Das Rittergut Schönberg hat eine lange Geschichte. Designer Miles Rice und seine Frau Kerstin haben den Gutshof zum Treffpunkt für Kunst und Handwerk gemacht und zum Kulturort, der weit über die Altmark hinausstrahlt.
AUDIO: Wie die lange Geschichte des Ritterguts Schönberg in der Altmark weiterlebt (4 Min)
"Tag der lebendigen Traditionen" im Oktober
Wie das Rittergut Schönberg in der Altmark Tradition und Handwerk lebendig hältStand: 01.10.2026 04:00 Uhr
Das alte Rittergut Schönberg bei Seehausen in der Altmark hat sich seit 2020 zu einem Zentrum für Kunst, Kultur und Handwerk entwickelt. Der international erfolgreiche Designer Miles Rice und seine Frau Kerstin haben dem mehr als 600 Jahre alten Anwesen nicht nur neues Leben eingehaucht. Aus dem Sitz der Gutsherren ist ein offener Ort für alle Interessierten geworden. Auch die Dorfgemeinschaft lebt seitdem auf.
von Katharina Häckl, MDR KULTUR
Es liegt ein wenig vom Dorf abgelegen, das alte Rittergut von Schönberg. Die strahlend gelbe Farbe des Wohnhauses allerdings, die leuchtet schon von weitem durchs sattgrüne Laub und weist den Weg.
Platz haben sie gewollt und Freiheit, um sich ihrem Handwerk und ihrer Kunst zu widmen – vor sechs Jahren haben Kerstin und Miles Rice das Anwesen gekauft. Er, gebürtiger Engländer, ist international anerkannter Designer, vor allem von Holzmöbeln. Verblüffende Stücke stehen in arabischen Palästen und im englischen Königshaus, bei Rolls-Royce und in den Villen von Menschen, die sich die ausgeklügelten Werke leisten können. Zeitlose, unerwartete Designstücke sind es, die Miles kreiert. Stücke, wie er sagt, "die von Ehrlichkeit und Wertschätzung für Material, Handwerk und Design durchdrungen sind".
Seine Frau Kerstin, aus Thüringen stammend, ist Druckgrafikerin. Bis vor kurzem aber blieb trotz des Platzes und der Freiheit in Schönberg dafür keine Zeit: Da ist die Familie, und da ist Kerstins Engagement für "The Arch", ein von ihr gegründetes weltweites Netzwerk, das sich gegen das Aussterben seltener Handwerkskünste stemmt.
Sie suchen weitere Tipps für Ausflugsziele, für Erlebnisse mit der Familie, für Kultur auf dem Land, Filme, Ausstellungen und mehr? Dann folgen Sie unserem kostenlosen WhatsApp-Kanal "KULTUR erleben" und erhalten Sie Empfehlungen ganz bequem aufs Handy.
Lange Tradition des Handwerks in der AltmarkFür die Menschen in Schönberg waren die beiden neuen Rittergutsbesitzer nur für kurze Zeit die Neuen. Obwohl die Dorfgemeinschaft natürlich schon ein Auge darauf hatte, was da läuft auf dem Gut. Aber: Kerstin und Miles fügen sich gern der mehr als 650 Jahre alten Tradition: Handwerk war auf dem Gutshof immer vertreten.
Typisch altmärkisch war auch Schönberg ein Arbeitsgut: "Zum Gut hat eine Ziegelei gehört, eine der größten der Region. Wir hatten Leinweber hier vor Ort auf dem Gut. Wir hatten Stellmacher, Käsemacher, alles Mögliche", erzählt Kerstin Rice. "Das lässt sich noch aus den alten Guts-Adressbüchern herauslesen, welche Gewerke hier gearbeitet haben. Also, wir können davon ausgehen, dass hier über 650 Jahre Handwerkstradition ist", sagt Kerstin Rice nicht ohne Stolz. Miles mit Design, Möbelbau und bildender Kunst, Kerstin mit der Druckgrafik setzen diese Tradition fort. Eine jedoch nicht: Familie Rice bleibt bodenständig – im Gegensatz zu manchem ihrer Vorgänger auf Gut Schönberg.
Einige von ihnen hätten "so ein bisschen verrückt gedacht", lacht Kerstin und räumt ein, dass diejenigen auch "ihrer Zeit voraus gedacht haben". Da war zum Beispiel der Gründer des ersten Bibelinstituts der Welt, der die Bibel auch dem einfachen Volk nahebringen wollte. "Oder einer der höchsten Ritter des preußischen Reichs. Also, manche waren ein bisschen durchgeknallt", schmunzelt die heutige Gutsbesitzerin.
