Mehr als ein zuckergesüßtes Getränk täglich war in einer Langzeitstudie mit einem 2,45-fach höheren Magenkrebsrisiko verbunden
Mehr als ein zuckergesüßtes Getränk täglich war in einer Langzeitstudie mit einem 2,45-fach höheren Magenkrebsrisiko verbunden. Bei künstlich gesüßten Getränken fanden die Forscher keinen vergleichbaren Zusammenhang.
Cola, Limonade oder Sportgetränke zählen zu den populärsten Getränken überhaupt. Umso auffälliger ist ein Befund aus zwei großen US-Langzeitstudien: Menschen, die mehr als ein zuckergesüßtes Getränk pro Tag konsumierten, erkrankten mehr als doppelt so häufig an Magenkrebs wie Menschen, die solche Getränke fast nie tranken. Bei Frauen fiel der Unterschied noch deutlicher aus: In der höchsten Konsumgruppe lag das Risiko etwa dreimal so hoch.
Für die Untersuchung wertete ein Team des Mass General Brigham Cancer Institute Daten von 112.284 Frauen und Männern aus. Ernährung, Lebensstil und Erkrankungen waren über Jahrzehnte erfasst worden. Im Beobachtungszeitraum erkrankten 278 Menschen an Magenkrebs.
Als zuckergesüßte Getränke erfassten die Wissenschaftler unter anderem
Künstlich gesüßte Getränke wurden separat betrachtet. Für sie fanden die Forscher keinen statistisch belegten Zusammenhang mit einer höheren Magenkrebsrate.
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Unter den Frauen zeigte sich ein noch stärkerer Zusammenhang. Teilnehmerinnen mit mehr als einem zuckergesüßten Getränk pro Tag hatten ein 3,04-fach höheres Risiko als Frauen, die solche Getränke nur sehr selten konsumierten. Auch bei Männern fanden die Wissenschaftler einen Zusammenhang.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
Die Forscher untersuchten zusätzlich die aufgenommene Menge an Fruktose. Sie ist einer der wichtigsten Zuckerbestandteile vieler gesüßter Getränke. Eine höhere gesamte Fruktoseaufnahme ging ebenfalls mit einer höheren Zahl von Magenkrebserkrankungen einher.
„Dies ist die erste Studie, die einen Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckergesüßter Getränke und Magenkrebs in der US-Bevölkerung nachweist“, sagt der leitende Autor Andrew T. Chan vom Mass General Brigham Cancer Institute. Zugleich verweist er auf eine Forschungslücke: „Magenkrebs ist weltweit die fünfthäufigste Krebstodesursache, aber wir wissen bisher nur sehr wenig darüber, welchen Beitrag die Ernährung zu dieser Krebsart leisten könnte.“
Eine bekannte Ursache für Magenkrebs ist eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Deshalb prüfte das Team bei einer Untergruppe von 940 Menschen, ob der Konsum zuckerhaltiger Getränke mit solchen Infektionen zusammenhing. Etwas mehr als ein Drittel der untersuchten Teilnehmer wies Hinweise auf das Bakterium auf.
Ein Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckergesüßter Getränke und einer Helicobacter-pylori-Infektion ließ sich jedoch nicht feststellen. Damit lässt sich der beobachtete Unterschied beim Magenkrebsrisiko zumindest anhand dieser Daten nicht durch häufiger auftretende Infektionen erklären.
Welche biologischen Vorgänge hinter dem Zusammenhang stehen, bleibt bislang offen. Die Forscher wollen deshalb weitere Untersuchungen durchführen. Sie sollen sowohl die Ergebnisse bestätigen als auch mögliche Mechanismen klären.
Auch die aktuelle Untersuchung kann nicht belegen, dass zuckerhaltige Getränke Magenkrebs verursachen. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Menschen mit hohem Softdrinkkonsum können sich auch in anderen Punkten von Menschen unterscheiden, die solche Getränke selten konsumieren.
Zwar berücksichtigten die Wissenschaftler zahlreiche Gesundheits- und Lebensstilfaktoren, unbekannte Einflüsse lassen sich dennoch nicht vollständig ausschließen.
Hinzu kommen Lücken bei mehreren bekannten Risikofaktoren. Angaben zu Helicobacter pylori lagen nur für einen kleinen Teil der Teilnehmer vor. Auch Informationen über familiäre Magenkrebserkrankungen waren begrenzt.
Die untersuchte Gruppe bestand zudem überwiegend aus weißen US-Amerikanern. Ob sich die Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen lassen, bleibt deshalb offen. Die große Teilnehmerzahl und die über viele Jahre regelmäßig erhobenen Daten erlaubten den Wissenschaftlern allerdings, zahlreiche andere mögliche Einflussfaktoren statistisch zu berücksichtigen.
Von Anne Bajrica