Ein Felsbrocken löst sich, reißt einen 36-Jährigen 100 Meter in die Tiefe – tödlich. Ein DAV-Experte erklärt, warum der heiße Sommer die Alpen derzeit so gefährlich macht.
Stand: 06.10.2026, 18:49 Uhr

Ein Felsbrocken löst sich, reißt einen 36-Jährigen 100 Meter in die Tiefe – tödlich. Ein DAV-Experte erklärt, warum der heiße Sommer die Alpen derzeit so gefährlich macht.
München/Berchtesgaden – Samstag, 3. Oktober, gegen 13 Uhr am Großen Ochsenhorn bei Lofer im Salzburger Land nahe der bayerisch-österreichischen Grenze: Ein Bergsteiger aus Tschechien (36) ist mit zwei Freunden auf dem Weg zum 2511 Meter hohen Gipfel. Als er an zwei weiteren Bergsteigern vorbeigehen wollte, hielt er sich an einem Felsbrocken fest. Der löste sich plötzlich und stürzte mit dem Alpinisten rund 100 Meter in eine steile Rinne. Der Notarzthubschrauber konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen; der Leichnam wurde mit einem Polizeihubschrauber geborgen.
Zwei Tage zuvor wurde ein 37-jähriger Einheimischer am Feuerhörndl auf der Reiter Alpe im Berchtesgadener Land von einem 40 Zentimeter großen Stein am Oberschenkel getroffen, der von oben auf ihn fiel. Er drehte sich noch schnell weg, musste aber verletzt geborgen werden. Am Liskamm bei Zermatt wurde ein Bergsteiger im Juni von Steinschlag getroffen und getötet. Am Mont Blanc starben im Sommer mindestens drei Menschen durch Felsstürze. In Südtirol riss ein Felssturz den Weg ins Tal weg, den eine Familie nehmen wollte.
Spektakulär, Gott sei Dank ohne Verletzte, fiel eine Felssturzserie an der Zugspitze aus. In den Dolomiten und in Nordtirol gab es in den vergangenen Tagen ebenfalls Steinschläge – ohne Verletzte. An der Weißseespitze im Südtiroler Vinschgau donnerten Geröllmassen auf rund 3300 Metern Höhe auf die Aufstiegsroute. Im Höllental am Fuß der Zugspitze warnen Bergführer ebenfalls vor Steinschlägen. Es bröckelt überall in den Alpen.
Nach Hitzesommer brechen die Felsen tonnenweise von den Bergen – große Gefahr für AlpinistenThomas Wanner, Sicherheitsforscher des Deutschen Alpenvereins, bestätigt, dass sich die Gefahr von Steinschlägen und losen Felsen nach diesem heißen Sommer stark erhöht hat. Die Gletscher sind stark zurückgeschmolzen – in der Länge und in der Dicke. „Im Gletschergrenzbereich bleiben nach dem Rückschmelzen viel Schutt und lose Gesteinsbrocken zurück“, berichtet Wanner. Dieses Material liegt jetzt locker am Hang und kann jederzeit abstürzen. „Dieser Schutt macht Kletter- und Hochtouren gefährlicher.“ Je nach Exposition herrsche ab rund 2500 Meter besonders unterhalb ehemaliger Gletscherbereiche Gefahr. „Die Seitenwände haben zudem ihre Stütze verloren, man muss in einem ehemaligen Gletschertal sehr aufpassen“, warnt Wanner.
Das zweite Problem: „Der Permafrost ist wie an der Zugspitze und in den Dolomiten vor allem nordseitig unterhalb von 2500 Metern aufgetaut, da können einzelne Steine oder einige Meter dicke Schichten ausbrechen und tonnenweise und Kubikmeter Gestein abbrechen.“ Da das Auftauen mit Verzögerung innen ankommt, kommt es erst jetzt zu den Felsstürzen. „Kommt der Frost zurück, dauert es Wochen, bis die alte Frostgrenze innen wieder erreicht ist.“
Experte gibt Urlaubern Tipps zur Gefahrenabwehr: „Im Hochgebirge ändert sich vieles sehr schnell!“Auch der angekündigte Regen kann die Gefahr noch verstärken. „Starkregenereignisse können Steine am Hang hinterspülen und diese lockern“, erklärt Wannder. „Wenn es danach auch noch friert, kommt es zur Frostsprengung.“ Dieses Jahr seien diese Ereignisse extrem. „Der Trend ist aber schon seit Jahren zu beobachten, Grund ist der Klimawandel“, so Wanner. Sein Rat für Bergtouristen: „Erkundigt euch bei Hütten, dem örtlichen Tourismusverband oder Bergführern über die aktuellen Bedingungen vor Ort und schaut, ob Wanderwege gesperrt sind. Man sollte sich nicht auf alte Karten verlassen, denn aktuell ändert sich im Hochgebirge vieles sehr schnell.“