Nach monatelanger künstlicher Ernährung kämpft Emil um Normalität am Esstisch. Welche Erfolge die Familie dank Unterstützung aus der Region erlebt.
Stand: 30.06.2026, 17:12 Uhr
Von: Marie Enßle

Nach monatelanger künstlicher Ernährung kämpft Emil um Normalität am Esstisch. Welche Erfolge die Familie dank Unterstützung aus der Region erlebt.
Wäschenbeuren. Emil Blessing wiegt bei seiner Geburt nur 480 Gramm, etwa so viel wie ein großer Apfel. Das extreme Frühchen kommt in der 24. Schwangerschaftswoche per Not-Kaiserschnitt zur Welt. Aber der kleine Junge kämpft sich ins Leben. Die ersten fünf Monate verbringt Emil in Krankenhäusern. Immer wieder steht es Spitz auf Knopf. Seine Eltern Miriam (40) und Florian Blessing (38) sind an seiner Seite.
Beatmungsgerät und SondeEine Infektion kostet ihn beinahe das Leben. Neun Monate lang erhält er Atemunterstützung, weil die Lunge Probleme bereitet. Ernährt wird er über eine Sonde. Viele Infekte plagen ihn in den ersten Lebensjahren. Das Beatmungsgerät ist ständiger Begleiter. Aber Emil meistert den schwierigen Start. Heute ist der kleine Junge viereinhalb Jahre alt und besucht einen Kindergarten für Kinder mit und ohne Beeinträchtigung in Bettringen.
Dauerproblem: EssenDauerproblem ist das Essen, vermutlich weil er lange Zeit künstlich ernährt wurde. Esstherapien in Kliniken bringen nicht den gewünschten Erfolg. Viel Hoffnung setzten Miriam und Florian Blessing in eine spezielle Online-Esstherapie. "Emil kann während dieser Therapie zuhause bleiben und muss nicht wieder in die Klinik", nennt Miriam Blessing einen Vorteil. Nachteil? Die Krankenkasse bezahlt diese Therapieform nicht, die mehrere Tausend Euro kostet.
Magensonde – und was dann?Unter einer Sondendependenz versteht man die Unfähigkeit eines Kindes, nach einer medizinisch notwendigen Sondenernährung wieder selbstständig zu essen. Obwohl die Kinder eigentlich essen könnten, verweigern sie die Nahrungsaufnahme. Durch die Abneigung gegen Nahrung, häufiges Erbrechen und Übelkeit kann sich kein lustvolles Essverhalten entwickeln.
Betroffene Familien befinden sich dabei in Situationen, in denen das Kind mit Sonde kein normales Essverhalten zeigt und ohne Sonde nicht ausreichend ernährt werden kann. Gezielte Therapien sollen den Familien helfen. Die Therapeuten sind bei Mahlzeiten dabei, werten Nahrungsprotokolle aus und unterstützen bei der Nahrungsaufnahme.
Konzert ist ein ErfolgDeshalb gab's im November 2025 ein Benefizkonzert in Mögglingen zugunsten des zarten Jungen, das auch die Gmünder Tagespost beworben hat. Der Abend wird ein voller Erfolg. Emil ist im Glück, darf sogar kurzzeitig ans Schlagzeug sitzen und mitmachen. Die Mögglinger TV-Halle ist brechend voll, viele Gäste aus der Umgebung kommen, um der Musik zu lauschen, mehr über Emil zu erfahren und Geld zu spenden.
Therapie startetKurze Zeit später startet die Therapie, denn die Blessings bekommen das Geld dank der vielen Spenden zusammen. Emil besucht währenddessen die Kita. Zuhause isst er mit seiner Familie am Tisch. Online zugeschaltet isst eine Therapeutin mit. Sie gibt den Eltern Tipps und sorgt für einen entspannteren Umgang mit dem Thema. Kurze Zeit später möchte Emil im Kindi mit den anderen essen. Die Sonde kommt nur noch selten zum Einsatz. Die Therapeutin steht den Eltern telefonisch zur Verfügung, zuhause klappen die Mahlzeiten alleine. "Es läuft unglaublich gut", freut sich Miriam Blessing. Emils Speiseplan sei zwar nicht sehr abwechslungsreich. Suppe, Joghurt oder Milch gingen zum Beispiel gar nicht. "Aber er liebt Pommes und Schnitzel", erzählt die Mutter. Hoch im Kurs sind Schupfnudeln und Gnocchi.
Neuer AbschnittEltern wünschten sich zwar eine ausgewogene Kost. Aber sie seien froh, dass Essen nach und nach zu etwas Normalem werde. Die Therapie sei ein voller Erfolg gewesen. Emil nimmt stetig zu, die Infekte werden weniger. "Wir essen mit mehr Genuss, Emil probiert viel mehr aus", findet Miriam Blessing. Vom Spezialkindi ist der Vierjährige nun in eine Kita gewechselt, in der Kinder mit und ohne Beeinträchtigung aufgenommen werden. "Emil muss sich noch an die größere Gruppe gewöhnen", sagt Miriam Blessing. Aber er werde immer lebhafter. Kognitiv sei Emil fit, grob- und feinmotorisch müsse er noch aufholen.
Emil trägt die Sonde nochDas Sauerstoffgerät steht bereit, sei aber seit Monaten nicht mehr im Einsatz. "Ein toller Zwischenschritt", freuen sich die Eltern. Die Sonde trägt Emil noch. Manchmal bekomme er darüber Vitamine, aber keine Nahrung. Die Familie freut sich riesig, dass die Therapie so gut funktioniert hat, und bedankt sich bei allen für die Unterstützung. "Manchmal stürmt Emil in die Küche und fragt, was es gibt, weil er Hunger hat", berichtet die Mama und kann ihr Glück kaum fassen. Für andere Eltern sei das normal, für sie eine große Freude und ein kleines Wunder. Marie Enßle