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Der DOSB schlingert erneut bei der Olympiabewerbung

Дата публикации: 11-09-2025 16:26:23

Otto Fricke erlebt in den ersten Tagen als neuer Vorstandschef mit, wie seltsam der DOSB agiert und kommuniziert. Bei der Olympiabewerbung läuft es nun auf eine Kampfabstimmung hinaus.

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DOSB-Vorstandschef Otto Fricke
Neuer Vorstandschef, altes Thema Der DOSB schlingert erneut bei der Olympiabewerbung

Stand: 11.09.2025 • 18:26 Uhr

Otto Fricke erlebt in den ersten Tagen als neuer Vorstandschef mit, wie seltsam der DOSB agiert und kommuniziert. Bei der Olympiabewerbung läuft es nun auf eine Kampfabstimmung hinaus.

Eines war Otto Fricke ein großes Anliegen: Der neue Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) betonte am Donnerstag (11.09.2025) auf seiner ersten Pressekonferenz in neuer Funktion, dass er immer gerne Sport getrieben habe. Zwar nie leistungsorientiert, aber immerhin. Basketball und Volleyball in der Schulmannschaft, zählte er auf, dazu Schwimmen, Badminton, Alpin-Skifahren, Skilanglauf, Ultimate Frisbee und - seine Lieblingssportart als Zuschauer - Baseball. Eine Gleitschirmfliegerlizenz habe er übrigens auch.

Fricke ging damit direkt in die Offensive gegen den augenscheinlichsten Vorbehalt: Jemand, der mit dem Vereins- und Verbandssport und mit der Sportpolitik bisher kaum zu tun hatte, ist nun oberster Festangestellter des Sport-Dachverbands. Fricke ist 59 Jahre alt, kommt aus Krefeld, ist Jurist und saß von 2002 bis 2025 mit kurzer Unterbrechung für die FDP im Bundestag. Anfang des Jahres ist die FDP aus dem Bundestag gewählt worden, deshalb brauchte Fricke eine neue Aufgabe und fand sie in Frankfurt.  

Lange Politiker, jetzt Sportlobbyist

Dem DOSB war Frickes politischer Hintergrund offenbar wichtiger als Berührungspunkte mit dem Sport. "Als langjähriges Mitglied des Deutschen Bundestages verfügt Otto Fricke über ein hervorragendes politisches Netzwerk und genießt über Parteigrenzen hinweg hohes Ansehen", ließ sich DOSB-Präsident Thomas Weikert zitieren, als die Personalie im Juni verkündet wurde. Es ist die zentrale Aufgabe des Vorstandsvorsitzenden, für den Sport in Berlin zu lobbyieren. 

Aus der Politik in die Lobbyarbeit - das hat oft einen Beigeschmack. Im Fall von Fricke sorgte sein Vorhaben, weiter ehrenamtlicher Beisitzer im FDP-Bundesvorstand zu bleiben, für Kritik. Seiner Neutralität tue dies jedoch keinen Abbruch, sagten auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" damals sowohl Fricke als der DOSB. 

Ob Fricke aber weiß, worauf er sich als DOSB-Vorsitzender einlässt? Der Dachverband ist dauerhaft getrieben von den Interessen seiner Mitgliederverbände. Die Sportfachverbände haben viel Einfluss, die Landessportbünde ebenfalls. Und in Sachen Transparenz agiert der DOSB oft fragwürdig, beides bekam Fricke direkt zu spüren.

Olympiabewerbung: Plötzlich doch eine Kampfabstimmung möglich

Er musste sich auf der Pressekonferenz Fragen gefallen lassen, warum der DOSB auf seinem Schlingerweg Richtung Olympiabewerbung (für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044) eine erneute Kurve genommen habe. Der schon oft geänderte Plan sah zuletzt vor, dass der DOSB und der Bund die vier Olympia-Bewerbungen aus München, Hamburg, Berlin und Rhein/Ruhr bewerten. Der beste Kandidat sollte dann der außerordentlichen Mitgliederversammlung im September 2026 vorgelegt werden, die DOSB-Mitglieder hätten also nur noch ja oder nein sagen können.

Dass dies vor allem den olympischen Sportfachverbänden nicht passte, war offensichtlich. Ihnen obliegt es laut DOSB-Satzung, einen Kandidaten für eine deutsche Olympiabewerbung zu bestimmen. Hinzu kommt, dass sie sich auch bei anderen Themen immer wieder zu spät eingebunden fühlen seitens des DOSB. 

Eine Kampfabstimmung wird wahrscheinlich

Anscheinend haben sie dieses Mal Gehör gefunden, denn der DOSB hat sein "Drei-Stufen-Modell" ergänzt um den Zusatz: "... die am besten bewerteten Konzepte ..." - ohne dies öffentlich zu kommunizieren. Es ist nun also möglich und gar nicht unwahrscheinlich, dass es im September 2026 bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung zu einer Kampfabstimmung kommt.

