Gemeinsame Freundschaftsbekundungen sind für die deutsch-französische Beziehung wichtig. Noch wichtiger ist es, bei entscheidenden Projekten an einem Strang zu ziehen.
Meinung | Saarbrücken/Paris · Gemeinsame Freundschaftsbekundungen sind für die deutsch-französische Beziehung wichtig. Noch wichtiger ist es, bei entscheidenden Projekten an einem Strang zu ziehen.
10.10.2026 , 09:22 Uhr
Macron und Steinmeier zelebrierten in Paris die deutsch-französische Freundschaft.
Foto: AFP/LUDOVIC MARINSeite an Seite vor den Kameras haben Macron und Steinmeier dessen Staatsbesuch in Frankreich genutzt, um eine klare Botschaft in die Welt zu schicken: Zwischen uns passt kein Blatt Papier. Doch stimmt diese Aussage über das mehr als zehn Jahre gewachsene Vertrauensverhältnis zwischen beiden Staatsmännern auch für die beiden Länder? Nicht in jedem Punkt. Zwar teilen Deutschland und Frankreich gemeinsame, übergeordnete Ziele, in der Praxis sind deren Umsetzung aber nicht immer frei von Kontroversen. Das zeigen die unterschiedlichen Ansichten in der Energiepolitik oder die gescheiterte Kooperation beim Kampfflugzeug FCAS.
Eines haben Steinmeier und Macron während des Staatsbesuchs zu Recht betont: Wenn Europa weiterkommen will, braucht es Impulse vom deutsch-französischen Duo. Kommen sich Deutschland und Frankreich bei wichtigen Vorhaben in die Quere, laufen europäische Projekte nur noch schleppend. Das bekommen nicht zuletzt auch Grenzgebiete wie das Saarland zu spüren.
Angesichts der weltweiten Lage, die immer unberechenbarer wird, können wir uns aber kein schleppendes Tempo mehr leisten. Egal ob Industriepolitik, Klimaschutz, Digitalisierung oder Verteidigung: Ein handlungsfähiges Europa wird jetzt gebraucht, dafür müssen Deutsche und Franzosen die Reihen schließen. Das Fundament dazu haben beide Länder über Jahrzehnte errichtet. Darauf müssen sie sich immer wieder besinnen, wie es Macron und Steinmeier fordern. Hoffentlich ist es dafür nicht zu spät. Denn trotz aller Meinungsverschiedenheiten war und ist Macron nach wie vor ein überzeugter Europäer. Ob sein Nachfolger das auch sein wird, steht heute noch nicht fest. Gerade aber wir im Saarland brauchen einen weiteren überzeugten Europäer im Elysee-Palast.