Heute wird Jürgen Klopp Bundestrainer. Um 11 Uhr präsentiert der Verband den 59-Jährigen offiziell am Campus in Frankfurt. Was unser Reporter sich vor Ort von Klopp erhofft.
Heute wird Jürgen Klopp Bundestrainer. Um 11 Uhr präsentiert der Verband den 59-Jährigen offiziell am Campus in Frankfurt. Was unser Reporter sich vor Ort von Klopp erhofft.
Jürgen Klopp ist der Auserwählte. Er allein soll den deutschen Fußball aus der Misere zurück ins gelobte Land führen. Nach den Auftritten bei der WM wird das ein langer, schwerer Weg.
Ich habe gestern „The Odyssee“ im Kino gesehen. Dort gerät der titelgebende und sagenumwobene Held nach dem Troja-Krieg auf Irrwegen und muss sich mit mythischen Monstern messen. Eine Parabel, dass selbst der klügste und listigste aller Helden drei Dinge benötigt: Zeit, einen klaren Plan und göttlichen Beistand.
Genau das braucht Deutschland jetzt auch: Einen Helden (mit Zeit, Plan und göttlichem Beistand). Der deutsche Fußball ist mal wieder am Boden, Hoffnung auf schnelle Besserung gibt es kaum.
Allein der Name Klopp kann dies aber ändern. Seit nahezu einem Jahrzehnt wird er als der Retter der Nationalmannschaft betrachtet, jetzt muss er liefern. In Liverpool sorgte er bei seinem Antritt 2015 für sofortige Aufbruchstimmung. Seine Auftakt-PK damals? Legendär.
Klopp wurde zum „The Normal One“. Er predigte Geduld, versprach aber, die Zweifler im Verein in Gläubige zu verwandeln. Mit den historischen Triumphen in Premier- und Champions League gelang ihm genau das.
Klopp wird die Nationalelf nicht in den kommenden Wochen heilen können, es braucht Zeit. Schnellschüsse im Kader muss er dabei vermeiden. Schon am ersten Tag erste Spieler abzusägen, wäre nicht nur taktlos, sondern auch unangebracht.
Wir müssen heute noch nicht erfahren, wer in Zukunft seine Nummer 1 wird oder welche Spieler eben keinerlei Zukunft im DFB-Team haben. Ein klares Commitment zum Umbruch will ich aber schon hören. Klopp muss das Team verjüngen, der nächsten Generation den Weg ebnen.
Youngsters ins Boot holen und dann Richtung gelobtes Land segeln – die „Odyssee“ hat gezeigt, dass es schon einen genaueren Plan benötigt, eine klare Route.
Klopp muss daraus lernen und die Fans und Medien auf seine Reise mitnehmen. Er wird nicht jeden mit seinen Entscheidungen glücklich machen und zufriedenstellen. Seine Entscheidungen müssen aber nachvollziehbar sein, ein Plan muss erkennbar sein.
In zwei Jahren steht die EM in England an. Was will er bis dahin im Team implementieren? Welche Art von Fußball werden wir sehen? Was erwartet er von seinen Spielern? Wenn Jürgen Klopp diese Fragen beantworten kann, startet die Reise in bessere Zeiten.
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