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Die letzten US-Soldaten ziehen aus dem Irak ab – sie hinterlassen Hass und Sehnsucht

Дата публикации: 29-09-2026 03:30:00

In Falluja sorgen sich die Menschen vor dem Abzug der USA – aus Angst vor Iran. Doch die meisten Iraker wollen gut zwei Jahrzehnte nach der Invasion von den Amerikanern nichts mehr wissen. Begegnungen in einem vernarbten Land.

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In Falluja sorgen sich die Menschen vor dem Abzug der USA – aus Angst vor Iran. Doch die meisten Iraker wollen gut zwei Jahrzehnte nach der Invasion von den Amerikanern nichts mehr wissen. Begegnungen in einem vernarbten Land.

Taleb Mejli bricht in Schluchzen aus. Die Erinnerung an seine Folter in Abu Ghraib ist zu lebhaft geworden. Der Sechzigjährige war anderthalb Jahre in dem Gefängnis, das wie kein anderes für die Verbrechen amerikanischer Soldaten kurz nach dem Einmarsch im Irak 2003 steht. Was damals geschah, hat Mejlis Leben zerstört – bis heute leiden er und seine Familie darunter.

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Am 30. September endet im Irak eine Ära. 23 Jahre nachdem George W. Bush seinen Truppen den Befehl gegeben hat, nach Bagdad zu marschieren, ziehen die letzten amerikanischen Soldaten ab – und haben es dabei offenbar eilig: Schon seit Sonntag, drei Tage vor der offiziellen Abzugsfrist, sind laut dem irakischen Aussenminister keine amerikanischen Truppen mehr im Zweistromland stationiert.

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Zuletzt befand sich nur noch ein kleines Kontingent im Nordirak – der Abzug ist trotzdem eine Zäsur. Überall in Bagdad hängen Plakate, die den Tag als Beginn der irakischen Souveränität deklarieren. Aber gerade dort, wo die USA am heftigsten gekämpft haben, wollen die Iraker die Weltmacht am liebsten im Land behalten. Denn sie haben Angst vor dem wachsenden iranischen Einfluss. Unter den meisten Menschen im Irak dominiert jedoch die Feindseligkeit gegenüber den ehemaligen Besetzern.

Taleb Mejli wurde sechzehn Monate lang im berüchtigten Foltergefängnis Abu Ghraib festgehalten – seitdem ist er ein gebrochener Mann.

Taleb Mejli wurde sechzehn Monate lang im berüchtigten Foltergefängnis Abu Ghraib festgehalten – seitdem ist er ein gebrochener Mann.Vergewaltigt und gedemütigt in Abu Ghraib

An Taleb Mejlis Knöcheln und an seinem Handgelenk befinden sich tiefe, graue Narben. Es sind Spuren von Verletzungen, die er sich selbst zugefügt hat. «Am ersten Tag in Abu Ghraib habe ich angefangen, in meine Hand zu beissen – ich habe das Blut nicht gespürt.»

Wenn sich Mejli an seine Zeit in dem Foltergefängnis erinnert, kehrt die Zwangsstörung zurück: Immer wieder beisst er während des Erzählens in seine Hand. Auch jetzt scheint er keinen Schmerz zu spüren. Sein Blick ist leer. Der Mann ist so dünn, dass ihm sein Hemd um die Schultern flattert. Mejli schweift immer wieder ab, er hat Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.

Der Mann erinnert sich jedoch noch ganz genau an die amerikanische Soldatin, die zu seiner Peinigerin wurde. Sie habe einen grossen, schwarzen Stock in seinen After eingeführt, seine Genitalien berührt, als seine Hände auf dem Rücken gefesselt und seine Augen verbunden gewesen seien. «Ich werde ihr Lachen nie vergessen.»

Sexueller Missbrauch sei alltäglich gewesen, an anderen Tagen hätten die amerikanischen Soldaten Schockgranaten in die vollgestopften Zellen geworfen oder Wachhunde mit fletschenden Zähnen an die nackten Häftlinge herangeführt. Viele dieser Verbrechen sind heute durch Fotos und Medienberichte belegt.

