Fifa-Präsident Infantino geriert sich als Reformer und Menschenrechtler. Ein Blick auf seine Amtszeit zeigt: Nichts davon hält dem Realitätscheck stand.
Fifa-Präsident Infantino geriert sich als Reformer und Menschenrechtler. Ein Blick auf seine Amtszeit zeigt: Nichts davon hält dem Realitätscheck stand.
Quizfrage: Wer wird hier beschrieben? „Ihm geht es nicht um Glanz und Macht, sondern einzig um den Fußball.“ Oder: „Ich nehme ihn nicht als Karrieremenschen wahr, der für seinen Erfolg über Leichen gehen würde. Er hebt nicht plötzlich ab und fliegt zu einem anderen Planeten (…).“
Klar, die Antwort lautet: Gianni Infantino, der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa. Man muss dazusagen, dass beide Zitate schon zehn Jahre alt sind und überdies von Personen stammen, die ihm sehr nahestehen (seinem Jugendfreund Rinaldo Arnold und seiner Schwester Daniela).
Ganz neu sind derlei Pläne nicht. Bereits im November 2018 wollte Infantino einen Investoren-Deal für die Vermarktungsrechte an der Klub-WM sowie einer globalen Nations League durchdrücken. Damals scheiterte er noch.
Die Empörung ist groß. Doch das war sie schon sehr oft, seit Gianni Infantino zum Präsidenten des Fußball-Weltverbandes gewählt worden ist. Ein Rückblick.
„Uff“, sagt Infantino, nachdem er am 26. Februar 2016 zum Fifa-Präsidenten gewählt wird. Ihm fehlen die Worte. Es passt ein bisschen zu dem Bild, das man von ihm hat: ein demütiger Arbeiter.
Auch der frühere Fifa-Reformer Mark Pieth erzählte jüngst im Tagesspiegel-Interview, dass Infantino bei seiner Wahl einen guten Leumund hatte. „Anfangs machte er glaubhaft den Eindruck, auf den Reformzug der skandalumwitterten Fifa aufspringen zu wollen“, sagte Pieth.
Infantino stammt kurioserweise wie sein Vorgänger Sepp Blatter aus dem Wallis. Die Gemeinden, in denen die beiden geboren wurden, liegen nur zehn Kilometer voneinander entfernt. Aber Infantino kämpft sich ganz ohne Blatter an die Spitze des Verbandes. Wie die Prinzipien des Machterhalts im Verband funktionieren, hat er von Blatter gelernt und perfektioniert.
Zu Infantinos ersten Amtshandlungen zählen die Aufstockung der WM-Teilnehmer von 32 auf 40 Mannschaften plus die Verdopplung der Entwicklungshilfezahlungen für die Mitgliedsverbände. Dazu muss man wissen: Jeder Verband hat bei der Präsidentenwahl eine Stimme, die aus Deutschland zählt genauso viel wie die von Curaçao.
Aber nicht nur das: Infantino macht sich schnell daran, die vermeintlichen Reformen wieder zurückzudrehen. Gerade mal ein Jahr nach seiner Wahl werden die Fifa-Kontrolleure Cornel Borbély und Hans-Joachim Eckert entlassen. Beide sind installiert worden, um intern problematische Vorgänge im Verband zu durchleuchten und gegebenenfalls zu sanktionieren.
Borbély ermittelt sogar gegen den Präsidenten höchstselbst wegen dessen Reisen mit Privatflugzeugen. Infantino ersetzt die unbequemen Kontrolleure durch Verbündete. Fortan hat er nichts mehr zu befürchten.
Nicht alles, was aus dem Osten kommt – aus Russland oder der arabischen Welt – sollte mit dunkler Farbe übermalt werden. Gianni Infantino, Fifa-Präsident
Und dann legt er los: Er sympathisiert mit allen und jedem, der ihm mehr Macht und der Fifa mehr Geld verspricht: rund um die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin, von dem er den Orden der Freundschaft verliehen bekommt.
