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Andreas Tarkmann: « Meine Arrangements sollen niemals nach einer bearbeiteten Notlösung klingen »

Дата публикации: 05-09-2026 01:22:17

Maestro Tarkmann, was inspirierte Sie zu einem umtriebigen Arrangeur zu werden? Schon als junger Chorsänger im Knabenchor Hannover habe ich mich sehr für die verschiedenen Orchesterinstrumente und die Art und Weise, wie man sie notiert und einsetzt, interessiert. Ich bin ständig in die städtische Musikbibliothek gegangen und habe mir alles Wissenswerte angelesen und angehört. Rimsky-Korsakovs […]

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Andreas N. Tarkmann

Maestro Tarkmann, was inspirierte Sie zu einem umtriebigen Arrangeur zu werden?
Schon als junger Chorsänger im Knabenchor Hannover habe ich mich sehr für die verschiedenen Orchesterinstrumente und die Art und Weise, wie man sie notiert und einsetzt, interessiert. Ich bin ständig in die städtische Musikbibliothek gegangen und habe mir alles Wissenswerte angelesen und angehört. Rimsky-Korsakovs Instrumentation in seinem Orchesterwerk Scheherazade war dabei eine Art Schlüsselerlebnis für mich! Allerdings habe ich keine Ahnung, wieso mich gerade orchestrierte Partituren schon mit 8 Jahren so über alles faszinierten?! Ich nehme an, dass sich da bereits meine besondere Hochbegabung zeigte, schließlich gehöre ich auch zu den Menschen, die Farben ‘hören’ können, ich bin also ein Synästhetiker.

Was ist ihr wichtigstes Ziel beim Bearbeiten eines klassischen Musikwerks? Was muss dabei herauskommen?
Inzwischen beherrsche ich ja eine sehr große Palette an Arrangier- und Instrumentationstechniken, die es mir ermöglicht, etliche Werke zu bearbeiten, die sich für ein Arrangement kaum zu eignen scheinen. Ich selbst finde ein Arrangement nur dann wirklich gelungen, wenn es so wenig wie möglich ‘bearbeitet’ klingt. Neben einer musikalischen Vision für die Umarbeitungsmöglichkeiten eines Musikstücks, benötige ich als erfolgreicher Arrangeur eine Art siebten Sinn, um so eine Bearbeitung im Endeffekt ganz selbstverständlich wirken zu lassen. Das klingt einfacher, als es mitunter ist.

Wie wählen Sie die Kompositionen aus, die bearbeitet werden sollen? Oder werden vielleicht am häufigsten von anderen Musikern angefragt, etwas für Sie zu bearbeiten?
Entweder kommen die Musiker zu mir und beauftragen mich mit einer Bearbeitung, oft für ein bereits bestehendes Kammermusikensemble, oder Sie fragen mich um Rat, welches Werk sich für ihr Ensemble besonders gut bearbeiten ließe. Manchmal habe ich auch schon Ideen in petto, die ich vorschlagen kann. Neben der Musik kommt es bei guten Bearbeitungen auch darauf an, dass sie zum Charakter des ausübenden Künstlers passen. Anspruchsvolle Programme bzw. ganze Alben konzipiere und arrangiere ich nur für Künstler und Künstlerinnen, die ich gut kenne: ihre musikalischen Vorlieben wie auch ihre Stärken und Schwächen. Schließlich soll ein Arrangement im Endeffekt so gut passen wie ein persönlich angefertigtes Kleidungsstück.

Haben Sie auch schon Aufträge abgelehnt. Anders gefragt: Gibt es Musik, die Sie nicht bearbeiten wollen und warum?
Natürlich ist es vorgekommen, dass ich Aufträge abgelehnt habe: neben künstlerischen auch aus zeitlichen oder urheberrechtlichen Gründen. Ein anspruchsvolles Arrangement benötigt eine gewisse konzeptionelle Vorarbeit, ohne die man nicht zu einem überzeugenden Ergebnis kommt. Weiterhin muss – trotz Hilfe von Notationsprogrammen – auch noch Zeit für ein gutes, fehlerfreies Notenmaterial vorhanden sein. Und natürlich rate ich ab, wenn sich ein Bearbeitungswunsch beim besten Willen und Können nicht realisieren lässt, wie beispielsweis The Planets von Holst für Streichquartett… – Es kann aber auch sein, dass ich aus musikalischen, ästhetischen oder inhaltlich-politischen Gründen Schwierigkeiten mit einem Musikwerk habe. Da ist es dann besser, den Auftrag nicht anzunehmen. Auch noch bestehende Urheberrechte sind des Öfteren ein Grund dafür, ein Werk besser unangetastet zu lassen. Hier können komplizierte, juristische Verhandlungen die Lust und Freude an der Arrangierarbeit nachhaltig dämpfen.

Sie gelten als einer der besten Arrangeure der Welt. Wie sieht Ihr Erfolgsrezept aus?
Zum meinem Erfolgsrezept gehört sicherlich, dass meine Arrangements niemals nach einer bearbeiteten Notlösung klingen, sondern auch als Bearbeitung überzeugen. Hierbei versuche ich immer, die bearbeiteten Musikwerke aus einer anderen, mitunter überraschenden, aber nicht weniger interessanten Perspektive zu zeigen. Zum Erfolg meiner Bearbeitungen trägt weiterhin nicht unmaßgeblich bei, dass ich wirklich sehr gut für die jeweiligen Instrumente schreiben kann! Meine Partituren sind zwar anspruchsvoll, aber immer ohne unnötige Schwierigkeiten für die jeweiligen Instrumente spielbar. Hier zahlt es sich natürlich aus, dass ich als Oboist selber genügend Spielerfahrung in Orchestern und Kammermusikensembles sammeln konnte. Ich weiß, wie enervierend schlechte Instrumentationen auf die Musiker wirken.

Andreas N. Tarkmann

Was ist Ihnen letztlich wichtiger: Eigenkompositionen oder Bearbeitungen?
Die Mischung macht es. Das jahrelange Instrumentieren war für mich ein hervorragender Kompositionsunterricht, weil man bei einer Transformation eines Musikwerks doch sehr tief in die Arbeitsebenen der Originalkomposition ‘hinabsteigt’ und sie analysiert. Das dort Erfahrene hat mich immer wieder zu eigenen Kompositionen inspiriert. Letztlich arbeite ich als ein kreativer Arrangeur immer wie ein Semi-Komponist. Beide Anteile halten sich die Waage und beeinflussen sich gegenseitig.

Sie nehmen auch Rekonstruktionen oder Instrumentationen von unvollständig überlieferten Werken. Ist das schwieriger als eine Bearbeitung eines vollendeten Werks?
Solche Rekonstruktionen sind sehr spannend, weil ich mich als komponierender Bearbeiter (oder umgekehrt) sehr in die Klangwelt, den Personalstil, in die individuellen Kompositionstechniken und die zeitgemäße Instrumentation des jeweiligen Komponisten bzw. Komponistin hineindenken muss. Ich finde solche Aufgaben faszinierend, besonders wenn es sich um großartige Entdeckungen handelt, wie bei der vierten Symphonie von Emilie Mayer. Solche Rekonstruktionen kann man mit eigenen Kompositionen nicht richtig vergleichen, für die man ja noch seine ureigene Inspiration benötigt, die nicht immer gleich auf Knopfdruck funktioniert….

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