Niedrige Hämoglobin-Werte erhöhen laut einer neuen Studie die Sterberate. Der häufigste Grund für diese sogenannte Blutarmut ist Eisenmangel.
Niedrige Hämoglobin-Werte erhöhen laut einer neuen Studie die Sterberate. Der häufigste Grund für diese sogenannte Blutarmut ist Eisenmangel. Diesem lässt sich über Ernährung und Medikamente entgegenwirken.
Fast jeder Zehnte in Deutschland hat eine Blutarmut, also zu niedrige Hämoglobin-Werte. Bei Hämoglobin handelt es sich um den eisenhaltigen Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen, der für den Sauerstofftransport im Körper zuständig ist. Der häufigste Grund für Blutarmut, medizinisch Anämie genannt, ist Eisenmangel. Am häufigsten davon betroffen sind
Auch Vitamin-B-12- sowie Folsäuremangel können ursächlich sein.
Eine neue Studie von Forschern der University of Glasgow hat nun gezeigt, dass sowohl zu niedrige als auch zu hohe Hämoglobin-Werte mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden sind. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „Annals of Internal Medicine“ veröffentlicht.
Im Rahmen ihrer Studie gingen die Wissenschaftler um Erstautor Malek Ahmad der Frage nach, wie sich die Hämoglobin-Konzentration auf die Sterblichkeit bei Männern und Frauen auswirkt. Dafür untersuchten sie mehr als eine halbe Million Briten zwischen 37 und 73 Jahren, deren Gesundheitsdaten in der Datenbank UK Biobank hinterlegt waren.
Zur Einordnung der Hämoglobin-Werte orientierten sich die Forscher an der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie spricht von einer Blutarmut, wenn die Hämoglobin-Werte
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Ihren Hämoglobin-Wert können Sie ganz einfach bei Ihrem Hausarzt oder in einigen Apotheken bestimmen lassen. Die Hämoglobin-Werte sind Teil des kleinen und großen Blutbildes. Wenn Sie unter typischen Eisenmangel-Symptomen wie Müdigkeit, Schwäche oder Schwindel leiden, kann der Arzt eine Blutentnahme anordnen. Dann übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Wollen Sie Ihren Hämoglobin-Wert rein aus Interesse erfahren, müssen Sie dafür selbst aufkommen.
13,6 Jahre lang beobachteten die Wissenschaftler die Studienteilnehmer im Schnitt; 43.764 von ihnen starben in diesem Zeitraum. Das Forscherteam fand im Zuge seiner statistischen Analyse schließlich heraus, dass ein sehr niedriger Hämoglobin-Wert das Leben verkürzt.
Lag dieser mehr als 2 g/dl unter dem WHO-Grenzwert, betrug die 10-Jahre-Sterberate 12,5 Prozent. Die 10-Jahres-Sterberate bezieht sich auf den Prozentteil einer Gruppe von Menschen, die innerhalb dieser Zeitspanne sterben.
Bereits bei Werten, die nur bis zu 1g/dl über der WHO-Grenze lagen, war die Sterberate leicht erhöht (5,3 Prozent). Die Forscher sprachen bei Werten, die in diese Spanne fielen, von „Borderline-Anämie“.
„Das Risiko beginnt schon mit 'Borderline-Anämie' zu steigen, bevor das Hämoglobin unter den aktuellen WHO-Schwellenwert fällt“, sagte Erstautor Ahmad in einer Pressemitteilung der University of Glasgow.
Bei Personen, deren Hämoglobin-Wert zwischen 1 und 3g/dl über dem WHO-Grenzwert lag, war die Sterberate mit 4,5 Prozent hingegen am geringsten. Das bedeutet für
Neben niedrigen Werten ging auch ein zu hoher Hämoglobin-Wert von mehr als 4 g/dl über dem Grenzwert mit einem größeren Sterberisiko einher und betrug 5,7 Prozent. Die Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass erhöhte Hämoglobin-Werte sehr selten sind.
„Unsere Daten zeigen, dass das niedrigste Sterberisiko mit einem 'eindeutig normalen' Hämoglobin-Spiegel verbunden ist, der 1 bis 3 g/dl über der herkömmlichen WHO-Definition von Anämie liegt“, sagt Ahmad.
Allerdings wiesen die Forscher darauf hin, dass es sich bei der Analyse um eine Beobachtungsstudie handle und keine genauen Aussagen zur Ursache sowie Wirkung getroffen werden können.
Dennoch werfe die Studie die Frage auf, „wie gut diagnostische Grenzwerte, von denen viele vor Jahrzehnten festgelegt wurden, die Risiken widerspiegeln, denen die Menschen heutzutage ausgesetzt sind“, heißt es in der Pressemitteilung. So hatte die WHO den Grenzwert bereits 1958 beschlossen.
Zukünftige Studien müssten zeigen, ob ein im unteren Normbereich liegender Hämoglobinwert dabei helfen könne, behandelbare Grunderkrankungen zu erkennen und die Patientenversorgung zu verbessern.
Ein Eisenmangel, der Hauptgrund für niedrige Hämoglobin-Werte, geht mit verschiedenen Symptomen einher. „Fehlt das Spurenelement, nimmt die Lebensqualität einfach ab, man fühlt sich schwächer als früher, ist ständig abgespannt und müde“, sagt Professor Herbert Kellner zu FOCUS online.
Mögliche weitere Symptome können sein:
Ist die Blutarmut durch Eisenmangel sehr ausgeprägt, kann es schließlich bereits unter geringer Anstrengung zu Ohnmacht kommen.
Soweit sollte es jedoch keiner kommen lassen. Gehen Sie bei Verdacht auf Eisenmangel zum Arzt und lassen Sie mit einem Bluttest Ihre Eisenwerte überprüfen.
Bei einem leichten Eisenmangel ist es sinnvoll, erst mal auf eisenreiche Lebensmittel zu setzen. „Einfach pro Woche zweimal irgendein Fleisch zu essen, reicht jedoch nicht, es muss rotes sein“, erklärt Herbert Kellner.
Besonders eisenhaltig sind
In Hinblick auf Purin, Harnsäure und Gichtrisiko sollten sie jedoch nicht zu häufig auf dem Speiseplan stehen. Besser: Mageres Rindfleisch, zweimal pro Woche, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt.
Es gibt auch einige Gemüse- und Obstsorten, die genauso viel Eisen liefern, oft mehr als 6 Milligramm/100 Gramm, also durchaus vergleichbar mit einem Rindersteak. Die besten vegetarischen Eisenlieferanten:
Die Mengenangaben beziehen sich dabei auf das Trockengewicht.
Für Risikogruppen wie Vegetarier, Sportler und Frauen mit starker Menstruation können zusätzlich Eisenpräparate zum Einnehmen sinnvoll sein (orale Therapie). Es gibt die Produkte als Tabletten, Kapseln und Sirup.
Bei der Dosierung sollten Sie sich mit Ihrem Arzt absprechen, meist beginnt man mit einer Tagesdosis von 50 Milligramm Eisen. Hochdosierte Eisenpräparate dürfen nur nach ärztlicher Diagnose (Ferritin-Bestimmung) und unter Aufsicht eingenommen werden, da eine Überdosierung zu akuten Vergiftungen und Organschäden führen kann.