Für Kritiker an seinen engen Verbindungen zu Autokraten und Oligarchen auf der ganzen Welt hat er eine Botschaft parat: „Nicht alles, was aus dem Osten kommt – aus Russland oder der arabischen Welt – sollte mit dunkler Farbe übermalt werden.“ Sein Appell richtet sich vor allem an die „westlichen Medien“.
Geradezu grotesk ist auch der Auftritt Infantinos unmittelbar vor der Fußball-WM 2022 in Katar. „Heute fühle ich mich … schwul, behindert, arabisch, afrikanisch, als Gastarbeiter …“, lässt der Multimillionär bei einer Pressekonferenz verlauten. Mehr Anmaßung gegenüber diskriminierten Gruppen geht kaum. Infantino aber findet, er dürfe so sprechen, weil: „Ich wurde in der Schule gemobbt, weil ich rote Haare und Sommersprossen hatte.“
Diese verbalen Aussetzer schaden dem Fußball vermutlich nicht so sehr wie sein erbarmungsloses Suchen nach mehr Geldquellen. Infantino zapft vor allem die Quellen in der arabischen Welt an, aber nicht nur dort.
Die Stärkung der Menschenrechte, auf die Infantino in seinen Reden immer hinweist, spielt bei der wichtigsten Entscheidung – der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften – keine Rolle. Nach Katar bekommt Saudi-Arabien im Dezember 2024 die WM für das Jahr 2034, das Land, das laut Amnesty International repressiver als Katar ist, und auch das Land, aus dem der Hauptsponsor Saudi Aramco stammt.
Infantino macht in seinem Geldvermehrungsdrang auch vor den Klubs nicht halt. Mit der 2025 ausgetragenen Klub-WM erschafft er ein Monstrum von einem Turnier, das vor allem einen Zweck hat: die Taschen der großen Klubs und – nicht zuletzt – der Fifa zu füllen. Einer der Hauptsponsoren ist übrigens Aramco.
Vorläufiger Höhepunkt aus Infantinos Sicht ist die jüngst abgelaufene Fußball-Weltmeisterschaft mit 64 Mannschaften. Und das, obwohl die Kritik an Infantino riesig ist, nachdem US-Präsident Donald Trump per Anruf bei ihm die Spielerlaubnis des gesperrten US-Stürmers Folarin Balogun erwirkt haben soll. Infantinos Fazit nach der WM: „Ich glaube, wir müssen neues Vokabular erfinden, neue Wörter, um den Erfolg dieser Weltmeisterschaft zu beschreiben.“
Gianni Infantinos größter Jugendtraum war, Profifußballer zu werden. Ihm fehlte das Talent. Es scheint fast so, als nähme er späte Rache an dem Spiel, das er so liebte.
Von Martin Einsiedler
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich Infantino von Europa lossagt | 0 | 7.59 | 30-07-2026 |
| 2 | Infantino plante 30 Millionen Jahresgehalt für Anschlussjob in WM-Firma | 0 | 12.55 | 03-08-2026 |
| 3 | Vom Krisenmanager zur Machtfigur: Das umstrittene System Infantino | 2 | 7 | 10-07-2026 |
| 4 | Infantino beschimpft Kritiker: „Geht meditieren oder beten” | 0 | 12.94 | 27-07-2026 |
| 5 | Das Fifa-Schreiben zeigt, dass Infantinos WM-Plan noch lebt | 0 | 16.36 | 06-08-2026 |
| 6 | Infantinos Abrechnung entlarvt ihn als billige Trump-Kopie | 0 | 17.58 | 27-07-2026 |
| 7 | Vier Wege zum Aus des angezählten Fifa-Chefs Infantino | 0 | 14.93 | 03-08-2026 |
| 8 | FIFA chief accuses Gianni Infantino of DECEIVING staff over World Cup plot - 'If I lose my job so be it' | 0 | 6.54 | 31-07-2026 |
| 9 | СМИ: Инфантино пока не грозит импичмент | 0 | 7.6 | 05-08-2026 |
| 10 | Fifa-Präsident in der Endlosschleife: Wo ist Gianni Infantino eigentlich nicht? | 2 | 6 | 04-07-2026 |