Taleb Mejli beteuert seine Unschuld. Der Mann, der bis zur amerikanischen Invasion entweder als Soldat in Saddam Husseins Kriegen gekämpft hat oder sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt, wurde am 1. Oktober 2003 bei einer Razzia von amerikanischen Soldaten festgenommen. Mejli war bei seinem Onkel in der Provinz Anbar zu Besuch, als die amerikanischen Truppen in jener Nacht das Haus stürmten und ihn mitnahmen. Kurz darauf kam er nach Abu Ghraib.

Dort war Mejli nur noch eine Nummer: 152516 – die Zahlenreihe steht auf seinem rosafarbenen Gefangenenausweis, den Mejli aufbewahrt hat. Sechzehn Monate verbrachte der damals 34-Jährige in dieser Hölle.

Blick auf die irakische Hauptstadt Bagdad.

Blick auf die irakische Hauptstadt Bagdad.

Graue Narben an Mejlis Handgelenken und Knöcheln – der ehemalige Häftling hat sich die Verletzungen zwanghaft selbst zugefügt.

Graue Narben an Mejlis Handgelenken und Knöcheln – der ehemalige Häftling hat sich die Verletzungen zwanghaft selbst zugefügt.Für die Amerikaner hat er nur tiefen Hass übrig

«Danach begann eine Tragödie, die noch schlimmer als das Gefängnis war.» Nachdem seine Nachbarn von seiner Demütigung erfahren hatten, gingen sie ihm aus dem Weg und redeten schlecht über Mejli. Wegen seines Traumas habe sich seine Frau nach der Entlassung von ihm scheiden lassen. Seine zwei Söhne wurden in der Schule gehänselt – einer von ihnen entwickelte ebenfalls psychische Probleme. Immer wenn jemand herausfand, dass Mejli in Abu Ghraib war, zog er um. Schon vierzehn oder fünfzehn Mal habe er seinen Wohnort gewechselt.

Vor seiner Wohnung in einem ärmlichen Vorort von Bagdad stapelt sich der Müll neben einer dreckigen Pfütze. Im Wohnzimmer des Mannes befinden sich lediglich zwei Plastikstühle und eine dünne Matratze mit zwei Kissen. Es riecht nach Abwasser.

Seit seiner Inhaftierung kann Mejli nicht mehr arbeiten. Umgerechnet rund 150 Franken im Monat müsse er für die kleine Wohnung bezahlen. Einer seiner Söhne hat einen Job und gibt ihm manchmal etwas Geld. Doch es reicht noch nicht einmal für die Herzmedikamente, die Mejli dringend benötigt. Die letzten Pillen habe er vor wenigen Tagen eingenommen.

Als er nach dem Abzug der Amerikaner gefragt wird, lacht Taleb Mejli bitter. Im Irak werde sich sowieso nichts ändern, für ihn persönlich erst recht nicht. Er habe keinerlei Kompensationen erhalten – weder von den USA noch von der irakischen Regierung.

«Als die Amerikaner 2003 in den Irak kamen, war ich glücklich, weil Saddam weg war – Demokratie war eine gute Idee», sagt Mejli. «Aber sie haben furchtbare Dinge getan.» Wenn er heute an die USA denke, spüre er vor allem eines: tiefen Hass.

Kinderfotos von Mustafa Ahmed: Der heute 22-Jährige wurde als Kleinkind bei einem amerikanischen Angriff schwer verwundet und anschliessend in den USA behandelt.

Kinderfotos von Mustafa Ahmed: Der heute 22-Jährige wurde als Kleinkind bei einem amerikanischen Angriff schwer verwundet und anschliessend in den USA behandelt.

Seit einem amerikanischen Angriff im Herbst 2004 fehlt Mustafa Ahmed sein linkes Bein. Der junge Mann aus Falluja wird nie ein normales Leben führen.
Von Amerikanern verwundet, von Amerikanern gepflegt

Eigentlich sollte Mustafa Ahmed ein ähnliches Gefühl haben. Doch der 22-Jährige nennt die Amerikaner «freundlich» und «hilfsbereit» – obwohl sie auch sein Leben zerstört haben. Der junge Mann kommt auf Krücken in das Wohnzimmer seiner Familie in Falluja gehüpft. Sein linkes Bein fehlt ihm vom Oberschenkel abwärts. Mustafa Ahmed war zwei Jahre alt, als er es bei einem amerikanischen Angriff verloren hat.

