Wer geht für Deutschland ins Rennen um Olympische Spiele? München, Hamburg, Berlin und "KölnRheinRuhr" kämpfen darum, der deutsche Olympiabewerber zu werden, und geben dafür schon jetzt viel Geld aus.
Stand: 19.03.2026 • 11:42 Uhr
Wer geht für Deutschland ins Rennen um Olympische Spiele? München, Hamburg, Berlin und "KölnRheinRuhr" kämpfen darum, der deutsche Olympiabewerber zu werden, und geben dafür schon jetzt viel Geld aus.
Deutschland soll Gastgeber des größten Sportereignisses der Welt werden. So wünscht es sich zumindest der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der sich deswegen um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 bewerben möchte. Einzig wo genau die Spiele stattfinden sollen, steht noch nicht fest, das will der DOSB im Herbst entscheiden. Kosten entstehen für die Bewerbungen allerdings schon jetzt.
Ausgaben für Konzept und BürgerbeteiligungAktuell sind Berlin, Hamburg, München und der Verbund "KölnRheinRuhr", bestehend aus 17 Kommunen in Nordrhein-Westfalen, im Rennen. Kiel und Rostock-Warnemünde bewerben sich als Wassersport-Standorte in Kooperation mit dem jeweiligen Ausrichter. Hat sich der DOSB für einen Standort entschieden, geht dieser für Deutschland im internationalen Auswahlprozess des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) an den Start.
Um diesen Status zu erreichen, planen die möglichen Kandidaten schon jetzt jeweils mit Ausgaben zwischen rund sechs und 18 Millionen Euro für Konzepterstellung und Bürgerbeteiligung. Insgesamt summieren sich die Ausgaben der vier Bewerber auf rund 50 Millionen Euro.
In die Ausrichtung der Spiele werden große Hoffnungen gesetzt. Der DOSB wirbt damit, dass die Spiele "das Land einen, Zuversicht stiften und zu Höchstleistungen aller Art motivieren" könnten. Die Bewerberstandorte könnten außerdem mit finanzieller Unterstützung von Land und Bund für den Ausbau von Infrastruktur rechnen, sollten sie tatsächlich Austragungsort der Spiele werden. Die zusätzlichen Mittel könnten zum Beispiel den ÖPNV verbessern und Wohnraum schaffen.
Sanierungsbedarf im BreitensportRoland Schüler hält es dennoch für falsch, dass Länder und Kommunen so viel Geld in die Bewerbung investieren. Er ist Bezirksbürgermeister des Kölner Stadtteils Lindenthal und engagiert sich im Bündnis "NOlympia Colonia". Für die Bewerbung um die nationale Kandidatur als Austragungsort rechnet die Stadt Köln mit Ausgaben von etwa 2,5 Millionen Euro. Rund 85 Prozent davon übernimmt das Land NRW. So eine Summe, meint Schüler, wäre besser in Kölner Fußballplätze, Schwimmbäder oder Schulsporthallen investiert.
Schüler steht neben dem Gymnasium Kreuzgasse in der Kölner Nordstadt. Neben dem maroden Schulgebäude sind Bauzäune aufgestellt. Sie umschließen ein großes Areal. Hier fahren Bagger zwischen aufgeschütteten Sandbergen, ein Basketballkorb ragt hinter einem orangefarbenen Baucontainer hervor. Bis vor ein paar Jahren war das der Sportplatz der Schule. Jetzt entsteht hier ein Interimsbau. In den soll die Schule umziehen, während das alte Gebäude saniert wird. Die Arbeiten sollen bis 2030 dauern.
Teilweise teilen sich acht Mannschaften die Trainingszeit auf einem Fußballfeld.
Roland Schüler, Bündnis "NOlympiaColonia"
Während dieser Zeit könnten Kölner Sportvereine den Sportplatz nicht nutzen, kritisiert Schüler. Und auch die Trainingszeiten in der Schulsporthalle würden dem Breitensport fehlen. In ganz Nordrhein-Westfalen gäbe es viele solcher Fälle. Die Konsequenz: Sportvereinen fehlen die Kapazitäten für ihre Angebote. "Teilweise teilen sich acht Mannschaften die Trainingszeit auf einem Fußballfeld", so Schüler.
Der Sanierungsbedarf in Sportinfrastruktur ist groß. In Nordrhein-Westfalen beträgt er laut Landessportbund rund 3,5 Milliarden Euro. Bundesweit beläuft sich die Summe auf etwa 15,6 Milliarden Euro. Angesichts des hohen Bedarfs des Breitensports hält Schüler Ausgaben für eine Olympia-Bewerbung für unverantwortlich.
Hoffnung auf Milliardenzuschüsse durch OlympiaDie Bewerberstandorte hingegen argumentieren damit, dass gerade die Austragung von Olympischen und Paralympischen Spielen ein Boost für die lokale Infrastruktur sei. So schreibt etwa der Berliner Olympiabeauftragte Kaweh Niroomand auf Anfrage: "Sollten die Spiele tatsächlich nach Berlin vergeben werden, würden Investitionen in Milliardenhöhe in die Stadt fließen – Mittel, die ohne eine solche Veranstaltung in dieser Form nicht zur Verfügung stünden und die auch für Infrastruktur und Sportstätten genutzt würden." Die anderen Bewerber argumentieren ähnlich.