Starkes Ehrenamt mit HerzDie alten Handwerkshallen und Werkstätten sind mittlerweile beräumt und teilweise neu gestaltet. Die Traditionen des Handwerks und der Kunst aber leben weiter auf Gut Schönberg. Die alte Schmiede ist wieder erkennbar, auch wenn sich Kerstins Traum, das Klopfen und Hämmern zu hören, noch nicht erfüllt hat. Aber die Traktorhalle nebenan, die ist mittlerweile zu einem Ort von Kunstschaffenden und Gemeinschaft geworden: Etliche Schönberger haben erst neugierig "mal geguckt", einige kommen inzwischen regelmäßig. Zum Beispiel, um die Traktorhalle nach ihrer Vorstellung zu gestalten. Den Rices soll es recht sein.
Die freiwilligen Helferinnen und Helfer hätten sich gewünscht: Wir möchten sie bunt haben. Das vorhandene Mobiliar – es stammt aus der alten Schule, die auch auf dem Rittergut untergebracht war – ist bunt angestrichen worden. Mit ihm hat die Traktorhalle einen völlig anderen, neuen Charme. Die komplette Halle sei im Ehrenamt gestaltet worden, ist Kerstin Rice stolz. Deshalb sähe es manchmal auch ein bisschen "rustikal" aus. Aber die Rückmeldung komme von Leuten, "die sagen: Sowas würde es bei uns nicht geben. Das ist so ehrlich, so mit Herz – das sieht man".
Gemeinsam etwas schaffen, macht glücklichDie Traktorhalle ist unter anderem der Ort für das Projekt "Generationen Hand in Hand". Regelmäßig geben in diesem Rahmen Senioren ihr Wissen an Jüngere weiter, zum Beispiel das über Wildkräuter der Region oder wie man Weidenzäune flechtet. So manch ein Senior hat auf dem Gutshof seine Leidenschaft fürs Handwerk neu aufflammen lassen. Dass sie ihre Kenntnisse einem interessierten Publikum präsentieren können, hätten wohl die wenigsten geahnt. Aber es funktioniert. Weil Herzblut dabei ist, betont Kerstin Rice.
Auf dem Rittergut Schönberg werden verschiedene Formen des Kunsthandwerks lebendig gehalten und das Wissen von älteren Generationen an jüngere weitergegeben.
Die Hälfte der ehrenamtlichen Helfenden sei vorher nie ehrenamtlich aktiv gewesen. "Und die sind hier aus dem Dorf! Vielleicht hat bislang für sie genau das richtige Angebot gefehlt", mutmaßt sie. Möglicherweise erfüllt die Helfenden eine ähnliche Zufriedenheit wie sie selbst, wenn sie sieht, wie die Hofgäste sich erst ungelenk, dann immer selbstbewusster im Handwerk versuchen. "Die Freude der Leute, etwas selbst geschaffen und geschafft zu haben – das ist Wahnsinn, das zu sehen!"
Neuer Antrieb, kreative AtmosphäreDiese Freude hat sich auch auf Miles und Kerstin übertragen. Nach Ausflügen ins Schmuckgestalten hat Miles seine Leidenschaft für Design und Bau hochwertigster Vollholzmöbel noch einmal neu entdeckt. Er entwirft nicht nur, er baut auch selbst – für seine Ehefrau ein Zeichen innerer Zufriedenheit und frischer Antriebskraft. Sie selbst hat die Druckgrafik für sich wiederentdeckt. Eine entsprechende Ausbildung hatte sie. Nun, auf Gut Schönberg mit all den enthusiastischen Menschen, der ruhigen und doch arbeitsamen, kreativen Atmosphäre lässt sie ihrem Können wieder freien Lauf. Eine der Hallen ist deshalb zur Werkstatt für Druckgrafik geworden – für Kerstin selbst, aber natürlich auch für neugierige Besucher, die sich darin ausprobieren wollen.
Viele Gemeinschaftsveranstaltungen auf Gut Schönberg sind kostenfrei oder leben von freiwilligen Spenden. Kurse und Angebote für Gäste sind kostenpflichtig. "Besonders berührend sind die Spenden von Menschen aus der Region, die die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sehen", wird Kerstin Rice nachdenklich. "Manche warten sogar bis zum Monatsende, bis das Gehalt kommt, um einen kleinen Betrag geben zu können. Das zeigt, wie sehr das, was hier passiert, den Menschen vor Ort etwas bedeutet."
