Ein neuer Amnesty-Bericht beweist: Angehörige der Oromo-Befreiungsarmee (OLA) verüben in der äthiopischen Region Oromia sexualisierte Gewalt an Frauen und Mädchen.
Seit Ausbruch des Tigray-Konfliktes (2020) hat sich die Menschenrechtssituation in Äthiopien dramatisch verschlechtert. Die Regierung unter Abiy Ahmed hat sämtliche freien Medien geschlossen und Medienschaffende verhaftet oder des Landes verwiesen. Zivilgesellschaftliche Organisationen stehen unter massivem Druck. "Es gibt keine Möglichkeiten der unabhängigen Dokumentation und Aufklärung von Menschenrechtsverstößen im Land mehr. Mit Blick auf die kommenden Wahlen im Juni ist es daher umso wichtiger, dass die internationale Gemeinschaft endlich wieder einen unabhängigen Berichtsmechanismus etabliert, um Gerechtigkeit zu ermöglichen", kommentiert Franziska Ulm-Düsterhöft, Afrika-Expertin bei Amnesty International in Deutschland.
Zum Konflikt in der Region OromiaDie Kämpfe zwischen dem ehemaligen militärischen Flügel der Oromo-Befreiungsfront (OLF), der Oromo-Befreiungsarmee (OLA), und der äthiopischen Armee (ENDF) sowie verbündeten Sicherheitskräften der Region Oromia brachen 2019 aus. Obwohl der Konflikt von der Zivilbevölkerung einen enorm hohen Tribut fordert, findet er international keine Beachtung.
Überlebende aus Oromia berichtenAmnesty International befragte für den Bericht zehn Überlebende von Gruppenvergewaltigungen, darunter sieben Mädchen, die zum Zeitpunkt der Übergriffe unter 18 Jahre alt waren. Fünf der Betroffenen wurden zusätzlich Opfer sexualisierter Versklavung. Neun von ihnen waren von OLA-Kämpfern angegriffen worden. Außerdem wertete die Organisation Zeugenaussagen von Gesundheitspersonal und Krankenakten von Überlebenden aus.
Alle zehn Überlebenden kämpfen bis heute mit schweren körperlichen und psychischen Folgen infolge der ihnen zugefügten Gewalt.
Die Überlebenden fordern ein Ende der Menschenrechtsverletzungen sowie Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht. Eine Überlebende sagt: "Wenn es möglich ist, die Täter zu finden, hoffe ich auf Gerechtigkeit, damit das, was mir und anderen widerfahren ist, ein Ende hat."
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