Der Hitzesommer hat der Zugspitze stark zugesetzt. Nach Steinlawinen warnen Bergführer jetzt vor Steinschlag an den Flanken des geschrumpften Gletschers im Höllental – den Bergsteiger begehen.
Stand: 07.10.2026, 15:11 Uhr

Der Hitzesommer hat der Zugspitze stark zugesetzt. Nach Steinlawinen warnen Bergführer jetzt vor Steinschlag an den Flanken des geschrumpften Gletschers im Höllental – den Bergsteiger begehen.
Grainau – Vor kurzem gingen die Bilder von riesigen Staubwolken an der Zugspitze um die Welt. Der zurückweichende Permafrost hat dafür gesorgt, dass ganze Felspartien den Halt verloren und in die Tiefe stürzten. Ähnliche Phänomene werden auch aus anderen Bereichen der Alpen gemeldet, etwa in den Dolomiten. Der aufgebaute Berg hält nicht mehr, das Eis ist als Kitt verschwunden.
Gletscher verlor bis zu 20 Meter Dicke an Schnee und Eis – an seinen Seiten lagerte er lockere Steine abDoch auch die Gletscher sind in Länge und Stärke zurückgegangen. Und da, wo sie geschmolzen sind, drohen in den Bergen jetzt Steinschläge. Die Vereinigung „Die Bergführer“ in Ohlstadt (Kreis Garmisch-Partenkirchen) warnt jetzt vor lockeren ehemaligen Seitenmoränen, die auf Bergsteiger im Höllental an der Zugspitze stürzen können.
Seit Beginn der Bergsteigersaison im Juni hat der Höllentalferner, den man auf dem Weg über den Klettersteig aus dem Höllental zum Gipfel nehmen muss, dem Bergführer Sepp Hümmer zufolge rund acht bis 12 Meter Eis und zusätzlich fünf bis acht Meter Lawinenschnee verloren. Insgesamt hat er somit 13 bis 20 Meter an Mächtigkeit verloren! Die sonst von Eis und Schnee bedeckte Oberfläche des Gletschers besteht jetzt vollständig aus blankem, hart gefrorenem Eis. An seinen Rändern liegen viele Steine, die manche Bergsteiger unwissentlich für den Aufstieg nutzen, warnt der Bergführer.
An den steilen Flanken wurde dabei Moränenmaterial abgelagert, das hier aus großen Steinbrocken besteht, die jederzeit in die Tiefe auf den Rest des Gletschers stürzen können. Den müssen die Bergsteiger auf dem Weg zur Zugspitze queren. „Der Anstieg erfolgt mittig durch das Gletscherbecken, um dem Steinschlag aus den seitlichen Flanken möglichst auszuweichen“, rät Hümmer weiter. Auch an der Randkluft, an der ein Hilfsseil installiert wurde, besteht Gefahr von oben: „Aufgrund der Steinschlaggefahr sollte man sich in diesem Bereich nicht länger aufhalten – es ist kein geeigneter Pausenplatz“, warnt der Bergführer.
Alter Klettersteig hing quasi in der Luft – neuer errichtet, doch fast überall droht SteinschlagDa der Gletscherrand abgesunken ist, wurde ein neuer Klettersteig errichtet. Der alte Einstieg schwebt jetzt quasi weit über dem Boden. „Der neue Klettersteigeinstieg führt linker Hand über kompakte Platten, Schwierigkeit Kat. C, und weiter in eine kleine Felsnische“, heißt es. Unter Ausnutzung des felsigen Geländes und mithilfe der Trittbügel gelange man zum oberen Querseil. Für Rettungszwecke der Bergwacht wurde demnach zusätzlich ein Stahlseil installiert. „Ein taktisch sehr gut angelegter Einstieg, der vielen Bergsteigern sicher Freude bereiten wird“, so Hümmer. Weiter oben warnt der Bergführer aber ebenfalls vor Steinschlag an der Irmerscharte: „Lockere Steine können durch vorausgehende Bergsteiger leicht ausgelöst werden.“
Auch der Deutsche Alpenverein warnte kürzlich vor den neuen Gefahren in den Bergen.