Kleine Wohnungen sind für Durchschnittsverdiener in Berlin rechnerisch noch bezahlbar. Wer mehr Platz braucht, gerät dagegen schnell unter Druck.
Kleine Wohnungen sind für Durchschnittsverdiener in Berlin rechnerisch noch bezahlbar. Wer mehr Platz braucht, gerät dagegen schnell unter Druck – besonders Familien.
Berlin hat den Ruf einer Stadt, in der bezahlbarer Wohnraum längst zur Mangelware geworden ist. Doch ganz so einfach ist die Lage offenbar nicht. Eine neue Analyse des Immobilienportals Immowelt zeigt eine auffällige Trennlinie: Für Singles mit mittlerem Einkommen bleiben kleine Wohnungen selbst bei einer Neuanmietung meist finanzierbar. Problematisch wird es vor allem dann, wenn aus einem Einpersonenhaushalt eine Familie wird.
Die wichtigsten Erkenntnisse der Immowelt-Analyse:
Immowelt rechnet mit einem mittleren Berliner Nettoeinkommen von 2835 Euro im Monat. Mehr als 851 Euro für die Wohnung gelten dabei als hohe Belastung. Grundlage der Auswertung sind inserierte Bestandswohnungen mit 40 Quadratmetern, bei denen neben der Kaltmiete auch die Nebenkosten berücksichtigt werden.
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Das betrifft einen erheblichen Teil der Bevölkerung. Nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg lebte zuletzt rund die Hälfte aller Berliner Haushalte als Einpersonenhaushalt. Gleichzeitig wohnen rund 85 Prozent der Haushalte in der Hauptstadt zur Miete.
„Unsere Analyse zeigt: Für Singles mit mittlerem Einkommen ist Wohnen in Berlin auch bei einer Neuanmietung grundsätzlich noch bezahlbar“, sagt Immowelt-Geschäftsführer Theo Mseka.
„Kritisch wird es, wenn Familien mehr Platz benötigen. Das eigentliche Bezahlbarkeitsproblem des Berliner Mietmarkts ist deshalb vor allem ein Mangel an ausreichend großen Wohnungen zu bezahlbaren Preisen.“
Bei einer 90-Quadratmeter-Wohnung verändert sich die Rechnung deutlich. Einer weiteren Immowelt-Auswertung zufolge liegt die Wohnkostenquote für eine dreiköpfige Familie in 89 von 93 untersuchten Ortsteilen oberhalb von 30 Prozent. In der Gropiusstadt müssten Familien bei einer Neuanmietung demnach im Mittel 44,3 Prozent ihres Haushaltseinkommens für das Wohnen aufbringen.
Mit Kindern wächst der Platzbedarf oft schneller als das verfügbare Haushaltseinkommen. Ein zusätzliches Zimmer verteuert die Wohnung erheblich, während Einkommen nicht automatisch im gleichen Verhältnis steigen.
Die Folgen lassen sich auch in der Wanderungsstatistik erkennen. Nach Daten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg gewann Brandenburg 2024 im Austausch mit Berlin 4393 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren hinzu.
Bei den 30- bis unter 45-Jährigen betrug der Wanderungsgewinn sogar 6631 Personen. Bei den 18- bis unter 30-Jährigen verlief die Bewegung dagegen in die andere Richtung: Hier verlor Brandenburg 612 Menschen an Berlin.
Die Zahlen legen damit ein strukturelles Problem in der Hauptstadt offen: Berlin kann für junge Erwachsene und Singles attraktiv bleiben, während die Stadt für Familien zunehmend schwieriger zu finanzieren ist.
Allerdings bildet die Immowelt-Analyse nicht den gesamten Mietmarkt ab. Sie beruht auf Angebotsmieten des Portals und modellierten Durchschnittswerten – bestehende, günstigere Mietverträge können daher deutlich anders aussehen.
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