Sollten die Spiele tatsächlich nach Berlin vergeben werden, würden Investitionen in Milliardenhöhe in die Stadt fließen.
Kaweh Niroomand, Olympiabeauftragter Berlin
Tatsächlich könnte sich der Ausrichter der Spiele über Zuschüsse für die Infrastruktur freuen. Nur ist der Weg dahin noch weit. Welchen Einfluss die Zuschüsse durch Olympia tatsächlich auf die Sportinfrastruktur des Breitensports hätten, hinge außerdem stark vom konkreten Umsetzungskonzept ab und ist zum jetzigen Zeitpunkt deshalb schwer zu prognostizieren. Der hohe Sanierungsbedarf in den Kommunen besteht unabhängig davon bereits jetzt.
Veränderte Anforderungen des IOCKlar ist auch: Drei der vier Standorte werden trotz ihrer aktuellen Investitionen in die Bewerbung im Herbst leer ausgehen. Dass sich der DOSB nicht von vornherein für einen Standort entschieden und damit Kosten vermieden habe, läge an den veränderten Anforderungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), sagt Jürgen Mittag von der Deutschen Sporthochschule Köln. Eigentlich habe der DOSB geplant, eine Bewerbung in die Wege zu leiten, die bundesweit Sportstätten umfasst, so Mittag. Mit der sogenannten "New Norm" habe das IOC 2018 aber ein neues Verfahren entwickelt, das unter anderem die Reduzierung von Kosten und Nachhaltigkeit in den Fokus stellt und einen stärkeren Dialog des IOC mit den potenziellen Austragungsorten der Spiele vorsieht.
"Nicht zuletzt unter dem Eindruck der Spiele in Paris, die durch die Verbindung von städtischer Infrastruktur mit Sportwettbewerben bestachen, wurde die Idee der urbanen Dimension der Spiele in den Vordergrund gerückt", so Mittag. Dadurch sei klar geworden, dass der DOSB mit einer flächendeckenden Bewerbung, bei der die Wettkämpfe über die vorhandenen Spielstätten bundesweit verteilt gewesen wären, keinen Erfolg haben würde. Das habe zur aktuellen Situation geführt.
Bewerbungskosten als notwendiges Übel"Keiner der einzelnen Bewerberstandorte kann aktuell allen Kriterien Rechnung tragen", sagt Mittag Die Ausgaben, die nun für die nationale Bewerbungsphase getätigt werden, bezeichnet er als notwendiges Übel. Die Anzahl an internationalen Konkurrenten sei gerade bei Sommerspielen groß. "Wenn man von deutscher Seite ernsthaft eine Bewerbung in die Wege leiten möchte, ist es vor diesem Hintergrund zwingend notwendig, dass sie ein entsprechendes Niveau hat", so Mittag.
Keiner der einzelnen Bewerberstandorte kann aktuell allen Kriterien Rechnung tragen.
Jürgen Mittag, Deutsche Sporthochschule Köln
Um sich für einen der nationalen Bewerber zu entscheiden, hat der DOSB Bewertungskriterien aufgestellt. Zu denen zählt auch die "nationale Akzeptanz". Darum führen München, Hamburg und "KölnRheinRuhr" Bürgerreferenden durch. In München hat sich dabei bereits im vergangenen Oktober der Großteil der Bevölkerung hinter die Bewerbung gestellt. Rund 6,7 Millionen Euro hatte die Stadt dafür investiert. Der Entscheid in Hamburg findet Ende Mai statt, dafür sind rund 7,1 Millionen Euro veranschlagt. Im Verbund "KölnRheinRuhr", wo das Referendum am 19. April stattfinden wird, geben Kommunen und Land gemeinsam rund 11,3 Millionen Euro dafür aus.
Werbekampagne für ein JaDie Referenden begleiten die Bewerberstandorte mit Öffentlichkeitskampagnen. So investiert zum Beispiel das Land NRW zusätzlich zu den genannten Ausgaben etwa 2,5 Millionen Euro in die Öffentlichkeitsarbeit rund um den Entscheid. Um eine ausgewogene Informationskampagne, die die Stimmberechtigten dabei unterstützen würde, sich über potenzielle Vor- und Nachteile der Spiele zu informieren, handelt es sich dabei allerdings nicht. Auf den Plakaten, die seit Wochen an Bushaltestellen und Litfaßsäulen der beteiligten Kommunen hängen steht: "Dein JA schreibt olympische und paralympische Geschichte". Angesichts des hohen Einsatzes, der hinter der Entscheidung steckt, würde ein Nein wohl auch Geschichte schreiben.
| Bewerber | Ausgaben (gerundet) |
|---|---|
| Hamburg | 18.070.000 |
|
München
Zuschuss Freistaat Bayern (Angabe umfasst nur bereits getätigte Ausgaben) |
7.700.000
350.000 |
| VerbundKölnRheinRuhr | 17.000.000 |
| - davon Anteil Land NRW | 14.500.000 |
| - davon Anteil der beteiligten Kommunen | 2.500.000 |
| Berlin | 6.000.000 |
| Leipzig (als Berlin+ Partner) | 200.000 |
| Kiel | 400.000 |
|
Rostock / Warnemünde
Zuschuss Mecklenburg-Vorpommern |
75.000
250.000 |
| Gesamt | 50.042.000 |
Quelle: Angaben der Länder und Kommunen
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