Im „Garten der Begegnung“ lernen Kinder und Familien, wie Gemüse wächst – und entdecken dabei die Vielfalt der Natur direkt vor Ort.
Stand: 28.06.2026, 09:00 Uhr

Im „Garten der Begegnung“ lernen Kinder und Familien, wie Gemüse wächst – und entdecken dabei die Vielfalt der Natur direkt vor Ort.
Schorndorf-Miedelsbach. Zwischen dichtem Grün, summenden Insekten und verschiedenen Gemüsebeeten dauert es nicht lange, bis klar wird: Dieser Ort ist weit mehr als nur ein Garten. Hier im Miedelsbacher „Garten der Begegnung“ können Kinder auf ganz praktische Weise entdecken, wie Lebensmittel eigentlich entstehen. Sie erleben direkt, dass Gemüse nicht einfach im Supermarkt-Regal wächst, sondern Zeit, Pflege, Erde und Geduld braucht.
Joscha (5) und sein Bruder Janno (3) stehen an diesem Nachmittag vor den Zuckerschoten. Für die beiden ist das hier ganz eindeutig die schönste Ecke des Gartens – eine Art natürliche Naschstation unter freiem Himmel. Während ihre Mutter Annika Wilms (38) ein paar Schritte weiter durch die Beete streift, pflücken die Brüder begeistert eine Schote nach der anderen.
Ernten in der kleinen grünen OaseMit dem Fahrrad ist Annika Wilms aus Rudersberg hergeradelt. Der Weg zu den Gemüsebeeten nach Miedelsbach – „hier sind wir auf jeden Fall einmal pro Woche“, erzählt sie. Mit „hier“ meint sie den „Garten der Begegnung“ – eine kleine grüne Oase. Auf der Fläche von Moritz Peitsch, der die Marktgärtnerei „Miedelsbacher Gartengemüse“ aufgebaut hat und sich dem Gemüse- und Obstanbau verschrieben hat, verbringt sie ihre Zeit besonders gerne. Nicht nur, weil sie selbst gerne an der frischen Luft ist und gärtnert, sondern auch, weil sie als Selbsternte-Abonnentin (seit Sommer 2025) regelmäßig frisches Gemüse mit nach Hause nehmen kann. Dass ihre Kinder dabei ganz nebenbei lernen, wie Lebensmittel wachsen, macht das Ganze für sie umso wertvoller. Besonders schön findet sie dabei, dass sie ihre beiden Söhne überhaupt nicht erst motivieren muss. „Ich brauche die Kinder gar nicht zu überreden mitzukommen“, erzählt sie schmunzelnd. „Die beiden sind so neugierig, dass sie eigentlich von ganz allein hierher wollen.“

Und zu entdecken gibt es einiges: Die ersten Gurken hängen bereits an den Pflanzen, daneben wachsen Kohlrabi, Rote Bete, Büschel Petersilie, verschiedenste Kräuter, zahlreiche Salate – und bald werden auch die kräftig wachsenden Tomaten erntereif sein. Die Brüder allerdings haben längst ein anderes Ziel ausgemacht: schnurstracks geht es zu den Zuckerschoten neben dem Bauwagen. Auf die Frage, warum ausgerechnet diese so beliebt seien, muss Joscha nicht lange überlegen: „Weil ich die direkt in den Mund schieben kann“, sagt er lachend. Auch Janno ist so eifrig beim Pflücken gewesen, dass die geernteten Schoten gerade noch in seine kleinen Hände passen.
Auf Moritz Peitsch und dessen Gemüseanbau-Philosophie wurde Annika Wilms durch Werbung aufmerksam. Sein Projekt basiert auf regenerativem Gemüseanbau, auch als Market Gardening bekannt. Auf seinem Feld in Miedelsbach setzt er auf besonders achtsame Bewirtschaftung. Sein Konzept ermöglicht den Abonnenten maximale zeitliche Flexibilität, absolute Frische und die Freiheit, selbst zu entscheiden, welche Kulturen und welche Mengen sie ernten möchten.
Die Vielfalt ist kaum zu übertreffenGerade für Kinder sei dieser direkte Zugang unbezahlbar, findet Annika Wilms. „Für die Kinder ist es unglaublich spannend zu beobachten, was ausgesät wird und was später daraus entsteht. Oft entdecken sie dabei sogar schon Dinge, bevor ich sie sehe“, erzählt die zweifache Mutter. Während sie Salate, Mangold oder Rote Bete auswählt, zeigen ihre beiden kleinen Begleiter immer wieder begeistert auf neue Pflanzen, Triebe oder Veränderungen in den Beeten. „Die Vielfalt hier ist wirklich kaum zu übertreffen“, sagt sie.