Das Kind war eines der vielen zivilen Opfer der zweiten Schlacht um Falluja im Jahr 2004. Die zwei Gefechte um die Stadt rund fünfzig Kilometer westlich von Bagdad waren die heftigsten Häuserkämpfe, die die USA seit dem Vietnamkrieg geführt hatten – und das erste Mal, dass die Amerikaner nicht gegen Saddam Husseins Truppen, sondern gegen al-Kaida und andere Islamisten ins Feld zogen, die sich dort verschanzt hatten.

Die sunnitische Stadt Falluja wurde kurz nach dem Einmarsch der Amerikaner zur Brutstätte für islamistische Guerillakämpfer, die zum heiligen Krieg gegen die ungläubigen Besetzer aufgerufen hatten. Im Frühjahr und im Herbst 2004 zogen die Amerikaner Tausende Soldaten zusammen, um die Islamisten aus der Stadt zu vertreiben – was ihnen nach einigen Monaten mithilfe von heftigem Artilleriefeuer und Luftangriffen gelang. Als die USA Ende Dezember 2004 den Sieg über die Guerillatruppen erklärten, glich Falluja einem Trümmerfeld.

Heute zeugt nur noch wenig von den zwei zerstörerischen Schlachten. Nahezu alles ist wieder aufgebaut, im Dunkeln blitzen die Lichter an den modernen Fassaden. Die Häuser stehen wieder, doch Mustafa Ahmed ist für immer vom Krieg gezeichnet.

Mustafa sei fast gestorben, so erinnert sich sein Vater Abed Ahmed an den Tag, als eine Explosion das Bein seines ältesten Sohnes zerfetzt hat. Nach langen Spitalaufenthalten im Irak hat der Vater Mustafa als Kriegsopfer bei einer Behörde der Regierung registriert. Eine amerikanische NGO sei auf den Fall aufmerksam geworden und habe mit der Familie Kontakt aufgenommen. Dann sei ihnen angeboten worden, dass Mustafa in die USA fliegen könne, um dort behandelt zu werden.

Zweimal blieb der Knabe in den Jahren 2008 und 2018 für insgesamt über ein Jahr in Portland, Oregon. Das erste Mal begleitete ihn sein Vater, drei Jahre später kam seine Mutter mit in die USA. In Portland hat er sich mehreren Operationen unterzogen. Er hatte nicht nur sein Bein verloren, sondern sich auch innere Verletzungen zugezogen und kämpfte mit Nierensteinen.

«Im Spital haben sich alle jeden Tag für das entschuldigt, was geschehen ist», erzählt Mustafa mit seiner hohen, nasalen Stimme. «Die amerikanischen Menschen sind freundlich, nicht wie die Soldaten», fügt sein Vater hinzu.

Mustafa Ahmed ging wegen des Kriegs und seiner langen Aufenthalte in den USA insgesamt nur fünf Jahre zur Schule. Heute verbringt er sein Leben vor allem im Haus seiner Eltern. Manchmal trifft er seine Nachbarn oder Freunde auf einem staubigen und vermüllten Platz in seiner Strasse. Sein Leben ist wegen seiner Verletzung auf einen Radius von rund einhundert Metern beschränkt. Der junge Mann lächelt kaum, in seinen Augen liegt eine tiefe Traurigkeit.

Mustafa Ahmed dankt der amerikanischen Organisation und den Ärzten in Portland. Doch auf die US-Regierung und ihre Soldaten ist er wütend. «Sie haben zerstört und nichts wieder aufgebaut», sagt er. «Sie haben Menschen verletzt und ihnen nicht geholfen.»

Gott sei Dank sei die Lage in Falluja heute besser, sagt Mustafa Ahmed. Doch er und seine Familie sorgen sich. «Keiner weiss, was nach dem 30. September passiert», sagt sein Vater. «Wenn die amerikanischen Soldaten abziehen.»

Ein beschädigtes Minarett in Falluja: In der Stadt rund fünfzig Kilometer westlich von Bagdad führten die USA die heftigsten Schlachten nach der Invasion.

Ein beschädigtes Minarett in Falluja: In der Stadt rund fünfzig Kilometer westlich von Bagdad führten die USA die heftigsten Schlachten nach der Invasion.

