Ein Spieltisch aus Aalen ging für die deutsche Nationalmannschaft in die USA. Nun kämpft die Fun4Four Sales GmbH um ihre Zukunft – doch nicht wegen des Produkts.
Stand: 15.09.2026, 17:00 Uhr

Ein Spieltisch aus Aalen ging für die deutsche Nationalmannschaft in die USA. Nun kämpft die Fun4Four Sales GmbH um ihre Zukunft – doch nicht wegen des Produkts.
Aalen. Ein ungewöhnlicher Auftrag für ein Unternehmen aus Aalen-Ebnat: Die deutsche Nationalmannschaft ließ sich einen Spieltisch von Fun4Four-Sales zur Weltmeisterschaft in die USA schicken, um sich dort die Zeit zu vertreiben. Nun kämpft der Hersteller um seine Zukunft.
Die Fun4Four Sales GmbH ist insolvent. Der Geschäftsbetrieb läuft zwar weiter – doch neben einer hohen Rückforderung von Corona-Hilfen machen dem Unternehmen auch Lieferprobleme zu schaffen.
Corona-Hilfen führen zur ÜberschuldungDer Insolvenzantrag hat nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwalterin Leonie Franke einen ungewöhnlichen Hintergrund. Auslöser seien zwei Rückforderungsbescheide für die November- und Dezemberhilfe aus der Corona-Zeit. Die Rückforderungsverpflichtungen hätten zu einer Überschuldung der Gesellschaft geführt, die nicht ausgeglichen werden könne.
Die genaue Höhe der Rückforderungen darf die Insolvenzverwalterin nicht nennen. Sie liegt nach ihren Angaben aber im mittleren sechsstelligen Bereich. Die Rückforderungen treffen das Unternehmen damit Jahre nach der Auszahlung der staatlichen Hilfen.
Fünf Jahre später wird abgerechnetDie Fun4four Sales GmbH ist nicht der einzige Fall, bei dem die endgültige Abrechnung der Corona-Hilfen noch Jahre später Folgen hat. Die November- und die Dezemberhilfe sollten Betriebe unterstützen, die vom Lockdown Ende 2020 besonders betroffen waren. Dabei betreffen die noch laufenden Rückforderungen und Gerichtsverfahren nicht nur diese beiden Hilfen, sondern teilweise auch die Corona-Soforthilfe aus der ersten Phase der Pandemie.
Wie hoch solche Rückforderungen ausfallen können, zeigt ein Fall aus Hessen: Das Verwaltungsgericht Gießen wies im April 2026 die Klage einer Gastronomin gegen die Rückforderung von rund 600.000 Euro November- und Dezemberhilfe ab. Die Hilfen waren 2021 ausgezahlt worden, nach der Schlussabrechnung forderte die Behörde 2024 nahezu die gesamte Summe zurück. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.
Der Betrieb läuft zunächst weiterFür Fun4four-Sales bedeutet die Insolvenz zunächst nicht, dass die Arbeit eingestellt wird. Der Geschäftsbetrieb wird laut Franke derzeit unverändert fortgeführt. Das betrifft den Verkauf, die Aufstellung und den Service der Spieltische ebenso wie den Online-Handel. Betroffen sind fünf Beschäftigte am einzigen Standort des Unternehmens in Aalen-Ebnat. "Die Beschäftigten sind informiert und halten dem Unternehmen im Moment die Treue", sagt Franke.
Wie es langfristig weitergeht, ist allerdings offen. Im vorläufigen Insolvenzverfahren werden aktuell die Vermögensgegenstände aufgenommen und bewertet. Über den Insolvenzantrag soll voraussichtlich nach dem Ende des Insolvenzgeldzeitraums Anfang Dezember entschieden werden.
Ein Spieltisch, der in die USA gingDas Produkt, um das sich bei Fun4four-Sales alles dreht, ist ungewöhnlich. Das Unternehmen hat genau einen Spieltisch im Sortiment. Äußerlich erinnert er an einen Billardtisch, statt einer Spielfläche befindet sich darauf jedoch eine Computeroberfläche. Bis zu vier Spieler können gleichzeitig von den vier Seiten aus spielen. Zum Angebot gehören unter anderem "Mensch ärgere dich nicht", Solitaire und Tetris. Mit Glücksspiel hat das Produkt laut Insolvenzverwalterin nichts zu tun.
Einen solchen Tisch ließ sich auch die deutsche Nationalmannschaft in die USA schicken. Dort sollte er den Spielern die Zeit vertreiben. Für ein kleines Unternehmen aus Aalen-Ebnat ist das ein durchaus bemerkenswerter Auftrag.
Jetzt fehlen die elektronischen BauteileAusgerechnet bei der Produktion dieses Produkts gibt es derzeit allerdings ein weiteres Problem. Bestimmte Steuerungs- und Programmierteile können wegen Lieferschwierigkeiten von Zulieferern aus Österreich und China nicht beschafft werden. Zwei fertige Spieltische stehen nach Angaben der Insolvenzverwalterin noch zur Verfügung. Alle anderen Tische können derzeit nicht fertiggestellt werden, weil die benötigten Bauteile fehlen.
"Eine Fortführungsmöglichkeit hängt insbesondere davon ab, ob die Lieferanten ersetzt werden können", sagt Franke. Damit hängt die Zukunft des Unternehmens nicht allein an der Frage, wie mit den finanziellen Altlasten aus der Corona-Zeit umgegangen wird. Im vorläufigen Verfahren soll deshalb geprüft werden, welche Lieferanten für die elektronischen Komponenten künftig infrage kommen.
Zukunft des Unternehmens ist noch offenDabei gibt es durchaus Gründe, auf eine Fortführung zu hoffen. Die Entwicklung des Geschäftsbetriebs in den vergangenen Jahren sei positiv gewesen, sagt Franke. Zu den Kunden zählen demnach vor allem Hotels und Freizeitparks. Nun muss sich zeigen, ob sich diese Geschäftsentwicklung fortsetzen lässt.
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