Ein klares Ja zu mehr Wohnbau vom Lorcher Gemeinderat – die Räte äußern aber manche Bedenken.
Stand: 26.06.2026, 20:00 Uhr
Von: Cornelia Villani

Ein klares Ja zu mehr Wohnbau vom Lorcher Gemeinderat – die Räte äußern aber manche Bedenken.
Lorch. Einstimmig hat der Lorcher Gemeinderat die Leitlinien für den „Bauturbo“ beschlossen. Worüber die Rätinnen und Räte sich wunderten, was sie forderten und was das für künftige Bauwillige bedeutet.
Stadt kann freier entscheidenNeun Leitlinien sollen dafür sorgen, dass das neue Gesetz zur Wohnbauförderung nicht zum städtebaulichen Wildwuchs in Lorch führt. Gleichzeitig kann die Stadt künftig auf deren Grundlage über Bauanträge freier und schneller entscheiden – auch wenn sie sich komplett an die Vorgaben im Bebauungsplan halten.
Die Ideen decken sich größtenteils mit denen, die auch Kommunen wie Alfdorf oder Waldstetten beschlossen haben. Zum Beispiel, dass der „Bauturbo“ nicht im Gewerbegebiet oder im Außenbereich Anwendung finden soll. Oder auch dass Bauherren einen Vertrag über die Vereinbarungen mit der Stadt abschließen müssen.
"Bürokratie aufbauen statt ab"„Ich habe den Eindruck, wir bauen hier Bürokratie auf statt ab“, kommentierte Thorsten Fritz (SPD) die Pläne. Dr. Dietmar Hermann (CDU) äußerte dieselben Bedenken.
Bürgermeisterin Marita Funk antwortete, dass sie davon ausgehe, dass sich die Mehrarbeit für die Stadtverwaltung in Grenzen halte: „Wir beurteilen ja jetzt schon jedes Baugesuch. Ich denke, alles ist so formuliert, dass wir damit klarkommen.“
Dazu sieht sie einen großen Vorteil in den Leitlinien des „Bauturbos“: „Sie zeigen Bürgern die Grenzen auf und verhindern so auch Anfragen.“
Etwa solche nach Unmöglichkeiten wie Hochhäuser. Ausgeschlossen – und heutzutage realistischer – ist aber auch Wohnraum, der als Ferienwohnung oder Kurzzeitvermietung genutzt werden soll.
Hermann ergänzte seinen Wortbeitrag um die Forderung, den Passus zu streichen, der nur Vorhaben in zehn Jahre alten Bebauungsplänen möglich macht. Jeder Antrag sei ja eine Einzelfallentscheidung, argumentierte er. Holger Weingart (CDU) fragte, ob hier nicht eine Parkplatzsatzung angebracht wäre: „Weil wir doch meistens über die Stellplätze diskutieren.“ Die Stadt könne ihre Zustimmung an Bedingungen knüpfen, antwortete die Rathauschefin, auch an mehr Stellplätze: „Das ist rechtlich möglich.“
Kann der Kreis reingrätschen?„Kann das Landratsamt uns dazwischen grätschen?“, fragte Julian Abt (Freie Wähler) und meinte, ob Lorcher Entscheidungen vom Kreis verändert werden können. „Wenn wir im Rahmen des Bauturbos bleiben, kann das Amt nicht Nein sagen“, meinte Funk.
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