Fricke ließ durchblicken, dass diese Änderung Konflikten vorbeugt. "Unsere Mitgliederverbände würden spätestens im Dezember sagen: Wir wollen nicht einen, wir wollen mehrere." Im Dezember steht die turnusmäßige Mitgliederversammlung an.

Von "Roadmap 3.0" zum "Drei-Stufen-Modell" - oder doch nicht?

Einen Paradigmenwechsel sieht er jedoch nicht und verweist auf den Beschluss der Mitgliederversammlung 2024. Diese sei für ihn oberste Maßgabe und dort sei in einer "Roadmap 3.0" von "mindestens" einem Bewerbungskonzept die Rede - also potenziell mehreren. Den DOSB-Mitgliedern Auswahlmöglichkeiten zu geben, sei ohnehin ein viel transparenterer Ansatz. "Sonst wäre das doch in einem Inner Circle passiert."

Allerdings konnte der DOSB die verabschiedete "Roadmap 3.0" nicht einhalten und stellte stattdessen im April 2025 das "Drei-Stufen-Modell" vor. Darin sollte der Mitgliederversammlung ausdrücklich nur ein Konzept vorgelegt werden. Auf der Pressekonferenz sagte eine Sprecherin des DOSB nun, dies sei auf der präsentierten Folie möglicherweise falsch dargestellt gewesen.

Konkurrenzkampf zieht sich hin

Also nur ein Missverständnis? Ein kleiner Formulierungsfehler? Vermutlich ist es der Stabsstelle Olympiabewerbung mit ihrem Leiter Stephan Brause einfach unangenehm, dass sie von der Beschlussvorlage abgewichen ist und zum wiederholten Mal umschwenken musste. Anfangs hatte der DOSB betont, ein Ausscheidungskampf zwischen mehreren deutschen Bewerbern solle verhindert werden, man wolle sich auf eine gesamtdeutsche Bewerbung einigen. Dieser Plan ist schon länger passé.

Nun gibt es doch einzelne Bewerbungen aus Städten und Regionen, Konkurrenzkampf inklusive. Für die Bewerber ist es am Ende ein Riesenunterschied, dass sie nicht etwa ein Auswahlgremium überzeugen müssen, wie zuletzt verkündet, sondern die Mitgliederversammlung. Außerdem ist nun klar: Der (nicht gewollte) Konkurrenzkampf wird sich noch bis zum September 2026 hinziehen und sicherlich verschärfen. Und am Ende gibt es drei Verlierer - auch das wollte man verhindern.

Fragwürdiger Erfolg "Sportmilliarde"

Die Olympiabewerbung wird Frickes größte Baustelle, aber sie ist längst nicht die einzige. Beim Dauerthema Spitzensportreform hielt er sich mangels Einarbeitungszeit zurück. Beim ähnlich dringenden Thema Sportstättenförderung bezeichnete er - ähnlich wie sein Interims-Vorgänger Volker Bouffier - die von der Bundesregierung stolz präsentierte "Sportmilliarde" als Erfolg für den Sport.

Allerdings wird diese Milliarde über die gesamte Legislaturperiode gerechnet, was unter dem Strich gar keine Steigerung bedeutet im Vergleich zu den Sport-Infrastrukturinvestitionen der Vorgängerregierung.

Fricke hat Sportstätten-Förderprogramm mitinitiiert

Interessant war die Information, dass Fricke einer der drei Erfinder des Programmes "Sport, Jugend und Kultur" war. Dies war der jüngste Fördertopf für kommunale Infrastruktur seitens des Bundeshaushaltsausschusses - und er hatte viele Schwächen.

"In dem Verfahren haben wir gemerkt, dass es viel zu bürokratisch ist", räumte Fricke ein. "Das Problem bei Fördergeldern ist, dass jede Ebene zuständig sein will, noch eine Regelung drunterschreibt und die Bemitleidenswerten am Ende die diejenigen sind, die die Anträge stellen müssen."

Wegen des großen Aufwandes verzichteten viele Kommunen darauf, sich überhaupt zu bewerben. Finanzstarke Kommunen dagegen profitierten überdurchschnittlich, ebenso wie Kommunen mit guten Kontakten in den Haushaltsausschuss. So erhielt Hamburg am Ende 21 Zusagen, vergleichbare Großstädte wie Köln, Frankfurt oder Stuttgart dagegen gar keine.

Vertrag läuft über drei Jahre

Wie genau das Bundesfördergeld künftig verteilt wird, ist noch offen, aber Fricke weiß nun zumindest, wie man es nicht machen sollte. Sein Vertrag hat eine Laufzeit von drei Jahren mit der Option auf Verlängerung von zwei Jahren - wenn es ihm denn in dieser besonderen Welt der Sportverbände gefällt.

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