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Olympia-Bewerbung - Ein Wettstreit, den keiner wollte

Дата публикации: 28-05-2025 19:30:25

Gleich vier deutsche Regionen wollen Olympia ausrichten. Die Kandidaten bringen sich in Stellung für einen Konkurrenzkampf, der ursprünglich vermieden werden sollte. Wichtige Fragen sind weiter offen.

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Die olympischen Ringe an einem Netz
Vier Regionen konkurrieren Olympia-Bewerbung - Ein Wettstreit, den keiner wollte

Stand: 28.05.2025 • 21:30 Uhr

Gleich vier deutsche Regionen wollen Olympia ausrichten. Die Kandidaten bringen sich in Stellung für einen Konkurrenzkampf, der ursprünglich vermieden werden sollte. Wichtige Fragen sind weiter offen.

Deutschland will Olympische Sommerspiele ausrichten, das ist klar, zumindest aus Sicht der Politik und des organisierten Sports. Unklar ist dagegen fast alles andere. Kommt eine Bewerbung für 2040? Oder doch 2036? Oder erst 2044? Und vor allem: Wie sieht das Konzept aus?

Während sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bei der Jahreszahl alles offen lässt, kommt in die Konzeptfrage nach mehreren Jahren Schlingerkurs Bewegung. Die vier interessierten Regionen stellen derzeit nach und nach ihre Pläne vor, sollen ihre Unterlagen bis zum 31. Mai beim DOSB einreichen. Das Bewerberquartett: Berlin, München, Hamburg und die Rhein-Ruhr-Region.

"One-Village-Prinzip" ändert alles

Ein Konkurrenzkampf unter mehreren Interessenten - genau das sollte ursprünglich vermieden werden. Um besonders nachhaltig zu sein, wollte der DOSB eine Bewerbung, ohne dass auch nur eine Sportstätte neu gebaut werden müsste. Weil dies keine Stadt gewährleisten kann, lief es auf eine Zusammenarbeit mehrerer Städte oder gar eine bundesweite Bewerbung hinaus. Man wollte sich einvernehmlich auf ein Konzept einigen, so der Plan.

Doch dann brachte der DOSB das "One-Village-Prinzip" ins Spiel. Im Internationalen Olympischen Komittee, so habe man vernommen, lege man demnach Wert darauf, dass es wie gewohnt nur ein großes olympisches Dorf gibt mit kurzen Anreisezeiten zu den Wettkampfstätten. Einen Beleg dafür, dass man beim IOC auf einem zentralen Ort besteht, gibt es nicht.

Vier Bewerbungen, mindestens drei Verlierer

Der DOSB änderte dennoch seine Taktik mit dem Resultat, dass es nun einen nationalen Vierkampf gibt, der jeden Bewerber Steuergeld kostet und bei dem mindestens drei dieser Initiativen leer ausgehen werden. Nicht alle sehen diesen nationalen Wettbewerb kritisch. "Es ist gut, dass vier Städte sagen: Wir wollen das machen", meint Wolfgang Maennig, Ruder-Olympiasieger von 1988.

Als Sportökonom hat er sich vielfältig mit der Finanzierung von Olympischen Spielen beschäftigt. "Stellen sie sich die andere Situation vor: Der Kanzler will das haben und keine Stadt ist bereit. Es ist also ein gutes Zeichen, dass wir Aktivität haben, eine gewisse Lust haben, das zu tun", sagte Maennig der Sportschau.

Söder eröffnet Konkurrenzkampf

Wenig überraschend eröffnete Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den innerdeutschen Olympia-Wettstreit. "Wenn man Erfolg haben will, dann mit München und Bayern", sagte Söder am Dienstag vergangener Woche (20.05.2025). Bereits Ende 2024 hatte er im Sportschau-Interview gegen die Bewerbung aus Nordrhein-Westfalen gestichelt: "Die Welt kennt die Weltstädte München oder Berlin. Ob einzelne Städte im Ruhrgebiet und am Rhein international vergleichbar sind und eine Faszination wie Paris oder London haben, ist doch fraglich."

