientierter Trägerschaft bleibe, könnten zwar Spielräume für niedrigere Mieten entstehen. Für die Stadt München sei der Effekt aber gering:

„In Städten wie München fehlen viele Wohnungen. Einige Dutzend zusätzliche oder dauerhaft preisgebundene Wohnungen sind für die unmittelbar Begünstigten wertvoll, verändern die grundlegende Marktlage aber nicht“, so Sagner.

Der Vorteil liegt in der Dauerhaftigkeit

Die Stärke des Modells liegt weniger in der Menge des geschaffenen Wohnraums als in der langfristigen Sicherung. Ein Gebäude, das dauerhaft in Stiftungseigentum bleibt, kann nicht später wegen steigender Immobilienpreise verkauft werden.

Auch Stupka berichtet von einer konkreten Wirkung auf Bewohner bereits übertragener Häuser:

„Hausgemeinschaften, die durch die Übernahme der Immobilie durch unsere Stiftung in den sicheren Hafen gekommen sind oder wo dies absehbar ist, sind enorm erleichtert, weil ja in München die Fälle von Entmietungen oder exorbitanten Mietsteigerungen bei Verkäufen allgegenwärtig sind.“

Doch genau am Ausgangspunkt liegt die Grenze des Modells: Es braucht Eigentümer, die bereit sind, einen erheblichen Vermögenswert dauerhaft einem gemeinwohlorientierten Zweck zu widmen.

„Die Bereitschaft, einen entsprechend hohen Vermögenswert dauerhaft einem gemeinnützigen Zweck zu übertragen, dürfte begrenzt bleiben“, glaubt Sagner.

Sagner sieht auch die Politik in der Pflicht: Klare steuerliche Regeln und gute Beratung könnten es Eigentümern leichter machen, ihre Immobilien dauerhaft für einen gemeinnützigen Zweck zu übertragen. Finanzielle Anreize sieht er nicht als entscheidend an. Im Gegenteil:

„Der Kern und die Stärke solcher Modelle liegen gerade in der freiwilligen gemeinwohlorientierten Entscheidung der Eigentümer.“

Keine Lösung für Münchens Wohnungsnot

Auch Stupka selbst sieht die Grenzen:

„Bei 800.000 Bestandswohnungen in München ist der allgemeine Entlastungseffekt sehr, sehr gering.“

IW-Experte Sagner verweist auf die strukturellen Probleme des Wohnungsmarktes: zu wenig Bauland, hohe Baukosten, lange Planungs- und Genehmigungsverfahren und damit zu wenig Neubau. „Diese Probleme lassen sich durch Stiftungsmodelle alleinig nicht lösen“, sagt er. Er sieht sie eher als „sinnvolle Ergänzung“, aber nicht als Instrument mit großer Breitenwirkung.

Für einzelne Mieter kann der Effekt trotzdem erheblich sein. Wer in einem Haus lebt, das dauerhaft Stiftungseigentum bleibt, muss nicht mit einem späteren Verkauf und damit verbundenen starken Mietsteigerungen rechnen.

Das Grundstück von Otto Gugger wird Münchens Wohnungsmarkt wohl nicht verändern. Der Fall zeigt aber, was möglich ist, wenn ein Eigentümer den Wert seiner Immobilie nicht zu Geld macht, sondern ihn dauerhaft für bezahlbaren Wohnraum einsetzt.

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