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Zum ersten Mal in 50 Jahren hat der DFB keine klare Nummer eins im Tor

Дата публикации: 13-07-2026 12:10:00

Jahrzehntelang war das deutsche Tor eine Bank, nun herrscht Chaos. Jonas Urbig könnte die neue Nummer 1 werden – obwohl er bei Bayern nur auf der Bank sitzt.

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Jahrzehntelang war das deutsche Tor eine Bank, nun herrscht Chaos. Jonas Urbig könnte unter Jürgen Klopp die neue Nummer eins werden – obwohl er bei Bayern nur auf der Bank sitzt. Ein Novum.

Über fünf Jahrzehnte konnte sich die deutsche Nationalmannschaft darauf verlassen, dass die Torwartposition die stabilste im Kader war. Nun ist sie die offenste. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sieht erstmals „keine klare Nummer eins, wie wir sie in den vergangenen 50 Jahren gehabt haben“.

Im letzten Jahrhundert gab es jedoch keine deutsche Torwartfrage, sondern einen festen Platz im Tor.. Wer im Tor der Nationalmannschaft stand, war zugleich die Nummer eins in seinem Verein, oft sogar in der Liga.

Urbig ist Top-Kandidat auf DFB-Stammposten – bei Bayern ist er nur Nummer zwei

Diese Selbstverständlichkeit ist verschwunden, und Matthäus benennt das mit einem Satz, der bei aller Zuspitzung stimmt: „Das hat es, glaube ich, noch nie gegeben, dass eine Nummer zwei im Verein in einer großen Fußballnation wie Deutschland dann die Nummer eins ist.“ Wenn der Rekordnationalspieler das über 50 Jahre hinweg als Novum markiert, dann sollte man genau hinhören.

Jonas Urbig reiste mit der deutschen Nationalmannschaft als Trainigstorwart zur Fußball-WM

Jonas Urbig reiste mit der deutschen Nationalmannschaft als Trainigstorwart zur Fußball-WM IMAGO / MIS

Der Fall Jonas Urbig führt die neue Lage vor. Der 22-Jährige gilt als Favorit, unter dem künftigen Bundestrainer Jürgen Klopp der Stammtorwart des DFB zu werden – und sitzt beim FC Bayern hinter Manuel Neuer. Der 40-Jährige spielt für die Nationalmannschaft nicht mehr, hat in München aber um ein weiteres Jahr verlängert.

Das ergibt die absurde Konstellation, dass ein Klub-Ersatzmann international die höchste Stufe erklimmen könnte, während er im eigenen Verein wartet. Matthäus sieht bei Urbig „große Chancen“ und erwartet mehr Einsatzzeiten in München. Doch Chancen und Einsatzzeiten sind Konjunktive, keine Gewissheiten.

Bei der WM noch Trainingstorwart, soll Urbig jetzt deutsche Nummer eins werden

Man muss sich vor Augen halten, wie weit der Weg noch ist. Bei der WM in Amerika war Urbig lediglich Trainingstorhüter, er gehörte nicht einmal zum offiziellen 26-Spieler-Kader. Vom Rand des Trainingsbetriebs zur Nummer eins einer WM-Nation – das ist kein sanfter Aufstieg, sondern ein Sprung.

Wer diesen Sprung als naheliegend verkauft, verkennt, dass Torhüter nicht aus dem Nichts Autorität gewinnen. Sie brauchen Spiele, Verantwortung, das Vertrauen eines Klubs, der sie nicht länger auf die Bank setzt.

Für die Torwartposition gibt es kaum Alternativen

Die Alternative macht die Verlegenheit nur deutlicher. Matthäus nennt „einige“ Kandidaten, darunter Oliver Baumann, den Julian Nagelsmann degradiert hat. Ein 36-Jähriger, den der bisherige Bundestrainer bereits zurückgestuft hat, taugt kaum als Zukunftslösung.

Oliver Baumann und Manuel Neuer im DFB-Training

Manuel Neuer (r.) trat nach dem WM-Aus wieder aus der Nationalmannschaft zurück, Baumann (2.v.r.) ist keine Zukunftslösung im deutschen Tor (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Bei der WM war Neuer als Rückkehrer die Nummer eins vor Baumann und Alexander Nübel, der neuerdings in Istanbul spielt. Die Bilanz dieser Aufzählung: viele Namen, keine Hierarchie.

Klopp will Position „in Ruhe durchdenken“

Der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp erbt also keine gesicherte Lösung, sondern eine Baustelle. Dass Klopp die Position „in Ruhe durchdenken“ wolle, klingt vernünftig – und ist doch ein Eingeständnis. Ruhe braucht man dort, wo keine Klarheit herrscht.

Ob Urbig den Sprung schafft, entscheidet sich nicht auf der DFB-Ebene, sondern in München, wo Neuer weiter vor ihm steht. Solange sich das nicht ändert, bleibt die Beförderung eines Ersatzmanns zur Nummer eins genau das, was Matthäus beschreibt: etwas, das es so noch nie gab. Der deutsche Fußball muss lernen, dass die Torwartfrage wieder eine echte Frage ist.

Von Pit Gottschalk

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