Berlin zählt zu den Städten mit dem höchsten Altbauanteil in Deutschland. Viele der Häuser sind wunderschön anzusehen, allerdings selten mit einem Fahrstuhl ausgestattet.
Die Bewohner der Wohnungen haben sich in der Regel mit der Treppe arrangiert. Für ältere Menschen kann sie aber zu einer immer schwerer zu bewältigenden Herausforderung werden. Früher oder später stellt sich dann die Frage, ob der fehlende Aufzug das Ende des Wohnens in der vertrauten Umgebung bedeutet.
Wenn die Treppe nur noch schwer zu bewältigen istEine im Januar 2025 veröffentlichte Auswertung von ImmoScout24 beziffert den Aufzugsanteil für Berlin auf 49 Prozent. Untersucht wurden im vierten Quartal 2024 angebotene Eigentumswohnungen in mindestens zwei Jahre alten Mehrfamilienhäusern mit mehr als drei Stockwerken. Erdgeschosswohnungen blieben außen vor.
Somit war rund jede zweite Wohnung nicht mit einem Fahrstuhl ausgestattet. Insbesondere in Bezirken mit viel Altbausubstanz sind viele Wohnungen betroffen. Für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit werden alltägliche Wege zu einer echten Kraftanstrengung. Der Einkauf wird schwieriger und auch beim Arzttermin oder einem einfachen Spaziergang ist plötzlich immer mehr Planung und Unterstützung erforderlich.
Eine Wohnung mit Aufzug erscheint zunächst als naheliegende Lösung, aber auch ein Aufzug allein macht eine Wohnung noch nicht automatisch gut zugänglich. Entscheidend ist, ob bereits am Hauseingang Stufen warten und ob der Fahrstuhl tatsächlich bis zur Wohnungsetage fährt. Wer bereits seit Jahrzehnten im selben Haus lebt, verliert durch einen solchen Umzug außerdem vieles. Die aktuellen Nachbarn kennen die Gewohnheiten, der Hausarzt ist vertraut, die Wege im Kiez müssen nicht erklärt werden. Sich komplett neu zu orientieren, kostet Kraft.
Gerade für ältere Menschen hat das eigene Zuhause einen Wert, der sich nicht einfach durch eine barrierefreie Neubauwohnung ersetzen lässt. Bevor ein Umzug in Erwägung gezogen oder beschlossen wird, sollte daher konkret geprüft werden, was die neue Wohnung wirklich verbessern würde und ob durch eine geeignete Unterstützung am bisherigen Ort nicht ebenfalls Verbesserungen möglich wären.
Nicht jeder Weg muss selbst absolviert werden. Wenn regelmäßig jemand im Haushalt vor Ort wäre, der Wege übernehmen kann, kann dies einen Gewinn an Lebensqualität bedeuten. Einkäufe, Botengänge und die Begleitung zu Terminen lassen sich organisieren, ohne dass die eingeschränkte Person die Treppe eigenständig bewältigen muss. Viele Besorgungen lassen sich zudem bündeln und auch wenn eine Lieferung bis zur Haustür nicht möglich sein sollte, kann das Hochtragen und gegebenenfalls die Abholung jemand anderes übernehmen.
Wird täglich umfassendere Hilfe gebraucht, kann eine 24-Stunden-Pflege in Berlin eine Möglichkeit sein. Bei diesem Betreuungsmodell lebt eine Betreuungskraft mit im Haushalt. Vermittelt werden Kräfte, die etwa Einkäufe und Besorgungen übernehmen, Mahlzeiten zubereiten und beim Ankleiden helfen können. Welche Aufgaben benötigt werden, sollte vorab anhand eines gewöhnlichen Tages besprochen werden. Dabei sollten auch persönliche Wünsche Platz haben. Der Besuch bei Freunden oder im Lieblingscafé gehört ebenso zur Lebensqualität wie erledigte Einkäufe und ein aufgeräumter Haushalt.
Allerdings darf die Bezeichnung nicht missverstanden werden. Eine einzelne Betreuungskraft kann nicht rund um die Uhr pausenlos arbeiten. Daher müssen die Arbeitszeiten, Ruhephasen und eine Vertretung geklärt sein. Außerdem wird ein eigenes Zimmer für die Betreuungskraft benötigt. Medizinische Aufgaben wie zum Beispiel die Wundversorgung oder Injektionen bleiben der Job von entsprechend qualifizierten Fachkräften.
Für viele Menschen kann eine solche Unterstützung der ausschlaggebende Aspekt sein, der das Bleiben in der vertrauten Wohnung ermöglicht. So können sie ihren Alltag dort weiterführen, wo sie sich auskennen und zu Hause fühlen.
Die Unterstützung im Alltag stellt eine echte Verbesserung dar, sie ist aber meistens nicht die einzige Veränderung, die bei eingeschränkter Mobilität erforderlich ist. Schon kleinere Anpassungen im Zuhause können den Alltag aber vereinfachen. Gemeinsam mit dem Vermieter oder der Eigentümergemeinschaft kann gegebenenfalls auch geprüft werden, ob der Einbau eines Treppenlifts möglich ist. So kann die Treppe auch weiterhin bewältigt werden.
Wenn beschlossen wird, einen Umzug zu vermeiden, ist nicht das Ignorieren der Treppe die Lösung. Vielmehr geht es um ein gelungenes Zusammenspiel aus Veränderungen an und um die Wohnung, Hilfe durch das Umfeld und professionelle Unterstützung. Damit Unterstützung verlässlich bleibt, helfen feste Absprachen: Wer übernimmt welche Wege, und wer springt bei Krankheit oder Urlaub ein? Die Zuständigkeiten sollten für alle Beteiligten klar sein.
Eine Treppe muss nicht das letzte Wort darüber haben, wie lange ältere Bewohner in ihrer eigenen Wohnung bleiben können. Mit einer verlässlichen Hilfe im Alltag, geeigneten Anpassungen in der Wohnung und einer organisierten Begleitung lässt sich viel erreichen und die vertraute Wohnsituation kann erhalten bleiben.
Oftmals ist es entscheidend, wie viele der täglichen Wege wirklich allein bewältigt werden müssen. Vieles kann durch andere Menschen übernommen werden oder in Begleitung erfolgen. Wenn sich der Gesundheitszustand verändert, sind eventuell zusätzliche Lösungen erforderlich. Auch hierfür gibt es aber meistens noch gute Möglichkeiten. Wenn die betroffene Person daheim gut versorgt ist und so leben kann, wie es ihr wichtig ist, kann das vertraute Zuhause mit der richtigen Unterstützung ein Ort der Selbstbestimmung bleiben, der nicht verlassen werden muss.
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