Besonders berührend sind die Spenden von Menschen aus der Region, die die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sehen. Kerstin RiceMitmachangebote für Touristen in der Altmark
Ein besonderes Highlight auf dem Rittergut Schönberg ist jährlich im Oktober der "Tag der lebendigen Traditionen", ein großes Fest zum UNESCO-Welttag des Immateriellen Kulturerbes mit vielen Mitmach-Stationen, alten Spielen, Erzählungen in Altmark-Platt und einem gemeinsamen Essen. Daneben gibt es regelmäßig Druck-Workshops, eintägige und mehrtägige Kurse, zum Beispiel experimentelle Druckgrafik über zwei Tage oder Hochdruck-Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene, auch mobile Aktionen auf Dorffesten in der ganzen Altmark.
Mittlerweile sind die Möglichkeiten vor Ort so vielfältig und die Lust der Gutsbesitzer so groß, dass sie auch Touristen spezielle Angebote unterbreiten. Besonders beliebt ist der Halbtageskurs "Geschichte erleben. Kunst gestalten". Dabei werden die Gäste durch das historische Gut geführt, wird von den Menschen erzählt, die dort über Jahrhunderte gearbeitet und gelebt haben. Danach geht es in die Druckwerkstatt: Jeder gestaltet ein eigenes Motiv und druckt es unter Anleitung selbst. Das fertige Bild wird zum persönlichen Souvenir aus dem Rittergut. Der Kurs endet mit einem Kaffee in historischer Atmosphäre.
Viel Anerkennung in der AltmarkDaneben werden auch eintägige und mehrtägige Kurse angeboten, in denen man tiefer in die Druckgrafik eintauchen kann. So kann man ein Stück der wiederbelebten Handwerkstradition mit nach Hause nehmen. Übernachtungen sind zwar auf dem Rittergut nicht möglich, aber Kerstin und Miles haben ein stabiles Netzwerk an typisch altmärkischen, freundlichen Pensionen und kleinen Hotels, die sie empfehlen. Gern machen sie auf andere Angebote für einen Altmark-Aufenthalt aufmerksam, der in Erinnerung bleibt. Die acht Hansestädte sind dabei – die alte Hansestadt Seehausen liegt nur wenige Kilometer entfernt. Der Elberadweg oder das Erkunden der legendären Landschaft per Kanu sind nur einige Möglichkeiten von vielen.
Für ihr Wirken haben Kerstin und Miles Rice mehrere Preise gewonnen, unter anderem den "Town & Country-Stiftungspreis" als einer von nur vier Regionalsiegern in ganz Norddeutschland. Dennoch wünschen sich die neuen Rittergutsbesitzer, dass es ihnen in mancher Hinsicht doch ein bisschen leichter gemacht wird. Ein Hinweisschild Richtung Rittergut dauerhaft an die Straße zu stellen, zum Beispiel, erwies sich als nervenraubender Akt von Bürokratie. Doch Rices haben ohnehin die beste Werbung, die man sich an ihrer Stelle wünschen kann: die Anerkennung und Hochachtung der Menschen in der Altmark.
Redaktionelle Bearbeitung: Thilo Sauer
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Oschersleben: Lokalmatador Schubert hofft auf mehr Fortune als am Norisring | 0 | 13.11 | 23-07-2026 |
| 2 | Your own Soho Farmhouse...in Cornwall? Architect behind A-lister Cotswolds favourite puts his beach house on sale for £2.5m | 0 | 11.4 | 10-09-2026 |
| 3 | Weltkulturerbe modern: Schlossmuseum Quedlinburg nach sieben Jahren Sanierung wieder geöffnet | 0 | 6.4 | 03-10-2026 |
| 4 | Белорусский дизайнер выпустил пуховик из сена за 50 тысяч рублей | 0 | 20 | 30-09-2026 |
| 5 | Trust the Thing That Moves You | 0 | 7.56 | 04-10-2026 |
| 6 | Altenburger Bauernmarkt: Welche Geheimnisse hinter dem Erfolg stecken | 0 | 7.02 | 26-09-2026 |
| 7 | Sonnenkult im Berghain: Persische Mysterien treffen auf KI-Kunst | 0 | 15.98 | 02-10-2026 |
| 8 | Lustfylld ögonfägnad av makarna Nilsson på Millesgården | 0 | 6.94 | 22-09-2026 |
| 9 | Artistic Home Goods | 0 | 7.9 | 25-09-2026 |
| 10 | Interior designer Sophie Conran on the rise of wellbeing-led design | 0 | 10.4 | 19-09-2026 |