Вход на сайт

Просмотр новости

Найдите то, что Вас интересует

Gemeinde und Veranstalter schließen Vergleich: Zukunft von Anti-Nazi-Festival "Jamel rockt den Förster" gesichert

Дата публикации: 17-07-2026 09:31:08

Trotz Gegenwind aus Gemeinde und Landkreis: Die seit Jahren von renommierten Künstlern begleitete Veranstaltung "Rockt den Förster" im mecklenburgischen Jamel kann nicht nur in diesem Jahr, sondern auch in den Folgejahren stattfinden. 

Основное содержимое страницы с новостью.

Trotz Gegenwind aus Gemeinde und Landkreis: Die seit Jahren von renommierten Künstlern begleitete Veranstaltung "Rockt den Förster" im mecklenburgischen Jamel kann nicht nur in diesem Jahr, sondern auch in den Folgejahren stattfinden.
 

Über diese gerichtliche Einigung dürfte ein gewisser Sven Krüger vermutlich nicht erbaut sein: Krüger ist laut Wikipedia ein "bundesweit bekannter" und bekennender, mehrfach vorbestrafter Neonazi. Sein Beruf ist Abrissunternehmer, und am liebsten würde er wohl auch das, was seit Jahren auf dem Grundstück seiner Nachbarn stattfindet, buchstäblich "dem Erdboden gleichmachen". 

Dort nämlich, im Garten des Künstler-Ehepaars Birgit und Horst Lohmeyer, findet seit 2007 das beliebte Anti-Nazi-Festival "Jamel rockt den Förster" statt. Es ist eine der populärsten Musikveranstaltungen gegen Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern und wird regelmäßig von der Ministerpräsidentin des Bundeslandes als Schirmherrin (mit-)eröffnet. Auf dem Gelände finden sich zahlreiche Stände zivilgesellschaftlicher Gruppen und Gewerkschaften, die über den Kampf gegen Rechtaußen informieren. Dem Musikprogramm vorgelagert finden dort Workshops gegen Rechtsextremismus statt. 

Das Besondere an dem Veranstaltungsort ist: Krüger ist nicht der einzige rechtsextreme Nachbar. Vielmehr ist das  Grundstück der Lohmeyers umgeben von rechtsextremen Nachbarn. Seit 1990 gilt das Dorf Jamel in der Gemeinde Gägelow als Hochburg der rechtsextremen Szene. Von Neonazis ist das Dorf gezielt als "nationalsozialistisches Musterdorf" besiedelt worden. Eine ARD-Doku aus dem Jahr 2024 schildert die Umstände vor Ort eindrucksvoll.

Dass auf dem Festival für die rund 3.000 Besuchenden auch Musik dargeboten wird – darunter immer wieder namhafte Künstler wie die Toten Hosen, Danger Dan, Element of Crime, Herbert Grönemeyer, die Ärzte oder Kraftklub - soll jedenfalls nicht im Vordergrund stehen. Deshalb wird das musikalische Line-up von Jamel rockt den Förster bis zum jeweiligen Auftritt regelmäßig geheim gehalten. Schließlich soll es um die Sache gehen, nicht um den Besuch bei einem Auftritt der Lieblingsband.

Scheune abgebrannt, Autoreifen zerstochen

Das Ehepaar Lohmeyer übernahm den Forsthof 2004. In den Folgejahren zogen mehrere Familien aus der rechtsradikalen Szene nach Jamel und begannen, das Dorf nach ihrem völkischen Ideal zu prägen, Andersdenkende zu drangsalieren und zu verfolgen. Mutmaßlich rechtsextremen Tätern war das Festival immer ein Dorn im Auge. Kurz vor Beginn der Veranstaltung im August 2015 wurde auf dem Hof der Lohmeyers eine Scheune abgefackelt, 2016 wurden Autoreifen von Teilnehmern zerstochen.

Trotz dieser Umstände ließen sich die Lohmeyers nicht einschüchtern und sorgten mit viel Unterstützung und Zuspruch auch namhafter Künstler und Vertretern demokratischer Parteien dafür, dass die Veranstaltung auf ihrem idyllischen Gelände weiter stattfinden konnte. Ernsthafte juristische Hürden für die Durchführung bestanden dabei zunächst nicht. Mit der Gemeinde Gägelow, zu der das Dorf Jamel gehört, verständigte man sich vertraglich regelmäßig über die kostenfreie Nutzung der im Gemeindeeigentum liegenden umliegenden öffentlichen Flächen. Diese werden unter anderem als Parkplätze für Rettungsdienste und Bands, und als Standort für sanitäre Anlagen benötigt. Ohne eine Betretungsmöglichkeit der Grundstücke jedenfalls ist die Durchführung des Festivals ausgeschlossen.

