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Mit dem aktuellen Bellini TMD präsentiert Transrotor einen Quasi-Klassiker, da er in nuce alle Tugenden der High End-Manufaktur vereint: Das perfekt gefertigte riemengetriebene Masselaufwerk präsentiert sich als ebenso luftiger wie massiver Traum in transparentem Acryl und glänzendem Aluminium mit Präzisionsantrieb, Top-Tonarm und dem berühmten TMD-Lager. Wie diese Klasse-Kombination klingt, zeigt unser Test.

Glänzender Auftritt: Der Transrotor Bellini TMD präsentiert sich als Traum-Laufwerk in transparentem Acryl und spiegelblankem Aluminium.
Transrotor ist etwas Seltenes gelungen: Die in Bergisch Gladbach beheimatete Manufaktur hat mit ihren in poliertem Metall und spiegelblankem Acryl gehaltenen Analoglaufwerken ein ikonisches Design geschaffen. Einen Transrotor erkennt man auf Anhieb – selbst wenn der Plattenspieler kein Firmenschild besäße. Zu den Markenzeichen des familiengeführten Traditionsunternehmens, das seit über 50 Jahre ausgezeichnete Masselaufwerke fertigt, gehört seit jeher auch eine kompromisslos-vorzügliche Fertigungsqualität mit exzellenter Lager- und Antriebstechnologie – und nicht selten eine imposante Dimensionierung und eine expressive geschwungene Formgebung. Solche Edel-Laufwerke liegen preislich locker im fünfstelligen Bereich. Aber Transrotor kann auch anders und hat einige Modelle in petto, die – gemessen an High End-Verhältnissen – sehr bezahlbar sind. Dazu gehört der Bellini TMD. Dirk Räke, der das Unternehmen in zweiter Generation leitet, hatte hier als Idee ein einfaches, kleiner dimensioniertes Laufwerk im Kopf, das mit hauseigenem Know-how und Transrotor-Technik punktet und das ikonische Design eher klassisch und dezent als opulent tradiert.

Die massiven Füße ragen durch die zweieinhalb Zentimeter starke Zarge. Alle drei Füße sind durch einfaches Drehen in der Höhe verstellbar, um den Plattenspieler in die Waagerechte zu bringen. Die hochgeschmeidige Bedienung diese Füße ist ein haptischer Genuss.
Herausgekommen ist der Bellini TMD – doch von der Idee bis zur Realisation hat es geraume Zeit gedauert. Transrotor ist ein kleiner Betrieb mit kaum 20 Mitarbeitern, nicht nur die Fertigung in Handarbeit, sondern auch die Entwicklung ist eine Team-Leistung, bei der die verschiedenen Spezialisten frühzeitig und dauerhaft in den Entstehungsprozess involviert sind. Und weil Transrotor auch im Kleinen keine Qualitätskompromisse macht, hat die Vollendung dieses scheinbar einfachen Laufwerks doch etwas mehr Zeit in Anspruch genommen. Einfach ist bei diesem Laufwerk eigentlich nur die Formgebung: Das Chassis des Bellini bildet eine rechteckige, 46 mal 40 Zentimeter messende Zarge aus zweieinhalb Zentimeter starkem, transparentem Acryl. Dank dieser glasklaren Tragfläche hat der Bellini einen luftig-leichten Auftritt, obwohl er – wie jeder Plattenspieler von Transrotor – ein Masselaufwerk ist und mit einer Gewichtigkeit von 25 Kilo aufwartet. Alternativ bietet Transrotor den Bellini auch mit Schieferzarge an, was Anmutung, Gewicht und Preis merklich ändern.
Unser transparenter Acryl-Bellini schließt mit einer ebenso durchsichtigen Plexiglas-Haube ab. Sie gehört allerdings nicht zur Grundausstattung, sondern ist als Zubehör erhältlich. Mit dieser optionalen Haube ist der Bellini einer von zwei Modellen aus dem aktuellen Transrotor-Portfolio, die überhaupt einen Staubschutz bieten können – und was für einen: Die dickwandige Abdeckung ist mit ihren akkuraten Klebungen und staunenswerten Biegungen ein Meisterstück. Die Haube steckt in zwei ebenso robusten wie aufwändigen und einstellbaren Scharniere, welche die schwere Abdeckung problemlos halten. Klangpuristen können diese Haube flott abnehmen. Soweit das luftig-leichte Acryl. Für die Schwere des Masselaufwerk sorgen nun alle seine Aluminium-Komponenten. Sie sind samt und sonders auf perfekten Hochglanz poliert, sodass man sie fast für verchromt halten könnte. Diese meisterhafte Oberflächenveredlung wird bei Transrotor aufwändig in Handarbeit für jedes einzelne Teil vollführt.

Die optionale, leicht abnehmbare Haube ist ein Meisterwerk der Fertigungstechnik. Hier findet die exzellente Material- und Verarbeitungsqualität des gesamten Laufwerks ihre Fortsetzung.
Beim Bellini glänzen zuerst die drei großen Gerätefüße. Sie sorgen mit ihrem zweiteiligen Aufbau, der die Acryl-Zarge ober- und unterseitig einfasst, zum einen für eine vibrationsminimierende Ankopplung an den Untergrund. Zum anderen gelingt mit diesen Füßen die Nivellierung, damit das Laufwerk absolut waagerechte steht. Dafür sind die Füße innseitig mit einer Gewindekonstruktion versehen und somit dreh- und höhenverstellbar. Dies geht wunderbar geschmeidig und präzise – und so ist das Austarieren schlichtweg ein haptischer Genuss und ein weiterer Beleg für die herausragende Fertigungsqualität bei Transrotor. Der nächste metallene Glanz stammt vom imposanten Teller: Dieser fast sechs Zentimeter hohe, massive Alu-Mühlstein ist aus dem vollen Metall gefräst und bringt daher wuchtige neun Kilo auf die Waage. Unterseitig steigern konzentrische eingefräste Rillen abermals die Resonanzarmut. Oberseitig ist in den Teller eine Acryl-Matte eingelassen, die den Kontakt zur Schallplatte besorgt und ebenfalls dämpfende Wirkung hat. Dieser seit Jahren bewährte Aufbau macht jegliches Matten-Tuning überflüssig.