Die Konstellation mit Nordrhein-Westfalen, wo sich Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) für die Spiele an Rhein und Ruhr einsetzt, ist politisch spannend. Wüst gilt als möglicher Unions-Kanzlerkandidat nach Friedrich Merz und steht damit automatisch in Konkurrenz zu Söder, der seit Jahren auf die Kanzlerschaft schielt. Dabei hat er schon Armin Laschet, Wüsts Vorgänger als NRW-Landeschef und Unions-Kanzlerkandidat 2021, das Leben schwer gemacht.

Drei-Stufen-Modell des DOSB

Es wird viele Gelegenheiten für Reibereien unter den vier Kandidaten geben, denn der Konkurrenzkampf dürfte mehr als ein Jahr dauern. Das geht aus dem Drei-Stufen-Modell hervor, das der DOSB entwickelt hat. In Stufe eins prüft der Sport-Dachverband die Konzepte bis September 2025. In Stufe zwei haben die Bewerber Zeit, Referenden abzuhalten - die aber keine Pflicht sind.

In Stufe drei will der DOSB gemeinsam mit dem Bund ein Konzept auswählen und bis Ende September 2026 einer außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung zur Verabschiedung vorlegen.

Wer entscheidet?

Das wirft zwei Fragen auf: Wie gut finden es die olympischen Sportfachverbände, dass sie am Ende auf der Mitgliederversammlung nur noch ein Konzept absegnen sollen? Zumal, und das ist die zweite Frage, noch völlig unklar ist, wer zuvor die Auswahl trifft. Es soll - so der Plan - ein Gremium aus Sport und Politik geben, dass den besten der vier Kandidaten ermitteln soll. Wer in diesem Gremium vertreten sein wird, ist derzeit noch unklar.

Maennig verweist mit Blick auf die Vorauswahl eines Bewerbers auf Deutschlands gescheiterte Kandidatur für Olympia 2012. Damals hatte sich Leipzig in einer Wahl der DOSB-Mitglieder gegen Hamburg durchgesetzt. "Das war ein demokratisches Verfahren, aber es wurde mit Leipzig eine schöne, aber zu kleine Stadt gewählt, die ganz schnell vom IOC beiseite getan wurde. Es kam also bei einer fairen Entscheidung die falsche Stadt heraus."

Indien und Afrika als Konkurrenz

Leipzig trat damals in Konkurrenz mit Metropolen wie Rio de Janeiro, Moskau, New York, Madrid, Paris und London - das letztlich den Zuschlag erhielt. Wie steht es dieses Mal um Deutschlands Chancen im internationalen Vergleich?

Maennig glaubt, dass sich die Diskussionen im IOC aktuell eher um Länder außerhalb Europas drehen. "Vor allem um Indien: das größte Volk der Welt, sehr wachstumsstark, ein Markt, der noch nicht bespielt ist von der olympischen Familie. Dann haben wir jetzt eine IOC-Präsidentin aus Afrika. Sie hat ja erklärt, sie möchte gerne, dass die Spiele in Afrika stattfinden."

Viele missglückte Anläufe

Hinzu kommt die ebenfalls noch offene Frage, wann das IOC über die Vergabe der Spiele ab 2036 entscheidet. So setzt Deutschland auf das von IOC-Mitglied Michael Mronz vorgegebene Credo: "Wenn Europa gefragt ist, muss Deutschland bereit sein."

Seit München 1972, also seit bald 53 Jahren, hat es hierzulande keine Olympischen Spiele mehr gegeben. Im Vergleich zu anderen großen Industrienationen ist das eine lange Zeit. Mit wem Deutschland in das nächste Olympia-Rennen geht? Der Wettbewerb darum ist eröffnet.

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