Mit einem Spielerwechsel setzt Thomas Tuchel das falsche Signal an die englische Mannschaft. Ein Abwehrhüne reicht nicht gegen Messi. Der bestraft ihn sofort.
Mit einem Spielerwechsel setzt Thomas Tuchel das völlig falsche Signal an die englische Mannschaft. Ein Abwehrhüne reicht für das Weiterkommen gegen Mexiko und Norwegen – aber nicht gegen Lionel Messi. Der bestraft ihn sofort.
Es gibt bei jedem Top-Duell irgendwann den Moment, wo das Bauchgefühl verrät: Jetzt ist das Spiel entschieden. Beim WM-Kracher England gegen Argentinien meldete sich mein Frühwarnsystem in der 82. Spielminute, als Dan Burn neben Trainer Thomas Tuchel an der Seitenlinie auftauchte.
Wer sich diese eine Personalentscheidung näher anschaut, versteht plötzlich die Wut, die Englands Boulevardpresse samt Fanmeute auf Tuchel ausschüttet. Ich gehe so weit zu sagen: Der Zorn auf den eigenen Nationaltrainer ist berechtigt. Als es drauf ankam, wurde Thomas Tuchel ein ängstlicher Engländer.
England führte in der 82. Minute 1:0, das WM-Finale schien zum Greifen nahe. Mit Leidenschaft verteidigte die Abwehr die Führung, die Anthony Gordon eine halbe Stunde zuvor erzielt hatte. Das Bollwerk wackelte, aber hielt scheinbar stand. Eine einzige Zahl aus der Spielstatistik hätte Tuchel sofort alarmieren müssen.
Die Zahl lautet 88. Lionel Messi und seine Argentinier zelebrierten ein Powerplay, das zu einem Ballbesitzanteil von 88 Prozent führte. Dieser Wert ist unglaublich und bedeutet: Die Engländer sahen kein Land mehr. Eine alte Fußballweisheit sagt: Wenn du den Ball hast, kann der Gegner kein Tor schießen.
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Aber Tuchel machte die Situation noch schlimmer: Mit der Einwechslung von Burn, einem Abwehrturm der Marke „Hau weg, was kommt“, gab er jeden eigenen Anspruch auf Spielgestaltung endgültig auf. Das ist das Gefährliche an Messi: Überlässt du ihm den Ball, macht er was draus.
Denn die Burn-Einwechslung anstelle des Mittelfeldspielers Declan Rice mussten die Zuschauer in diesem entscheidenden Moment als Signal verstehen: Wir wollen jetzt irgendwie über die Runden kommen. Gegen Mexiko (3:2) und Norwegen (2:1 n.V.) kamen sie mit der Verteidigungsstrategie durch. Gegen Messi bist du dann chancenlos.
Was ich nicht verstehe: Der Spielertausch passte so gar nicht in die Philosophie, die Tuchel den Three Lions beim Gruppenspiel gegen Kroatien eingeimpft hatte. Als der WM-Start auf der Kippe stand, rief er in der Halbzeit zur Gegenattacke auf und wurde nach dem 4:2 für seinen Mut gefeiert. Wo war der Mut jetzt?
Es war zu spüren, wie Argentinien die englische Abwehr zerpflückte und die Lücken aufriss, die am Ende zu den zwei Toren zum 2:1 führten. Tuchel wurde für seine Ängstlichkeit bestraft. „Wir hätten anders spielen müssen“, gab Kapitän Harry Kane hinterher zu. „Wir hatten Mühe, Druck auf den Ball zu bekommen.“
Aber das kennen wir von England seit dem einzigen WM-Sieg 1966: Immer dann, wenn Talent und Formkurve Pokale versprechen, kommt etwas Unerwartetes dazwischen. Das ist bei Tuchel nicht anders als bei seinem Vorgänger Gareth Southgate. Der hatte auch zwei EM-Endspiele versemmelt.
Video: Bellingham schlägt Argentinier gegen den Kopf,regionOfInterest=(320,180)&hash=50aeeb4b6dcac2e118f041b2af8ede313bb5aeb05140f5486d5195af34a5c77e)
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