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Ein bisschen Stabü-Unterricht: Bildungsminister für mehr Demokratiebildung an Schulen

Дата публикации: 21-08-2026 01:33:00

Die Kultusminister Sachsens, Sachsen-Anhalts, Thüringens und erstmals Brandenburgs haben sich verständigt, wie man Bildungspolitik vereinheitlichen kann. Das sind die Absprachen.

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Halles Oberbürgermeister Alexander Voigt hatte im kleinen Saal des Stadthauses am Donnerstagnachmittag gleich vierfach ministerialen Besuch: Die Bildungsminister aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und erstmals auch aus Brandenburg haben sich in seiner Stadt zu einer Netzwerkkonferenz getroffen, um sich über gemeinsame Herausforderungen in der Bildungspolitik der Zukunft zu verständigen.

Gastgeber war diesmal Jan Riedel (CDU), der eben an jenem Tag den Spatenstich zur Baufeldfreimachung für das Zukunftszentrum in Halle vorgenommen hatte. Er erklärte, die Schule habe eine wichtige Funktion auch im Bereich der Demokratiebildung junger Menschen. Man habe im Viererbündnis beschlossen, dass Demokratiebildung künftig eine fächerübergreifende Aufgabe sei. DDR-Schüler dürften sich dabei wohl an den einstigen Staatsbürgerkunde-Unterricht erinnert fühlen.

„Schulen sind keine demokratiefreien Räume. Wir müssen Lösungen finden, wie wir mit extremistischen Einflüssen umgehen. Dabei sollte es einen Transfer zwischen den Bundesländern geben“, betonte er. Man wolle beispielsweise von Erfahrungen Sachsens lernen, wo man gerade ein Projekt gegen Extremismus an Schulen gestartet habe. „Die Stärkung des Erinnerns und der historischen Bildung, über die Nazi-Zeit, den Holocaust, die SED-Diktatur und die deutsche Teilung ist uns sehr wichtig. So haben wir verabredet, den Fortbildungsaustausch für Lehrkräfte in diesen Bereichen zu ermöglichen und die Landeszentralen für politische Bildung stärker zu vernetzen“, sagte Riedel.

Sportmilliarde ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Es sei kein „nice to have“, sondern die Pflicht der Lehrkräfte, für demokratische Strukturen einzutreten; das müsse ins Bewusstsein der Lehrkräfte einfließen. Sein Kollege Gabriel Clemens berichtete, dass auch der derzeit noch vorhandene Fachkräftemangel, aber auch die demografische Herausforderung bei sinkenden Schülerzahlen alle vier Berufskollegen vor große Probleme bei der Schulnetzplanung stellten.

Der sächsische CDU-Minister sprach davon, dass man in allen vier Ländern Bewegung und Sport eine bedeutsamere Rolle zuweisen wolle. Man werde Lehrplan-Standards abgleichen, denn auch der Spitzensport solle davon profitieren – gerade im Hinblick auf die Idee, in Mitteldeutschland 2036 oder 2040 Olympische Spiele zu veranstalten. „Potenzielle Olympiasieger von 2036/2040 sind heute schon in der Schule und brauchen anständige Sportstätten“, so Clemens, der bezüglich des Bauzustandes vieler Turn- und Schwimmhallen in Mitteldeutschland den Bund in die Pflicht nahm, der hier mittun müsse. Die Sportmilliarde für die Sanierung heruntergekommener Sportstätten sei hier nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Clemens benannte auch den bis dahin unsichtbaren Elefanten im Raum: die AfD, die im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt Ideen in der Bildungspolitik habe, einen Weg einzuschlagen, der beispielsweise bei Schulpflicht, Inklusion oder Integration von migrantischen Kindern in die falsche Richtung führe.

Schulen sollen Demokratie-Lernorte werden und Orte, an denen Sport und Bewegung eine größere Rolle spielen, haben die Kultusminister von vier mitteldeutschen Bundesländern beschlossen.

Schulen sollen Demokratie-Lernorte werden und Orte, an denen Sport und Bewegung eine größere Rolle spielen, haben die Kultusminister von vier mitteldeutschen Bundesländern beschlossen.

