Wie Opel Hunderte Entwickler zum Abschied bewegen will, wie sich die Eurobike neu erfinden will, wie der klamme Klappradhersteller Brompton die Kurve kriegen will – das und mehr erfahren Sie in der neuen Ausgabe von „manage:mobility“.
Liebe Leserin, lieber Leser,
immerhin blieb der Autoindustrie nach einem Freitag der Extreme – anders als der deutschen Fußballnationalmannschaft am darauffolgenden Montag – eine bizarre Zustandsanalyse durch Bundeskanzler Friedrich Merz (70; CDU) (oder seinem Social-Media-Team) erspart.
Der 26. Juni 2026 wird in der Branche trotzdem noch länger nachhallen. Am Vormittag schockte unser Kollege Michael Freitag die Autowelt mit der Story, dass bei Volkswagen nicht 50.000, sondern bis zu 100.000 Jobs wegbrechen sollen . Das allein wäre locker News genug für einen Freitag. Doch nicht nur die Temperaturen schaukelten sich zum Wochenausklang immer weiter hoch, auch die Autoindustrie hatte noch weitere Einschläge im Köcher: Mercedes verschärft ebenfalls den Sparkurs, will zurück zur 40-Stunden-Woche. Und dann platzte auch noch die Bosch-Bombe. CEO Stefan Hartung (60) wirft trotz Vertrag bis 2031 Knall auf Fall hin. Das Wetter hat sich inzwischen dankenswerter Weise beruhigt, rund ums Auto dürfte der anstehende Freitag aber schon wieder hitzig werden: Die IG Metall wird sich der Automobilindustrie widmen. Wir sind gespannt.
Und damit zu unseren Themen der Woche:
Wie Opel Hunderte Entwickler zum Abschied bewegen will
Wie sich die Eurobike neu erfinden will
Wie der klamme Klappradhersteller Brompton die Kurve kriegen will
Thema der Woche: Wie Opel Hunderten Entwicklern einen Abschied schmackhaft machen will
Konzernware: In Opel-Modellen, hier der Astra, steckt immer weniger Ingenieurskunst aus Rüsselsheim
Foto:Florian Wiegand / AFP
In der Mitte Deutschlands gab es einst eine Autohochburg namens Rüsselsheim. Ein Werk so groß wie Monaco, eine Marke, die sich weit vorn in den Verkaufscharts tummelte und eine Entwicklungsmannschaft, die sich mit der Konkurrenz messen konnte. Die Rede ist natürlich von Opel. Geblieben ist davon fast nichts. Unter dem Dach der Konzernmutter Stellantis wird Opel immer weiter gestutzt. Nicht zuletzt das „Tech Center“ in Rüsselsheim, dort plant der Konzern künftig nur noch mit 1000 Ingenieurinnen und Ingenieuren. Da Kündigungen bis 2029 ausgeschlossen sind, muss Opel Hunderten Beschäftigten einen Abschied schmackhaft machen. Von „Senior Leave“ bis „Garden Leave“: Wir berichten exklusiv, wie die Abfindungsprogramme bei Opel aussehen .
Köpfe: Philipp Ferger ++ Michael Leiters ++ Gianluigi Aponte
Will große Namen zurückgewinnen: Der Veranstalter der Eurobike Philipp Ferger
Foto: Anja KoehlerUnter dem öffentlichem Zoff mit den beiden größten deutschen Fahrradwirtschaftsverbänden hat die Eurobike in der vergangenen Woche wie zu erwarten gelitten: Die Zahl der Aussteller und Fachbesucher hat sich halbiert. Jetzt will die Konkurrenz auch noch eine eigene Fahrradleitmesse ins Leben rufen. Hat die Eurobike überhaupt noch eine Zukunft? Philipp Ferger, Geschäftsführer des Messeveranstalters Fairnamic, will nicht aufgeben. „Es gibt in der Fahrradbranche nur eine Weltleitmesse – und das ist unsere“, sagte er meinem Kollegen Lutz Reiche im Interview. Hier erfahren Sie, wie Ferger die Kritik aus der Branche – und davon gibt es reichlich – in ein besseres Messekonzept ummünzen will .
„Goodbye Deutschland!“ ist längst nicht mehr nur eine Trash-TV-Serie über Auswanderer, auch immer mehr Firmen verlagern ihre Produktion in Länder mit niedrigeren Kosten. Porsche-Chef Michael Leiters (54) lässt nun mit dem umgekehrten Weg aufhorchen: Er will die Fertigung des SUV Cayenne von Bratislava nach Leipzig holen. Allerdings auch nur dann, wenn die Beschäftigten dort einem Lohnverzicht zustimmen. Hello Deutschland, aber nur unter Bedingungen.
Nur zu gern würde sich Gianluigi Aponte (85) hierzulande breitmachen, der MSC-Patriarch hat ein Auge auf Hapag-Lloyd geworfen, wie wir kürzlich exklusiv berichteten. Zugeschlagen hat Aponte jetzt aber erst einmal anderswo: MSC hat für 1,4 Milliarden Dollar 49 Prozent des indischen Hafenbetreibers Adani Ports übernommen.