Was also bis 2024 reibungslos funktionierte und im Wege von Nutzungsverträgen zwischen der Gemeinde und den Lohmeyers bzw. dem die Veranstaltung tragenden Verein regelmäßig "wasserdicht" gemacht wurde, änderte sich schlagartig im Jahr 2025. Plötzlich wollte die Gemeinde, in deren Rat auch der Rechtsextremist Krüger und ein weiterer Neonazi sitzen, für die Nutzung der öffentlichen Flächen ein Nutzungsentgelt in Höhe von fast 8.000 Euro haben. Beschlossen worden war dies im Gemeinderat in einer nichtöffentlichen Sitzung am 28. Februar 2025.

Rechtsstreit eskalierte 2025

Seit dieser Entscheidung gilt das Verhältnis zwischen den Lohmeyers bzw. dem das Festival ausrichtenden Verein GFS – Gemeinsam für Frieden und Solidarität e.V.  – und der Gemeinde als hochgradig zerrüttet. Wie LTO ausführlich berichtet hatte, stand das Festival im Jahr 2025 wegen diverser Rechtsstreitigkeiten lange auf der Kippe. Weil die Veranstaltung juristisch als öffentliche Versammlung gilt, schaltete sich auch der Landkreis Nordwestmecklenburg als Versammlungsbehörde ein.

Deren CDU-Landrat versuchte, der seit Jahren durchweg friedlich und gewaltfrei ablaufenden Veranstaltung mit absurd harten Auflagen, wie etwa einem kompletten Alkoholverbot auf dem Gelände, den Garaus zu machen. Erfolglos. Am Ende erlaubte das Oberverwaltungsgericht Mecklenburg-Vorpommern, dass die Besuchenden wie in den Vorjahren auch zur Musik ihr Bier trinken dürfen. Das Festival könnte stattfinden, wenn auch unter Auflagen.

Die Nutzungsgebühr an die Gemeinde hatten die Veranstalter aber 2025 nur unter Vorbehalt der Rückzahlung und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht gezahlt. Von Anfang an machten sie und das Team um den renommierten Berliner Rechtsanwalt Johannes Eisenberg klar, dass man es im Lichte von Art. 8 Grundgesetz (GG) nicht für legitim erachte, dass für die Nutzung einer im öffentlichen Eigentum befindlichen Fläche ein Entgelt zu zahlen sei. Zwar sei die Summe von knapp 8.000 Euro finanziell, z.B. durch Spenden oder Einnahmen auf dem Festival, eigentlich zu schultern. Es ginge aber ums Prinzip, und wer garantiere den Lohmeyers, dass sie in den Folgejahren nicht mit einer wesentlich höheren Summe "erpresst" würden.

Bürgermeisterin: "Wir sind nicht gegen das Festival"

Die 3.Kammer des VG Schwerin am Donnerstag vor SitzungsbeginnDer Streit um die Pacht beschäftigte somit vergangenes Jahr im Eilverfahren und jetzt in der Hauptsache das Verwaltungsgericht (VG) Schwerin. Am Donnerstag kam es dort nun zum "Showdown". In einer mehrstündigen mündlichen Verhandlung ging es zwar im Wesentlichen um das Entgelt für 2025, aber wegen zusätzlich anhängig gemachter Anträge seitens der Veranstalter letztlich auch darum, unter welchen Bedingungen Jamel rockt den Förster auch in diesem und in den Folgejahren stattfinden kann.

Die zuständige 3. Kammer des VG unter Vorsitz ihres stellvertretenden Vorsitzenden Ingbert Kellner wies dabei in einem ausführlichen Rechtsgespräch darauf hin, dass es für die Erhebung einer Pacht im Grunde auch bei einer Einordnung des Festivals als von Art. 8 GG politische Versammlung unter freiem Himmel keine rechtlichen Bedenken begegnen dürfte. Kellner verwies auf die knappen Kassen klammer Kommunen, sodass es legitim sein könne, für Veranstaltungen auf nicht öffentlich gebrauchten Gemeindeflächen ein Entgelt zu verlangen. Dieses dürfe nicht unangemessen sein und jedenfalls nicht “prohibitiv” wirken. Es dürfe also nicht geeignet sein, Menschen davon abzuhalten, von ihrem Versammlungsrecht Gebrauch zu machen. 

