Das Bistro „Krempels“ in St. Ingbert ist nach nur zehn Monaten wieder geschlossen. Warum die Gäste ausblieben, welche Kosten den Betreiber unter Druck setzten und wie es nun weitergeht.
St. Ingbert · Das Bistro „Krempels“ in St. Ingbert ist nach nur zehn Monaten wieder geschlossen. Warum die Gäste ausblieben, welche Kosten den Betreiber unter Druck setzten und wie es nun weitergeht.
13.10.2026 , 12:00 Uhr
Wieder einmal bleiben die Türen des „Krempels“ in St. Ingbert geschlossen: Am ersten Oktobersamstag kam für das Kultlokal in der Seyenstraße das Aus. Hinter dem Bistro liegt zuletzt eine bewegte Zeit. Das war nicht immer so. Als der damalige Wirt Peter Potdevin die Gaststätte mit französischem Flair führte, brummte das Geschäft. Er sorgte lange Jahre für ausgebuchte Tische und lange Wartelisten. Gesundheitliche Gründe zwangen ihn zur Aufgabe. Nachdem Oliver Muskalla 2022 das Gebäude gekauft und selbst betrieben hatte, folgte im Sommer 2023 dann eine Nachfolgerin als Pächterin. Auch die hielt sich nicht lange. Im Januar dieses Jahres schließlich eröffnete der Gastronom Ben Schäfer das „Krempels“ neu. Zuvor hatte er auf Sylt im „Gosch“ als Betriebsleiter gearbeitet. Gehobene Bistroküche sollte es werden, die seinen Betrieb langfristig tragen sollte. Nun ist auch damit schon wieder Schluss.
Die St. Ingberter freuten sich, als Schäfer das „Krempels“ im Januar eröffnete. Seine Speisekarte reichte von der bodenständigen Küche, die von den Rezepten seiner Großmutter lebte, bis zu Fisch und Meeresfrüchten in vielerlei Varianten. Seine Sylter Vergangenheit wollte und konnte der gebürtige Nordsaarländer nicht leugnen. Vielen Gästen allerdings kam die Karte zu experimentell daher, sie hätten sich mehr „Mainstream“ – also Massengeschmack – auf der Karte gewünscht. So flachte der anfängliche Ansturm merklich ab. Für Schäfer begannen damit die Probleme, die er schließlich nicht überwinden konnte.
Ben Schäfer eröffnete erst im Januar das „Krempels“ in der St. Ingberter Seyenstraße. Nun ist damit schon wieder Schluss.
Foto: Saarbrücker Zeitung/Peter GaschottSchäfer selbst ist kein Koch. Deshalb war er auf qualifizierte Mitarbeiter angewiesen. Gleich zwei Köche hatte er in den zehn Monaten des Betriebs, wobei einer von ihnen dem Lokal großen Schaden zugefügt habe, so Schäfer. Doch damit wäre er klargekommen, wäre die Kostensituation im „Krempels“ eine andere. „Mir sind die laufenden Kosten völlig aus dem Ruder gelaufen“, fasst Schäfer zusammen. Für Miete, Strom und Heizung musste er rund 5.000 Euro aufbringen. Darüber hinaus musste er 26 Aushilfen und eine Teilzeitkraft bezahlen. In Technik, Küchenmobiliar und Bistroeinrichtung investierte er einen fünfstelligen Betrag.
Anfangs lief das „Krempels“ recht gut und war an sechs Tagen wöchentlich mittags und abends geöffnet. Später dann nur noch an fünf Tagen. Kurz danach stellte Schäfer den Mittagsbetrieb ein. Die Auslastung am Mittag habe sich für ihn nicht gerechnet, erzählte er damals. Auch am Abend gingen die Gästezahlen zurück. Die Kosten liefen weiter.
„Ich habe mit dem Hauseigentümer über ein Entgegenkommen verhandelt. Da kam aber nichts“, kritisiert Schäfer. Er hat einen mehrjährigen Mietvertrag. Nun befürchtet er, dass er mit seinem Vermieter nicht ohne Rechtsstreit auseinandergehen werde. Der wiederum will sich nicht zu Zahlen äußern, bescheinigt seinem Mieter aber, dass „man sich auf ihn verlassen konnte, er hat alles im ‚Krempels‘ topsauber und in Ordnung gehalten“.
Was aus dem Bistro nun werden soll, darüber habe Muskalla sich noch keine Gedanken gemacht. Schäfer berichtet, dass er einen Großteil der noch vorhandenen Lebensmittel für kleines Geld an Einrichtungen gegeben habe, die Geflüchtete betreuen. Sein Mobiliar werde er in den kommenden Tagen abtransportieren. Wobei er noch ein weiteres Problem hat: Er wohnt im „Krempels“ und sucht nun händeringend eine neue Bleibe. (nlk/nbo)
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