Die Börse honoriert ein starkes Intel-Quartal. Der ausgewiesene milliardenschwere Verlust existiert ausschließlich in den Büchern.
Intel schließt ein Quartal ab, in dem die Geschäftszahlen ohne Rechnungslegungsstandards ausnahmsweise eine Betrachtung wert sind. In den Zahlen nach dem geläufigen US-Standard Generally Accepted Accounting Principles (GAAP) sorgt ausgerechnet der immense Anstieg der Intel-Aktie für einen riesigen Buchnettoverlust von gut elf Milliarden US-Dollar.
Das liegt an den Treuhandaktien, die Intel aufgrund eines Förderabkommens mit der US-Regierung zurückhält. Der sieht vor, dass Intel sukzessive Aktien freigibt, sobald US-Fördermittel für die Erfüllung von Meilensteinen fließen. Weil die Aktien auf einem Treuhandkonto liegen, muss Intel Kursanstiege als Verluste verbuchen.
Im zweiten Quartal waren das -13,6 Milliarden US-Dollar. In dem Zeitraum stieg die Aktie von etwa 44 auf rund 130 US-Dollar. Ohne den Buchverlust nennt das Unternehmen in den sogenannten Non-GAAP-Zahlen folglich einen Nettogewinn von 2,2 Milliarden US-Dollar.
Real-Plus ohne externe FinanzspritzenDiverse weitere Kennzahlen beweisen, dass Intel jetzt auch ohne externe Finanzspritzen wieder profitabel ist: Von gut 16,1 Milliarden US-Dollar Umsatz bleiben 1,8 Milliarden US-Dollar Betriebsgewinn vor Steuern übrig. Gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum wächst der Umsatz um 25 Prozent. Firmenchef Lip-Bu Tan merkt an, dass dies das größte Wachstum seit mehr als 15 Jahren ist.
Intel ist operativ jetzt auch wieder im Plus, weil die Massenentlassungen durch sind und keine Milliardenkosten mehr durch Abfindungen anfallen. Im ersten Quartal 2026 gab Intel dafür noch über vier Milliarden US-Dollar aus. Die Bruttomarge klettert auf 40,4 Prozent. Ein Jahr zuvor lag sie noch bei mickrigen 27,5 Prozent.
Intel jetzt auch im KI-BoomDas Wachstum kommt maßgeblich vom Boom der KI-Agenten, die Server-CPUs zurück in den Fokus rücken. Sie übernehmen zahlreiche Aufgaben der KI-Agenten. Damit profitiert jetzt auch Intel vom KI-Hype, nachdem seine KI-Beschleuniger nie gut ankamen.
Der Umsatz der Sparte Data Center and AI (DCAI) wächst binnen eines Jahres daher um 59 Prozent auf knapp 6,3 Milliarden US-Dollar, hauptsächlich durch den Verkauf von Xeon-Prozessoren. Mit fast 2,5 Milliarden US-Dollar Betriebsgewinn überholt die Sparte knapp das Endkundengeschäft mit Core-Prozessoren. Letzteres wächst um 13 Prozent auf fast 8,9 Milliarden US-Dollar Umsatz. Gut 2,3 Milliarden US-Dollar verbucht sie als Betriebsgewinn.
Intels Umsatz aufgeschlüsselt (3 Bilder) Client Computing and Physical AI Group (CCPG, vor allem Core-Prozessoren) (Bild:Intel
)Intel hat bereits Produktionskapazitäten von Notebook- und Desktop-Prozessoren auf Xeon-Modelle für Server umgestellt. Dadurch entsteht auch Preisdruck bei Endkundengeräten, was wiederum Intels Marge zugutekommt.
Die Fertigungstochter Intel Foundry verringert die eigenen Verluste allmählich. Der Umsatz steigt gegenüber dem Vorjahr um 31 Prozent auf knapp 5,8 Milliarden US-Dollar. Etwa 95 Prozent kommen von Intels Prozessorabteilungen; der Rest dürfte größtenteils von der Weiterverarbeitung von Chips (Advanced Packaging) für externe Kunden stammen.
Plus an der BörseIm jetzt angelaufenen dritten Quartal erwartet Intel 15,8 Milliarden bis 16,8 Milliarden US-Dollar Umsatz und im Mittel 41 Prozent Bruttomarge. Der GAAP-Nettogewinn soll sich auf 1,6 Milliarden US-Dollar belaufen.
Die Aktie befindet sich im nachbörslichen Handel im Plus, schwankt aber erheblich zwischen +4 und +12 Prozent.
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(mma)
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