Unternehmen: Volkswagen ++ Decathlon ++ Easyjet ++ Deutsche Bahn
„Fokus auf Tempo“: VW-Chef Oliver Blume will hochautomatisiertes Fahren ohne Bosch voranbringen
Foto: Malte Ossowski / Sven Simon / IMAGOVolkswagen und Bosch haben jeweils ihre eigenen Herausforderungen, unter eine gemeinsame ziehen beide Seiten jetzt einen Schlussstrich: die „Automated Driving Alliance“ hat keine Zukunft. Die Partnerschaft für automatisierte Fahrfunktionen war 2022 unter dem damaligen Volkswagen-Chef Herbert Diess (67) gestartet, die Verantwortung auf Seiten des Autobauers lag bei der Softwaretochter Cariad. Seitdem flossen rund 1,5 Milliarden Euro in die Entwicklung, offensichtlich ohne durchschlagende Erfolge. Künftig will Volkswagen Hard- und Software fürs autonome Fahren lieber zukaufen.
Mit seinen Falträdern ist Brompton zuletzt ganz schön unter die Räder gekommen. Kult allein reicht für Bromptons Zukunft nicht mehr aus. Jetzt bekommen die Briten Hilfe: Sportartikelriese Decathlon und der chinesische Investor BA Capital steigen jeweils mit einem Minderheitsanteil ein . Müssen die Brompton-Räder nur noch das Discounter-Publikum ansprechen.
Ein Discounter der Lüfte ist Easyjet. Billig muss nicht schlecht sein, wie berichtet versucht US-Investor Castlelake hartnäckig, die britische Airline zu kapern. Aber warum eigentlich? Den Kaufwilligen dürfte es weniger um den Betrieb bei Easyjet gehen, als vielmehr um verschiedene Einzelteile des Unternehmens. Hier erfahren Sie, wieso Easyjet im Falle einer Übernahme die Zerschlagung droht .
Alles andere als billig wird für die Deutsche Bahn die Sanierung der Strecke Berlin–Hamburg. Aus den ursprünglich geplanten 2,2 Milliarden Euro werden Stand jetzt mindestens 2,7 Milliarden. Was so ein bisschen Frost im Winter eben kostet.
Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.
Zahl der Woche: 12
Spritpreisdschungel: Seit Mittwoch ist der Tankrabatt wieder Geschichte
Foto: Philipp von Ditfurth / dpaWaren Sie Anfang der Woche noch tanken? Seit diesem Mittwoch ist der Tankrabatt Geschichte, von den Anzeigen grüßen jetzt wieder landauf, landab Literpreise mit einer 2 vornedran. Das Ifo-Institut kippte schon vor dem Auslaufen der umstrittenen Maßnahme Benzin ins Feuer: Beim Diesel seien die Nachlässe nicht vollständig an Kundinnen und Kunden weitergegeben worden, kritisieren die Forscher. Statt der 16,7 Cent, um die die Steuer gesenkt worden war, errechnete das Institut eine durchschnittliche Weitergabe von nur 12 Cent. Der Mineralölindustrie schwillt ob solcher Vorwürfe die Tanknadel, sie will die Rechnung nicht nachvollziehen können.
Deutsche Autohändler bewerten ihre Hersteller und Importeure wieder etwas gnädiger. Die Durchschnittsnote des „IfA Markenmonitor “ stieg auf 3,07 – nachdem sie 2025 noch bei 3,26 gelegen hatte. Jubeln sollte deshalb aber niemand, meint Professor Stefan Reindl (59) vom Institut für Automobilwirtschaft: „Der Handel ist nicht zufrieden, er ist nur weniger unzufrieden.“ Das beste Verhältnis zu seinen Händlern pflegt aktuell Škoda mit der Durchschnittsnote 2,44. Ganz unten gibt es ein bekanntes Bild aus den vergangenen Jahren: Opel hat nicht nur gefrustete Ingenieure, auch die Händler sind bedient; die Durchschnittsnote 3,72 bedeutete den letzten Platz im Ranking. Dass die Bewertung 2025 mit 3,94 noch schlechter ausgefallen war, dürfte nur ein schwacher Trost sein.
Geisterfahrer der Woche
Zu schlechte KI-Performance: Ford-Chef Jim Farley holt 350 „Graue Bärte“ zurück
Foto: Ker Robertson / Getty ImagesIngenieure hatten zuletzt nicht nur bei Opel einen schweren Stand. Ford jagte zahlreiche Spezialisten in dem Glauben vom Hof, künstliche Intelligenz könne sie kostengünstiger ersetzen. Die Hälfte aller Angestellten würde KI bald überflüssig machen, posaunte Ford-Chef Jim Farley (64) vor einem Jahr. Stattdessen kommt es jetzt erstmal zum Comeback der „Grauen Bärte“. Der Autobauer holt 350 Qualitätsprüfer zurück, weil den KI-Tools die Schulung und das Fachwissen der Experten fehlte. Ein Hoch auf die menschliche Intelligenz.
Ich wünsche Ihnen frohes Abkühlen,
Ihr Christoph Seyerlein
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