Eine Familie möchte Büroräume zu Wohnungen umbauen. Das Gremium stimmt dafür, der Bürgermeister dagegen. Das ist der Grund.
Stand: 14.07.2026, 19:00 Uhr
Von: Jürgen Eschenhorn

Eine Familie möchte Büroräume zu Wohnungen umbauen. Das Gremium stimmt dafür, der Bürgermeister dagegen. Das ist der Grund.
Oberkochen. Einige Themen mit Diskussionsbedarf standen auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Unter anderem ging es in der Bürgerfragestunde um eine Gruppe von Jugendlichen und ein Umwidmungsgesuch von Büroräumen in Wohnungen im Gewerbegebiet zwischen Aalener Straße und Röchlingstraße.
Bürgerfragestunde: Ein Bürger der Stadt machte die Verwaltung darauf aufmerksam, dass derzeit eine Gruppe meist junger E-Scooter-Fahrer Passanten in der Innenstadt belästigen würde. Diese würden mit teils nicht zugelassenen Fahrzeugen auf Gehwegen und der neuen Mitte herumfahren und dort vor allem ältere Menschen teils anpöbeln, anbetteln und erschrecken. Manche hätten ihm gegenüber bereits über Ängste gesprochen. Bürgermeister Marcel Winter sagte eine Überprüfung zu.
Bauvorhaben: Intensive Diskussionen im Rat gab es aufgrund einer privaten Bauvoranfrage. Die Bauherren, eine Familie, möchten bisherige Büroflächen und Abstell- und Bühnenräume im eigenen Firmengebäude an der Aalener Straße zu drei Wohnungen umbauen. Sie sollen Wohnraum für mehrere Generationen der Familie bieten. Allerdings ist das betreffende Gebiet laut Bebauungsplan aus dem Jahr 1983 ein „eingeschränktes Gewerbegebiet“. Deshalb sind hier nur Wohnungen für Betriebsleiter sowie Aufsichtspersonen oder den Inhaber möglich. Letztere ist im Gebäude schon vorhanden. Die Anfrage wurde bereits im Vorfeld von der Kreisbaumeisterstelle des Landratsamts abgelehnt, da sie „die Grundzüge der Bebauungsplanung verletzt“. Die Verwaltung um Bürgermeister Winter hatte in der Sitzungsvorlage den gleichen Standpunkt dargelegt und empfahl die Ablehnung des Vorhabens. Bei Zulassung einer Wohnnutzung könnten künftige Konflikte, beispielsweise um Emissionen oder Lärm, nicht ausgeschlossen werden. Zudem könnten mit einer Aufweichung der Vorschriften des Bebauungsplans negative Auswirkungen auf Erweiterungspläne von Gewerbebetrieben im betreffenden Gebiet entstehen, sagte Winter.
„Wir wollen alle, dass Wohnraum geschaffen wird, die Umwidmung nicht mehr benötigter Büroräume ist positiv“, sagte Susanne Mützel (AfD-Gruppierung). „Auch mit dem vom Bund erlassenen Gesetz zum 'Bau-Turbo' ist eine Sonderregelung nicht zulässig. Wenn wir diese Umwidmung hierzulassen, wäre das dann in der Folge im gesamten Gebiet künftig möglich“, entgegnete Winter. Rainer Kaufmann (CDU) sagte, dass vor rund 15 Jahren ein in der Nähe liegendes Geschäftshaus zum Wohnhaus umgewidmet wurde. Damals sei für den betreffenden Bereich ein sogenanntes Mischgebiet ausgewiesen worden. Winter hielt das für diesen Fall nicht für zulässig, eine Änderung müsse rechtlich geprüft werden, das sei ein langwieriges Verfahren. Julius Siebert (SPD) brachte vor, dass man eigentlich alle bestehenden Bebauungspläne neu beurteilen müsse. Das hielt Winter aufgrund des zeitlichen Aufwands zumindest in mittelfristiger Zukunft für unmöglich. Mehrere Stadträte wollten Lösungen suchen, um den Wohnraum zu ermöglichen. „Ein positiver Bescheid ist laut Bebauungsplan nicht möglich“, betonte der Bürgermeister.
Winter spricht von Zwickmühle„Wir befinden uns alle in einer Zwickmühle, ein positiver Beschluss wäre ein fatales Signal an die umliegenden Handwerks- und Industriebetriebe“, so Winter nach einer Beratungspause. Er müsse einem positiven Beschluss widersprechen, da er einen solchen für rechtswidrig halte. Das Gremium stimmte bei zwölf Ja-Stimmen bei sechs Enthaltungen und der Gegenstimme des Bürgermeisters für das Bauvorhaben.
Winter widersprach dem Beschluss, was aufschiebende Wirkung hat. Das bedeutet, dass er nicht umgesetzt werden darf. Das Thema muss jetzt im Gremium zeitnah erneut beraten werden. Wenn die Entscheidung wieder so ausfällt, dann wird sie von der zuständigen Rechtsaufsichtsbehörde, dem Landratsamt, rechtlich überprüft.
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