Was diesen Garten eigentlich ausmache, lasse sich, so findet sie, kaum in ein paar Sätzen zusammenfassen. „Ich gärtnere selbst sehr gerne und irgendwie erinnert mich dieser Ort an den Gemüsegarten meiner Oma.“ Genau dieses Gefühl mache einen großen Teil des Reizes aus. Nicht nur das Ernten bereite Freude – auch das Helfen in den Beeten, wenn Moritz Peitsch Unterstützung braucht, gehöre für sie längst dazu.
Dass ihre Kinder verstehen, dass Obst und Gemüse nicht einfach aus dem Supermarkt kommt, musste sie ihnen nie erst erklären. „Manchmal wissen die beiden sogar besser als ich, was gerade im Garten wächst“, erzählt sie lachend. In diesem Moment ruft Joscha plötzlich aufgeregt quer über das Beet: „Mama, schau mal – ein Zitronenfalter auf der Blüte!“ Tatsächlich sitzt dort ein leuchtend gelber Schmetterling auf einem grünen Blatt.
Geschmäcker ändern sich mit der ZeitWas geerntet wird, landet später zu Hause direkt auf dem Teller – häufig als frischer Salat. Natürlich seien die Geschmäcker unterschiedlich, erzählt Annika Wilms. „Rucola mögen meine Kinder zum Beispiel nicht besonders gerne, der ist ihnen zu scharf. Aber grundsätzlich probieren sie alles, was von hier aus dem Garten kommt.“ Selbst Spinat und Rote Bete gehören inzwischen dazu. Und auch Geschmäcker verändern sich mit der Zeit, beobachtet sie immer wieder. „Im vergangenen Jahr mochten die Kinder Kohlrabi überhaupt nicht. Inzwischen schmeckt er ihnen schon deutlich besser.“
Nicht nur ihre Kinder hätten sich verändert, auch sie selbst habe etwas an sich bemerkt. „Man wird automatisch kreativer in der Küche. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so viele unterschiedliche Dinge mit Roter Bete ausprobiert wie in letzter Zeit.“ Langweilig werde es jedenfalls nie. Immer wieder entstünden neue Ideen – sei es beim Kochen oder beim Austausch mit anderen Familien, die ebenfalls regelmäßig in den Garten kommen. Besonders schön sei es, wenn die Kinder gemeinsam spielen und die Erwachsenen miteinander ins Gespräch kommen. Und manchmal, erzählt Annika Wilms mit einem Lächeln, gibt es zum Abschluss sogar noch ein kleines Ritual: „Wenn Moritz gerade da ist, dann bekommen wir für den Heimweg manchmal noch eine kleine Snack-Gurke.“
InfoWer mehr über das Miedelsbacher Gartengemüse erfahren möchte oder an saisonalen Gemüsekisten Interesse hat, kann sich an Moritz Peitsch wenden. Kontaktdaten: Miedelsbacher Gartengemüse, Freiburgstraße 22, Telefon: (0163) 5951055; E-Mail: info@ miedelsbachergartengemuese.de, Instagram: www.instagram.com/miedelsbachergartengemuese/ oder Website: miedelsbachergartengemuese.de
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