Gägelows Bürgermeisterin Christina Wandel, die laut Ostseezeitung den Ruf genießt, die Gemeinde wie ihr kleines Königreich à la Ludwig XIV. zu führen, wies in der Verhandlung darauf hin, dass die Gemeinde auch für andere Nutzer von Gemeindeflächen eine Nutzungsgebühr fordere. "Wir sind nicht gegen das Festival", beteuerte Wandel gegenüber dem Gericht. Man bestehe aber auf einem Nutzungsentgelt.

Vergleich: Weniger Pacht, auch in den Folgejahren

Obwohl es am Anfang der mündlichen Verhandlung alles andere als danach aussah, dass zwischen dem auf Rückzahlung der Pacht klagenden Verein und der Gemeinde das juristische Kriegsbeil begraben werden könnte, gab es nach einer Sitzungsunterbrechung am Nachmittag die Wende: Beide Parteien verständigten sich auf eine geringere Nutzungsgebühr in Höhe von rund 5.000 Euro für das vergangene Jahr und auch "für die Folgejahre", wie es wortwörtlich im Vergleichstext heißt. Auf diese, in die Zukunft gerichtete Formulierung hatte Festival-Anwalt Eisenberg besonderen Wert gelegt. 

Tatsächlich dürfte damit einigermaßen sichergestellt sein, dass Jamel rockt den Förster auch in Zukunft – und ohne juristische Scharmützel mit der Gemeinde – stattfinden kann. Jedenfalls ist der Rechtsstreit (Az. 3 A 1316/25 SN) und damit ebenso wie bereits anhängige Rechtsstreite über die Nutzung des Grundstücks im laufenden Jahr 2026 durch gerichtlichen Vergleich seit Donnerstag erledigt.

Landtagswahl im Fokus

Die Veranstalter, aber auch die potenziellen Besuchenden von Jamel rockt den Förster können also aufatmen. Zumal die Planungen für das Festival in diesem Jahr längst in vollem Gange sind. Ticketinteressenten durften bereits ihre Bewerbung abgeben, am kommenden Sonntag findet eine Verlosung statt, die rund 3.000 Tickets sind heiß begehrt. 

Im Vergleich zu den Vorjahren erwartet die Teilnehmenden dann übrigens eine gewichtige Änderung. Wegen der anstehenden Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September wurde das Festival erstmals von August in den September verlegt (4./5.9.). Auch das Musikprogramm findet diesmal nur in den Abendstunden statt. Stattdessen bieten sich für die Teilnehmenden deutlich mehr Gelegenheiten, sich auf dem Festival-Gelände politisch, z.B. in Workshops, zu engagieren. 

Den Grund dafür nennt der Veranstalter auf seiner Website: “In MV wird in diesem September der Landtag neu gewählt und in der allgemeinen politischen Gemengelage in Deutschland braucht es noch deutlich mehr Vernetzung und Empowerment der Zivilgesellschaft. Das wollen wir gern forcieren.”

Zitiervorschlag

Gemeinde und Veranstalter schließen Vergleich: . In: Legal Tribune Online, 17.07.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/60461 (abgerufen am: 17.07.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag

Схожие новости

#Наименование новостиТональностьИнформативностьДата публикации
1 ZDF lädt Rapper Danger Dan aus: Wirklich ein "Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit"? 0817-07-2026
2Einstweilige Anordnung für Marktfestsetzung: Wann der Antrag scheitert0501-05-2026
3[club98509150|Лётчик Фестиваль 2026]: рок-дача в 2 часах от Москвы 7–9 ...5717-07-2026
4Власти Тверской области решили не проводить в регионе фестиваль "Нашествие" в 2021 году0002-10-2020
5Рок-фестиваль "Нашествие" станет костюмированным0001-08-2019
6Klausel zur Rückerstattung bei Festival-Absagen: Wann Sie Ihr Geld zurückbekommen0705-06-2026
7Rückerstattung für Tickets: Wie bekomme ich mein Geld zurück?0519-05-2026
8На рок-фестивале "Чернозем" в Тамбове выступит Эмир Кустурица0028-02-2020
9Фестиваль "Нашествие" в этом году в Тверской области не состоится0011-06-2020

Классификация: Культура. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 9. Тональность: 5. Информативность: 7. Источник: www.lto.de.