Nabil Abdelsalam schaut an der Promenade von Falluja auf den Euphrat. Hinter ihm befindet sich die Eisenbrücke, an der Kaida-Kämpfer einst die Leichen amerikanischer Söldner aufgehängt haben.

Nabil Abdelsalam schaut an der Promenade von Falluja auf den Euphrat. Hinter ihm befindet sich die Eisenbrücke, an der Kaida-Kämpfer einst die Leichen amerikanischer Söldner aufgehängt haben.

Ein Abend in Falluja: Die sunnitische Stadt wurde in den vergangenen Jahren nahezu vollständig wieder aufgebaut.

Ein Abend in Falluja: Die sunnitische Stadt wurde in den vergangenen Jahren nahezu vollständig wieder aufgebaut.Die Angst der Sunniten

Nabil Abdelsalam ist ebenfalls besorgt – und er hat eine konkrete Befürchtung, was nach dem Abzug passieren wird: Iran wird endgültig die Macht im Irak übernehmen. «Wenn eine Kraft sich zurückzieht, wird eine andere in die Lücke vorstossen», sagt der 43-jährige Journalist aus Falluja.

Abdelsalam sitzt im Restaurant Hadji Hussein an einem Tisch, auf dem vor lauter Essen kaum noch Platz ist. Hier haben schon amerikanische Soldaten Kebabs bestellt, als sie in Falluja stationiert waren. Nabil Abdelsalam arbeitet für einen irakischen Fernsehsender und ist Sunnit – wie fast jeder Einwohner Fallujas und rund 40 Prozent aller Iraker. Die Mehrheit im Zweistromland stellen allerdings schiitische Muslime.

Nach der amerikanischen Invasion und dem Sturz des sunnitischen Diktators Saddam Hussein haben die Schiiten weitgehend die Macht im Land übernommen. Sie orientieren sich nach Osten – zur Islamischen Republik Iran. Nachdem die Amerikaner gekommen waren, bildeten bewaffnete Schiiten Todesbrigaden, die Sunniten entführten, folterten und ermordeten.

Im Irak operieren bis heute Dutzende proiranische, schiitische Milizen. Einige von ihnen wurden in die irakischen Sicherheitskräfte eingegliedert. Auf dem Papier unterstehen sie dem Ministerpräsidenten in Bagdad. Doch oftmals empfangen sie ihre Befehle weiterhin aus Teheran.

«Die meisten Sunniten haben Angst vor dem Abzug der Amerikaner», sagt Nabil Abdelsalam. «Sogar hier in Falluja, wo die Amerikaner schreckliche Dinge angerichtet haben, wollen die Leute, dass sie bleiben», fügt er hinzu. «Denn sie fürchten sich vor den schiitischen Milizen.»

Dabei hätte auch Nabil Abdelsalam allen Grund, die Amerikaner zu hassen. Das Haus seiner Familie wurde bei den Kämpfen in Falluja von amerikanischen Soldaten zerstört. «Wir waren nur kurz davor aus der Stadt geflohen», erinnert er sich. Als er zurückkehrte und die Amerikaner die Stadt besetzt hielten, eröffneten sie einmal aus nächster Nähe das Feuer auf Abdelsalam, als er in seinem Auto fuhr und die Soldaten ihn offenbar für einen Kaida-Terroristen hielten. «Es war ein Wunder, dass ich überlebt habe.»

Trotzdem glaubt er, dass der viel grössere Feind für die Sunniten Iran und die Schiiten im eigenen Land seien: «Wir haben die Verbrechen der Amerikaner gesehen», sagt er. «Aber die Verbrechen der schiitischen Milizen waren schlimmer.» Es wirkt, als verspüre Abdelsalam Sehnsucht nach dem Schutz der Soldaten, die sein Haus zerstört und ihn fast getötet haben.

Wo heute Gräber stehen, haben einst Kinder gespielt – der Märtyrerfriedhof von Falluja war bis zum Irakkrieg ein Fussballplatz.

Wo heute Gräber stehen, haben einst Kinder gespielt – der Märtyrerfriedhof von Falluja war bis zum Irakkrieg ein Fussballplatz.

