Argentinien zieht gegen England ins WM-Finale ein. Nach dem Spiel kritisieren Experten die defensiven Umstellungen von England-Coach Thomas Tuchel.
Argentinien zieht gegen England ins WM-Finale ein. Nach dem Spiel kritisieren Experten die defensiven Umstellungen von England-Coach Thomas Tuchel. Und trauern der Chance aufs Endspiel hinterher.
Nachdem Anthony Gordon für England in der 55. Minute den Führungstreffer geschossen hatte, stellte sich England hinten rein. Argentinien erhöhte den Druck, forderte den englischen Keeper Jordan Pickford wiederholt. Ab der 70. Minute wechselte Thomas Tuchel dann Verteidiger ein und verlor das Spiel am Ende 1:2.
Für seine Taktik erntet Tuchel im Nachhinein viel Kritik. Unter anderem von Ex-Nationalspielern wie Wayne Rooney. In der BBC sagt er: „Wenn man obenauf ist, muss man es auch bleiben. Wir gehen mit 1:0 in Führung, ziehen uns dann zurück, nehmen Wechsel vor und stellen auf eine Fünfer- oder Sechserkette um. Wenn man Lionel Messi oder Argentinien kommen lässt, provoziert man das Unheil geradezu.“
Und weiter: „Als Tuchel diese Wechsel vornahm, dürften die Spieler auf dem Platz gedacht haben: 'Oh nein.' Sie wussten, was auf sie zukam. Sie hätten schon eine Riesenportion Glück gebraucht, um das Spiel über die Zeit zu bringen“.
Ex-Nationalspieler Gary Neville sieht das ähnlich. Er sagt: „England wird nie wieder eine bessere Chance haben, ins Finale zu kommen. Sie waren nur fünf Minuten plus Nachspielzeit vom Finale entfernt. Sie haben sich zu eng und zu tief gestellt. Es war sehr ähnlich wie im EM-Finale gegen Italien. Für England kommt es auf die Mentalität und den Glauben an sich selbst an – und auf ein bisschen Qualität, um den Ball zu halten.“
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Auf X schreibt der Ballon-d`Or-Gewinner von 2001, Michael Owen: „Bei einer 1:0-Führung drei Verteidiger einwechseln. Welche Botschaft sendet das aus? Solange wir nicht begreifen, dass Mut und Tapferkeit darin bestehen, den Ballbesitz unter Druck zu kontrollieren, anstatt ihn 40 Meter weit nach vorne zu schießen oder zu köpfen, wird das immer das Endergebnis sein.“
Anders hätte er das bei dem Halbfinale von Spanien gegen Frankreich beobachtet: „Schaut euch Spanien beim Stand von 1:0 an. Das ist Mut. Das ist Tapferkeit. Und dann schaut euch England beim Stand von 1:0 an. Wo liegt der Unterschied? Wir sind eine bessere Mannschaft als Argentinien, daran habe ich keinen Zweifel. Aber letztendlich haben wir die Niederlage verdient. Tatsächlich hätte es auch 4:1 stehen können.“
„England hatte sechs Verteidiger auf dem Platz“, so Ex-Nationalspieler Alan Shearer. „Gegen Norwegen und Mexiko das Ergebnis über die Zeit zu retten“ könne funktionieren, „diese Mannschaften verfügen vielleicht nicht über die Qualität, die Argentinien in Bezug auf Ballfertigkeit und Durchschlagskraft sowie ihre Einstellung auszeichnet.“
Tuchel habe seine Karten „sehr früh ausgespielt, in der Hoffnung, das Ergebnis über die Zeit retten zu können, und das ging nach hinten los. Es sind genau solche Entscheidungen, die den Ausschlag geben können.“
Der ehemalige englische Nationaltorhüter Joe Hart kritisiert Tuchel ebenfalls, wirft ihm fehlenden Glauben an das Team vor, nachdem der Trainer nach dem 1:0 durch England drei Verteidiger einwechselte: „Ich glaube, ihm (Tuchel) war klar, dass er damit zum Ausdruck brachte, dass er nicht an seine Mannschaft glaubte und nicht davon ausging, dass sie Argentinien noch weitere Treffer versetzen könnte.“
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