© Jens Kalaene/dpa

Vernetzung hilft, Lehrplaninhalte abzustimmen

Sein Thüringer CDU-Amtskollege Christian Tischner, der übrigens just in Halle Lehramt für Gymnasien studiert habe, wie er erzählte, bezeichnete vor allem den Generationswechsel der Lehrer in den Schulen als großes Thema, das alle Länder betreffe. Hier wolle man schauen, sich nicht ins Gehege zu kommen – sprich, sich gegenseitig kein Personal abzuwerben.

Er plädierte für mehr datengestützte Schulentwicklung, um gezielte Rückmeldungen für die Lehrkräfte über den Lernzuwachs der Schüler in den Klassen zu bekommen. Dazu bedürfe es „adressatenorientierter Lehrpläne“, bei deren Aufstellung man gut voneinander lernen könne.

Man fühle sich nach so einem Austausch nicht allein mit seinen Sorgen, wenn man sehe, dass in anderen Ländern der Schuh an der gleichen Stelle drückt, meinte der Kultusminister Brandenburgs, Gordon Hoffmann (CDU). Sein derzeitiges Thema sei die stärkere Verzahnung von Schule und Wirtschaftspraxis, bei der man von Sachsen-Anhalt vieles lernen könne. Dort seien bereits 60 Schulen involviert, die auf die Nutzung von Firmen als außerschulische Lernorte setzten.

Lehrer sollen stärker zu Wertebildnern werden

„Es ist hilfreich für Schüler, auch mal über die Schultafel hinauszuschauen. Wir haben jetzt ein Landesprogramm für praxisnahes Lernen aufgelegt, bei dem 22 Schulen in der Konzeptionsphase sind“, sagte Hoffmann, der sich den Seitenhieb auf seine Amtskollegen aber nicht verkneifen konnte. Die drei seien alle ausgebildete Lehrer und somit Teil des aktuellen Lehrermangel-Problems, meinte der studierte Sozialarbeiter süffisant.

Auf die Frage unserer Redaktion, ob man nicht den gesellschaftlichen Problemen in der Bildungspolitik zu sehr hinterherlaufe – vor Jahren mit der Fokussierung auf die Naturwissenschaften und nun auf Demokratiebildung, Gesellschaftswissenschaften und Sport, meinte Sachsens Bildungsminister, dass man keineswegs den Fokus auf die MINT-Fächer verliere, gerade auch mit dem Blick auf das Chemiedreieck Mitteldeutschland mit seinen Fachkräfebedarfen.

Allerdings müsse man auf die gesellschaftliche Zuspitzung reagieren. „Der Umgangston ist rauer geworden, also müssen wir Lehrer auch stärker als Wertebildner anhalten. Sie müssen die jungen Leute befähigen, sich vernünftig auszutauschen“, setzte Clemens den Fokus gegen die seiner Auffassung nach rassistischen und inhumanen Aussagen beispielsweise in Wahlprogrammen.

Die Frage, warum es denn 35 Jahre gedauert habe, bis die Erkenntnis gereift sei, dass der UTP- oder PA-Unterricht in der DDR vielleicht keine so dumme Idee gewesen sei, verwies Gordon Hoffmann auf seine Vorgänger im Amt, das er erst seit fünf Monaten ausübe. Er empfinde eine stärkere Verzahnung von Praxis und Schule als extrem sinnvoll. Schließlich gäbe es ja auch schon längere Erfahrung mit Praxislernen oder produktivem Lernen. Man wolle Schulen hier einfach flexiblere Möglichkeiten geben, neben der Kernstundentafel auch die Praxisorientierung zu verstärken.

Sein Kollege Tischner aus Thüringen gab sich dazu pragmatisch: „Schule ist gut beraten, wenn man auf Nachfrage aus der Wirtschaft reagiert. Eine frühe Orientierung durch verschiedene Betriebe ist gewollt. Und wir nehmen wahr, dass es manchen jungen Leuten für ihre Wertebildung und Haltung hilft, wenn ihnen der Handwerksmeister auch mal eine Ansage macht.“

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