Als Schüler kam er ins Saarland, später eröffnete er eine Pizzeria im Neunkircher Weg in St. Ingbert. Vincenzo Testa betrieb das „Don Vincenzo“ 33 Jahre lang – bis vor wenigen Tagen. Wie der 82-Jährige die neugewonnene Freizeit nutzen will.
St. Ingbert · Als Schüler kam er ins Saarland, später eröffnete er eine Pizzeria im Neunkircher Weg in St. Ingbert. Vincenzo Testa betrieb das „Don Vincenzo“ 33 Jahre lang – bis vor wenigen Tagen. Wie der 82-Jährige die neugewonnene Freizeit nutzen will.
13.10.2026 , 13:00 Uhr
Vincenzo Testa betrieb 33 Jahre lang die Pizzeria „Don Vincenzo“ in St. Ingbert. Jetzt zieht es ihn und Aurelia Ciceu wieder zurück nach Sizilien. Allerdings nur, um Urlaub zu machen.
Foto: Peter GaschottVincenzo Testa hatte einen streng religiösen Vater. Der wollte eigentlich, dass der Sohn Priester wird. Doch der junge Vincenzo hatte ganz anderes im Sinn. Nachdem die Familie aus dem sizilianischen Enna nach St. Ingbert umgesiedelt war, begann für ihn die Zeit der Arbeit. Er lernte drei Jahre lang Maurer, arbeitete dann bei der hiesigen Baufirma Hellenthal. Später wechselte er den Beruf – er wurde Kraftfahrer und steuerte schwere Lastwagen bei einer Homburger Spedition. In seiner Freizeit stand er regelmäßig am Herd. Am eigenen, denn Kochen war sein Hobby, aber auch an den Öfen einiger Italiener, die ihre Pizzerien betrieben. Vincenzo war stets ein willkommener Koch, wenn es an Personal mangelte. So reifte allmählich der Entschluss, selbst eine Pizzeria zu betreiben.
Am Eingang zum Neunkircher Weg von der Lauerswiese her gab es bis in die Neunzigerjahre das Café und Bierlokal „Emich“. Es schloss 1993, und Vincenzo Testa sah seine Chance, seine Restaurantpläne umzusetzen. Er mietete das Lokal, um es als kleine, authentische Pizzeria zu betreiben. Dass das Restaurant von Anfang an großen Erfolg hatte, das liegt zweifellos an der Person des Wirtes. Mit südländischem Temperament und einer ordentlichen Portion Humor ging er seine Aufgabe an, und er pflegte den Kontakt zu den St. Ingbertern. Immer etwas spitzbübisch, immer seine Heimat hochhaltend trat er auf.
Stand er nicht am eigenen Herd, flanierte er in der Innenstadt, wo viele aus Italien stammende St. Ingberter den Ersatz für die heimatliche „Piazza“ gefunden haben. Damals saß Vincenzo auch oft bei seinem gastronomischen Nachbarn, das war damals der „Mühlwald-Willi“, der gleich um die Ecke die „Mühlwaldschenke“ betrieb. Dort saß man irgendwann am Tisch zusammen, Pfarrer Mohrbach und Wirt Willi Kleine sinnierten über den gewitzten Sizilianer – hier wurde „Don Vincenzo“ geboren, in Anlehnung an den damals noch omnipräsenten Leinwandhelden Don Camillo. Vincenzo Testa fasste diesen Vergleich als Ehre auf. „Don Vincenzo“ wurde der Name seines Restaurants. Ergänzt mit der sizilianischen Triskele und den Flaggenfarben Siziliens entstand das Logo des Restaurants. Sizilianisch ging es auch auf der Karte zu. Vincenzo kochte die traditionellen Pastagerichte, und auch die Pizzen waren authentisch. Das Lokal im Neunkircher Weg füllte sich zuverlässig.
Doch jetzt, mit 82, wirkt Vincenzo etwas müde. Er will zurück in die sizilianische Heimat, wenn auch nur in einen ausgiebigen Urlaub. „Wenn ich das jetzt nicht mache, dann schaffe ich es vielleicht nie mehr“, sagt er. Obwohl der Abschied von seinem Restaurant sehr, sehr schwerfällt. Erst recht, nachdem er zum Kehraus eingeladen hatte, bei dem über 100 Stammgäste bis in den nächsten Morgen mit ihm feierten. Ja, er will wieder zurück nach St. Ingbert. In der Blieskasteler Straße hat er ein Haus, und schließlich warten fünf Enkel und zwei Urenkel auf Vincenzo. Aber vorher geht es nach Enna, in die höchstgelegene Bergstadt Siziliens, wo er ein eigenes Haus hat. Zusammen mit Lebensgefährtin Aurelia Ciceu wird er dort eine Weile bleiben, bevor man ihn wieder in der St. Ingberter Fußgängerzone flanieren sehen wird. (nbo/nlk)