Jürgen Klopp legt los. Sein erster Auftritt als Bundestrainer ist einnehmend. Er redet viel, aber jedes Wort ist gehaltvoll. Fußball-Deutschland kann sich auf eine neue Energie freuen.
Jürgen Klopp legt los. Sein erster Auftritt als Bundestrainer ist einnehmend. Er redet viel, aber jedes Wort ist gehaltvoll. Fußball-Deutschland kann sich auf eine neue Energie freuen.
Als die Vorstellung von Jürgen Klopp beginnt und DFB-Präsident Bernd Neuendorf erstmal ausholt, schaut sich der neue Bundestrainer um. Seine Blicke wandern durch die große Medienrunde. Seine scharfen Augen scheinen einzelne Reporter zu inspizieren. Er geht Kopf für Kopf durch, bei bekannten Gesichtern grinst er breit, nickt, zwinkert. Sonst blickt er ernst, eindringlich.
Dann spricht Klopp. Doch anders als erwartet. Seine ersten Worte als Bundestrainer sind ein flammender, aber etwas irritierender Appell an Medien und Öffentlichkeit. Er schwört die vor ihm sitzenden Journalisten ein: Wir sitzen alle im selben Boot, so seine Botschaft.
„Wem es egal ist, wie es mit dem deutschen Fußball weitergeht, dem kann ich nicht helfen. Wir haben diesen Auftrag zu erfüllen.“
Wenn Kritik angebracht ist, gibt es Kritik. Damit kommt Klopp auch grundsätzlich klar. Man müsse seine künftigen Entscheidungen aber verstehen wollen, nicht jede erstbeste Gelegenheit nutzen, um draufzuhauen, fordert er. Spielchen werde er nicht akzeptieren, betont er und verspricht: „Heute bin ich relaxt. Ich kann aber auch extrem blöde Antworten geben.“
Pressekonferenzen wie diese im vollgepackten Medienraum, aus dem extra Tische entfernt wurden, um zusätzliche Stuhlreihen zu ergänzen, habe er in den vergangenen zwei Jahren Trainer-Sabbatical nicht vermisst, sagt der 59-Jährige. Aber er mache diesen Job nicht für sich.
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Eine Warnung folgt sogleich: „Wenn ihr euch danebenbenehmt oder meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg.“ Wie die Presse mit Vorgänger Julian Nagelsmann oder England-Coach Thomas Tuchel in den vergangenen Wochen umgegangen sei, nennt er ein Unding.
„Wenn ihr morgen sagt, der ist scheiße, dann bin ich weg“, kündigt er an, dafür bräuchte es aber schon mehrere Kritiker, „einer reicht nicht“, stellt er klar und grinst.
Es ist eine Art Reviermarkierung, Klopp will die Spielregeln festlegen, ehe er seine wichtige Aufgabe als Bundestrainer am 15. August offiziell antritt.
Dann hat er Großes vor – und dabei sprudelt er vor Energie. Die ist ansteckend, so viel kann ich verraten. Schon jetzt freue ich mich auf das erste Länderspiel im September, als würde man bereits erste klopp'sche Maßnahmen erkennen können.
Seinen Plan stellt er mit Leidenschaft vor, ehrlich und authentisch. Beinahe aufgeregt. Dieser Job sei auch sein „Höhepunkt“, sagt er. Eine Karriere danach werde es für Klopp nicht mehr geben.
Die Größe des Amtes war ihm immer klar, an den letzten Tagen wurde es ihm noch einmal bewusster. Es erfülle ihn mit Ehre.
Jetzt aber große Töne zu spucken, wäre unangebracht, das weiß Klopp selbst. Daher stellt er zunächst den neuen Anspruch vor. Seine Rechnung: „Erfolg ist Leistung in Relation zur Erwartungshaltung.“
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Es sei vermessen, aus der jetzigen Situation zu fordern, die Nummer eins werden zu wollen. Vielmehr müsse aber das Ziel sein, die Nummer eins zu jeder Zeit schlagen zu können. Eine Qualität, die den deutschen Fußball in der Vergangenheit prägte.
Viele Fragen gibt es an diesem Freitagmittag nicht, weil Klopp so viel von sich gibt und sinniert. Er erzählt umfangreich und ausschweifend, allein sein Anfangs-Plädoyer dauert ganze zwölf Minuten. Jedes einzelne Wort erhält ein enormes Gewicht.
Denn: Klopp weiß, wovon er spricht. Egal, wo er war, „Kloppo“ war nicht nur erfolgreich, er hat stets eine neue Kultur geprägt.
„Ich habe dreimal erlebt, wie erfolgreicher Fußball eine Stadt verändert“, sagt er mit Blick auf seine Stationen bei Mainz 05, Borussia Dortmund und dem FC Liverpool. Jetzt hat er mehr vor: „Erfolgreicher Fußball kann auch ein Land verändern.“
69 Minuten dauert die erste Pressekonferenz mit Jürgen Klopp als Bundestrainer. Ein langer Auftritt. Voller Vision und Energie.
Nach dem unerwarteten Beginn ist Klopps erster Auftritt einnehmend, sein Vorhaben ansteckend. Jetzt fehlt nur noch sein elektrisierender Heavy-Metal-Fußball. Deutschland ist bereit.
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