Jeden Monat muss auf einer anderen Straßenseite geparkt werden: Diese Regelung sorgt für Ärger in Lautzkirchen. Anwohner sagen, dass sie zum Rasen einlade und Grund für viele abgefahrene Spiegel sei. Polizei und Stadt sehen das anders.
Blieskastel · Jeden Monat muss auf einer anderen Straßenseite geparkt werden: Diese Regelung sorgt für Ärger in Lautzkirchen. Anwohner sagen, dass sie zum Rasen einlade und Grund für viele abgefahrene Spiegel sei. Polizei und Stadt sehen das anders.
Oft kommt es in der St. Ingberter Straße in Lautzkirchen zu prekären Verkehrssituationen.
Foto: Erich SchwarzFußball-Lehrer Dimitrije Dimitrijevic ist sauer: 2008 hat er sich ein Haus in der St. Ingberter Straße in Lautzkirchen gekauft. Das Haus hat keine Garage – deshalb muss der ehemalige Profi, der bereits beim FC Rot-Weiß Erfurt und beim FC Homburg spielte, sein Auto am Straßenrand parken. Seit 2017 gibt es in der Straße eine alternierende Parkregelung, sodass je nach Monat die Parkseite gewechselt werden muss.
Für Dimitrijevic ist das keine gute Lösung. „Früher standen die Autos auf beiden Seiten. Dadurch sind die Autofahrer automatisch langsamer gefahren“, erzählt Dimitrijevic. „Man hat das über Handzeichen von Fahrer zu Fahrer geregelt. Jetzt wird viel schneller gefahren.“
Abgefahrene Seitenspiegel durch Parkregelung
Seine persönliche Bilanz: mehrere abgefahrene Seitenspiegel, meist mit Fahrerflucht, und eine hohe finanzielle Eigenbelastung. Denn durch die häufigen Schäden steige auch seine Versicherungsprämie.
Um das Problem zu umgehen, hat sich der Fußball-Lehrer einen Anhänger gekauft. Den stellt er hinter sein Auto, und seither seien auch keine Spiegel mehr abgefahren worden. Das Ergebnis: ein Shitstorm in den sozialen Medien. Außerdem habe kürzlich ein Autofahrer gehalten, über den Anhänger geschimpft und ihn dann mit der Scheibenwaschanlage nass gespritzt. „Das hat mich wirklich betroffen gemacht“, erzählt Dimitrijevic.
Anwohner wünschen sich Geschwindigkeitskontrollen
Eine Nachbarin des Trainers bestätigt die Angaben zur Verkehrssituation. Sie besitzt zwar zwei Garagen, aber auch sie bestätigt, dass es immer wieder zu Zwischenfällen kommt. Besonders am späten Nachmittag werde besonders schnell gefahren. Sie und ihr Mann wünschten sich häufigere und versteckte Geschwindigkeitskontrollen.
Der frühere Ortsvorsteher Jürgen Trautmann zeigt sich ein wenig verwundert ob dieser Aussagen: „Die Regelung wurde seinerzeit auf den ausdrücklichen Wunsch der Anwohner eingeführt. Der Grund: abgefahrene Spiegel“. Für die Verkehrsregelung in der betroffenen Straße ist der Saarpfalz-Kreis zuständig. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt die dafür zuständige Stelle, dass die aktuelle Halteregelung 2017 in Absprache mit der Stadt Blieskastel erlassen worden sei. Zurzeit befinde sich die dortige Parkregelung in „Überplanung“. Man werde über das Ergebnis zu gegebener Zeit informieren.
Laut Polizei keine Unfallhäufung
Die Polizeiinspektion Homburg erklärt auf Anfrage, dass sich 2023 an der Örtlichkeit zwei polizeiliche registrierte Verkehrsunfälle ereignet hätten, bei denen es zu „Spiegelkollisionen“ gekommen sei. „In den Kalenderjahren 2024 und 2025 wurde jeweils lediglich ein Verkehrsunfall dieser Art polizeilich registriert. Zu einer Verkehrsunfallflucht kam es in diesem Zeitraum nicht“, heißt es weiter. „Im Zuge der St. Ingberter Straße liegen keine Unfallhäufungslinien oder -stellen vor.“
Aus datenschutzrechtlichen Gründen würden Unfalldaten nach einer gesetzlich vorgeschriebenen Zeit automatisiert gelöscht. Deshalb könne keine Auskunft darüber getroffen werden, ob sich die Zahl der Verkehrsunfälle seit Einführung der alternierenden Halteregelung erhöht oder ob vor Einführung der Regelung, wie von Anwohnern berichtet, sich keine nennenswerten Unfälle ereignet hätten. (ian/ten)