Justus, Du bist 16 und stehst bereits mit zwei Füßen mitten drin in der internationalen Musikwelt. Wie siehst Du diese Musikwelt heute, von Deiner Warte aus? Die Musik ist universell und für jeden Menschen zugänglich. Für mich gibt es nur eine Welt, ich trenne nicht die Musikwelt von der Alltagswelt. Seit ich denken kann, bin […]
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Justus, Du bist 16 und stehst bereits mit zwei Füßen mitten drin in der internationalen Musikwelt. Wie siehst Du diese Musikwelt heute, von Deiner Warte aus?
Die Musik ist universell und für jeden Menschen zugänglich. Für mich gibt es nur eine Welt, ich trenne nicht die Musikwelt von der Alltagswelt. Seit ich denken kann, bin ich schon immer von Musik umgeben und damit aufgewachsen, da ich aus einer Musikerfamilie stamme. Durch die Musik kann man Menschen erreichen und berühren und Emotionen auf besondere Art und Weise teilen. Ich spüre insgesamt eine große Begeisterung für die klassische Musik und für Live-Konzerte.
Hast Du eigentlich keine Angst vor der Zukunft, vor der Möglichkeit dass, wenn dein Jugend-Bonus erloschen ist, es weniger gut vorangehen könnte?
Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Ich glaube nicht, dass Alter in der Musik relevant ist.
Du kommst aus einer Musikerfamilie, hast aber nicht das Instrument gewählt, das Dein Vater bez. Deine Mutter spielen, sondern das Klavier. Warum?
In unserem Wohnzimmer stand schon immer ein Flügel und ich war als Kind begeistert vom Klang und auch von der Mechanik dieses Instruments. Mich fasziniert am Klavier als Harmonieinstrument die Möglichkeit, viele Stimmen und Klangfarben wie bei einem Orchester hörbar zu machen.
Inwieweit wirst Du von Deinen Eltern in Deinen Entscheidungen beeinflusst?
Ich bespreche mich in wichtigen Dingen mit meinen Eltern, da sie Musiker sind, zum Beispiel bei der Konzertplanung. Ebenso natürlich mit meinem Lehrer Grigory Gruzman. Die endgültige Entscheidung treffe ich dann selbst.
Gibt es einen bedeutenden Pianisten, den Du besonders verehrst und der Dich prägt?
Ich bewundere Horowitz für seine Virtuosität und seine unübertroffenen Klangfarben. Sein Spiel berührt mich immer, denn seine Fähigkeit auf dem Klavier zu singen ist einzigartig. Bei Evgeny Kissin fasziniert mich seine Kraft und sein grandioser Klang.
Justus EichhornAuf Deinem Album stören mich die klanglich unzufriedenstellenden Upright-Aufnahmen. War das deine Idee? Und wie verteidigt Du sie?
Es war die Idee der Deutschen Grammophon, als ergänzende Klangfarbe zum Konzertflügel auch ein paar Aufnahmen auf dem mit Filz gedämpften Upright-Piano zu machen und ich war offen dafür. Man hört die Mechanik, das sanfte Hammergeräusch des Klaviers. Bei manchen Stücken passt das aus meiner Sicht gut. Auch damals gab es nicht immer einen großen voll klingenden Konzertflügel. In Liszts Haus in Weimar steht neben seinem Bechstein-Flügel sein originales Wandklavier, das ist sehr salonartig. Deswegen habe ich beim Ständchen auch die alternative schlichte Version von Liszt gewählt ohne die virtuosen Girlanden und Läufe, die dann auf dem Konzertflügel passender wären. Neulich habe ich ein Konzert auf einem historischen Hammerklavier von 1820 gespielt. Ich interessiere mich für verschiedene Klangfarben.
Du nutzt ausgiebig und höchst erfolgreich die sozialen Medien. Ist dieses ständig der Kamera ausgesetzt zu sein am Ende nicht vielleicht doch eine Belastung?
Nein, denn ich benutze die sozialen Medien lediglich als ein Tool, um auch junges Publikum zu erreichen und es für die klassische Musik zu begeistern. Am Ende steht das Live-Konzert mit Klavierabenden und Orchestern im Fokus.
Was planst Du an weiteren Alben?
Das Thema meines nächsten Albums steht noch nicht fest. Ich freue mich jetzt vor allem auf schöne Konzerte, Klavierabende mit Werken von Bach, Beethoven, Liszt und Stücke aus dem 20. Jahrhundert, sowie auf Beethovens 4. Klavierkonzert.