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Englands Wut auf nach WM-Aus trifft mit Thomas Tuchel den Falschen

Дата публикации: 16-07-2026 09:47:00

England verpasst den Einzug ins WM-Finale. Hinterher greift der Branchenreflex. Der Trainer hat Schuld! Es wäre zu plump, alles auf Thomas Tuchel abzuladen.

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England fehlen gegen Argentinien nur ein paar Minuten zum Einzug ins WM-Finale. Hinterher greift der übliche Branchenreflex: Der Trainer hat Schuld! Dabei wäre es zu plump, alles auf Thomas Tuchel abzuladen.

„Staatsfeind Nummer eins“, darunter machen sie’s nicht beim australischen Blatt „Sydney Morning Herald“, das Thomas Tuchel mit unappetitlicher Metaphorik überschüttet. Ihn, den Trainer der englischen Nationalmannschaft, der ganz alleine für das Scheitern verantwortlich sein soll.

Scheitern. Dieses Wort, herrje. In der Heimat kommt Tuchel kaum gnädiger weg. Dabei fehlten England nur ein paar Minuten zum Einzug ins WM-Finale. Allerdings trifft die Wut über das Aus den Falschen.

Natürlich, Tuchel hatte schon glücklichere Trainerhändchen

Richtig ist, dass Tuchel im Halbfinale gegen Argentinien nach der 1:0-Führung durch Anthony Gordon (55. Minute) defensiv wechselte. Zunächst brachte er Ezri Konsa für Gordon (72.), später Nico O'Reilly für Reece James sowie Dan Burn für Declan Rice (beides 82.).

Richtig ist auch die Annahme, dass Tuchel in seiner Karriere schon glücklichere Trainerhändchen bewiesen hatte. Den Flügelstürmer Marcus Rashford schickte er in der sechsten Minute der Nachspielzeit (!) aufs Feld, auf andere Offensivkräfte wie Eberechi Eze, Noni Madueke, Bukayo Saka oder Ollie Watkins verzichtete er völlig.

Der englische Nationaltrainer Thomas Tuchel im Gespräch mit seinen Spielern während der Trinkpause.

Der englische Nationaltrainer Thomas Tuchel im Gespräch mit seinen Spielern während der Trinkpause. Martin Rickett/PA Wire/dpa

Würde es der 52-jährige Deutsche mit dem Wissen von heute exakt nochmals so machen? Wahrscheinlich nicht. Aber das ist ja müßig.

Zum großen Bild gehört nämlich, dass Tuchels „Masterplan“ (ARD-Experte Bastian Schweinsteiger) bis in die 85. Minute aufgegangen war. Erst danach musste sich England dem argentinischen Druck beugen, Enzo Fernández (85.) und Lautaro Martínez (90.+2) zerschmetterten die Wonderwall.

Tuchels Wechsel? Schweinsteiger spricht den entscheidenden Satz

Tuchel hatte versucht, mit seinem In-Game-Coaching, wie das Neudeutsch heißt, für verstärkte Lufthoheit bei den wütenden Sturmläufen der Südamerikaner zu sorgen. Seine Methodik sei „verständlich“ gewesen, betonte Schweinsteiger und sprach den entscheidenden Satz: „Fünferkette heißt ja nicht, dass du automatisch passiv sein musst.“

Tatsächlich war das Hauptproblem nicht irgendein Mutlos-Signal bei den Auswechslungen. Stattdessen ereilte England ein fataler Kontrollverlust in allen Bereichen. Selbst Kapitän Harry Kane begriff nicht, was geschehen war: „Wir haben gegen den Ball keinen Druck gemacht, nicht nach vorne verteidigt.“

England-Trainer Thomas Tuchel übernimmt die Verantwortung für die Niederlage gegen Argentinien

England-Trainer Thomas Tuchel übernimmt die Verantwortung für die Niederlage gegen Argentinien Getty

Als hätten sie Angst vor der eigenen Courage, wurden die Engländer viel zu früh viel zu pomadig, zu behäbig, zu scheu – und infolgedessen an den eigenen Strafraum getackert. Den zahnlosen Three Lions schwanden die Kräfte (physisch), und irgendwann waren sie Argentiniens erdrückender Wucht ausgeliefert (psychisch).

Nie und nimmer hätte England eine Verlängerung gewonnen. Ein Elfmeterschießen? Nun ja.

England-Stars ließen die Resilienz vermissen, die es gebraucht hätte

Am Ende waren elf Stars nicht in der Lage, jene Resilienz aufzubieten, die es für ein WM-Halbfinale braucht. Das war keine Verfehlung des Trainers. Ohnehin greift der plumpe Branchenreflex – Trainer hat Schuld! – erheblich zu leicht und zu oft.

„Ich glaube nicht, dass uns die offensiven Wechsel geholfen hätten. Wir haben nach unserem Tor nichts verändert, aber das Spiel hat sich komplett verändert“, erkannte Tuchel und wusste um die „Millionen Coaches, die es nach dem Spiel besser wissen. Ich muss eine Entscheidung auf dem Platz treffen, und das habe ich. Ich übernehme die Verantwortung dafür. Es gibt nichts zu bereuen.“

Besser ist es.

Video: Bellingham schlägt Argentinier gegen den Kopf

ENG_ARG_Jubel_Tränen.mp4

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