An der Wand des Friedhofs finden sich noch Einschusslöcher. Rund dreitausend Menschen sollen auf dem ehemaligen Fussballplatz begraben sein.

An der Wand des Friedhofs finden sich noch Einschusslöcher. Rund dreitausend Menschen sollen auf dem ehemaligen Fussballplatz begraben sein.Der Fussballplatz voller Gräber

Die Sonne geht über dem Euphrat unter. Nabil Abdelsalam steht auf der Promenade von Falluja neben einer metallenen Brücke. Einst haben bewaffnete Islamisten hier vier Leichen von Blackwater-Söldnern aufgehängt. Der Mord war der Auslöser für die erste Schlacht um Falluja. Heute spazieren hier Familien im Abendrot, einige Fischer halten ihre Ruten in den Fluss. Abdelsalam bleibt nur kurz. Er möchte vor Einbruch der Dunkelheit noch einen weiteren Ort besuchen.

Wenige hundert Meter entfernt befindet sich der Märtyrerfriedhof von Falluja. Nur war die Fläche einst kein Ort der letzten Ruhe, sondern ein Fussballplatz für die Kinder der Stadt. Als die Amerikaner kamen, riegelten sie Falluja ab. Der ursprüngliche Friedhof befand sich ausserhalb der abgesperrten Zone. Also begruben die Menschen ihre Toten auf dem Fussballplatz.

«Sie haben dort hinten rechts begonnen», sagt Nabil Abdelsalam, als er in der Dämmerung über die Fläche schreitet, wo Hunderte beerdigt sind. Es sollte nur eine Übergangslösung sein, doch dann kamen immer mehr Tote – bis nichts mehr vom Fussballplatz übrig war und die Gräber dicht an dicht standen.

Abdelsalam hat selbst hier gekickt, als er jung war. Er deutet auf eine Wand, an der sich noch Einschusslöcher finden. «Hier war das Tor, und ich kam meistens von links, um zu schiessen.» Weiter hinten steht über den Grabsteinen ein kleiner, gelber Verschlag. Dort hätten die Schiedsrichter über die Kinder gewacht, die dem Ball hinterhergerannt seien.

Für einen kurzen Moment scheint es, als sei Nabil Abdelsalam wieder zehn Jahre alt. Ein Kind, das dort, wo heute Gräber stehen, Fussball spielt. Ein Knabe, der nicht weiss, welche Tragödien ihm und seinem Land bevorstehen.

Mitarbeit: Sangar Khaleel.

In Falluja führten die USA die heftigsten Häuserkämpfe seit dem Vietnamkrieg. Heute ist die Stadt eine der sichersten des gesamten Irak.

In Falluja führten die USA die heftigsten Häuserkämpfe seit dem Vietnamkrieg. Heute ist die Stadt eine der sichersten des gesamten Irak.

5 Kommentare

Mark Ziegler

30.09.2026

Somit endet der Versuch, aus einem diktatorisch geführten arabischen Land eine Demokratie zu machen. Not with a bang, but with a whimper. Die Lehren daraus: Demokratie setzt gewisse gesellschaftliche und kulturelle Viraussetzungen voraus. Sie kann nicht "top-down" verordnet und schon gar nicht von Aussen importiert werden. Ohne die Trennung von Religion und Staat, Aufklärung, Revolution "bottom-up", Rechtstaatlichkeit, universelle Bildung , Toleranz und die Bereitschaft des Einzelnen, da mit zu machen, ist Demokratie unmöglich. Europa brauchte 300 Jahre für diese Entwicklung. Sie lässt sich nicht beschleunigen.

Marc Anderson

29.09.2026

Ich finde diese ganze Foltersache mit Stock & vonhinten durch weibliches Armypersonal nicht nachvollziehbar, da gab es auch damals schon Substanzen um Verhöre zu gestalten. Raphael Patai’s als Grundlage für derlei sexuelle Demütigungen dienende Buch „The Arab Mind“ (1973) kursierte beim Desert Storm, aber weil der Mann auch in Jerusalem 1933 an der Hebräischen Universität lehrte, da fragt man sich doch, ob diese Vorwürfe nicht auf ein anderes Narrativ abzielen, vielleicht dass diese Sachen auch in israelischen Gefängnissen praktiziert werden.

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