Nimmt man den Plattenteller ab, kommt der berühmte der Transrotor-Magnetic-Drive (TMD) zum Vorschein. Dieses Lager agiert mit zwei Subtellern, die eine magnetische Kopplung besitzen und durch den gewünschten Schlupf etwaige Gleichlaufschwankungen des Motors egalisieren.
Unter dem Teller steckt nun ein Know-how-Highlight: der Transrotor-Magnetic-Drive (TMD). Dieses hydrodynamische Plattentellerlager mit Magnetkopplung ist seit über zwanzig Jahren des Herzstück aller höherwertigen Modelle. Das invertierte, ölgeschmierte Lager agiert mit zwei Subtellern. Der untere Subteller wird über den Riemen in Drehung versetzt. Seine Rotation übertragen mehrere geschirmte Magnetpaare auf den oberen Subteller. Er wird durch diese Magnetkupplung mitgezogen – mit einem gewünschten geringfügigen Schlupf. Das minimale Nachlaufen sorgt in Kombination mit der hohen Schwungmasse von Subteller und Teller dafür, dass Gleichlaufschwankung des Motors keine Wirkung entfalten. Diese magnetische Kopplung lässt den oberen Teller nun aber mitnichten kontaktlos schweben. Beide Subteller werden durch ein hochpräzise Kugellager gemeinsam seitlich gestützt. So stehen sie, wenn auch überaus reibungsarm, in mechanischem Kontakt. Der obere Subteller ruht zudem mit minimalem und darum ebenfalls reibungsarme Kontakt auf einer Keramikkugel, die oberseitig in die stählerne Lagerspindel eingelassen ist. Die ist der eigentliche Auflagepunkt der gesamten Teller-Konstruktion.
Nächstes Glanzstück ist der Motor. Er ist in einer schweren, kapselnden Metalldose untergebracht. Sie ragt hinten links durch eine Aussparung des Acryl-Chassis hindurch – also ohne Kontakt zur Zarge. Das verhindert Vibrationsübertragungen. Wir haben vorhin von etwaigen Gleichlaufschwankungen des Motors geredet. Sie sind denkbar gering, weil Transrotor auch beim Antrieb bewährte Top-Technik einsetzt. So kommt der Bellini in den Genuss jenes hochwertigen und extrem leisen Zweiphasen-Synchron-Motors, der auch bei den von uns bereits getesteten Transrotor-Laufwerken Zet 1 und Max Nero als kraftvoll-stabiler Antrieb agiert und damit für eine ruhige Rotation sorgt. Die Motordrehung wird durch einen kleinen Pulley auf den Riemen übertragen, der den Subteller umläuft und so den gesamten Teller in Bewegung versetzt. Der Riemen funktioniert dabei auch als Vibrationsentkopplung von Motor und Teller. Dieser Rundriemen ist – weitere Transrotor-Spezialität – nahtlos gefertigt. Auch diese Freiheit von Unregelmäßigkeiten durch eine Verklebungsstelle bürgt für einen perfekten Rundlauf.

Kraftvoll-konstanter Antrieb: Der Zweiphasen-Synchron-Motor arbeitet überaus akkurat, hochgradig schwankungsfrei und extrem leise. Er hat mit dem Chassis, in das er eingesetzt ist, keinen Kontakt. So werden Vibrationsübertragungen auf Laufwerk,Tonarm und Abtaster vermieden. Der bewirkt Rundriemen ebenso eine Entkopplung.
Sichtbar ist hiervon wenig, denn auf der Motordose sitzt eine Metall-Abdeckung, die allein eine seitliche Aussparung für den Riemen aufweist. Sie lässt den Bellini optisch noch aufgeräumter wirken. Der glänzend bedeckte Top-Motor besitzt nun auch noch eine Premium-Steuerung: Transrotor spendiert dem Bellini das Konstant Eins. Es ist die komprimierte Version des größeren Konstant Studio-Netzteils und bietet dessen Pluspunkte in einem edlen Alu-Gehäuse, das perfekt mit dem Design des Motors und der Standfüße harmoniert. Die aufwändige Steuerung arbeitet mit einem eigenen Generator, um den Motor mit absolut sauberer Spannung präzise ansteuern zu können. Dank zweier Trimm-Potenziometer ist sogar eine Geschwindigkeits-Feineinstellung möglich, um exakt 33 1/3 und 45 UpM zu erreichen. Das Umschalten zwischen diesen Geschwindigkeiten und das Einschalten des Bellini gelingt elegant über das Drehen des wunderbar gängigen Deckels. Durch eine kleine Deckel-Aussparung werden die auf der gekapselten Dose eingravierten Geschwindigkeitsangaben „0“, „33“ und „45“ sichtbar. Das ist absolut gediegen gelöst.

Der Bellini ist mit einer ausgelagerten Motorsteuerung und einem ebenfalls ausgelagerten (hier nicht abgebildeten) Schaltnetzteil ausgestattet. Zusammen ergeben sie das Konstant Eins-Netzteil. Es ist hier perfekt passend in einer hochglanzpolierten Aluminium-Dose untergebracht.
Wer den Bellini mit einer noch höherwertigen Steuerung betreiben möchte: bitteschön! Transrotor bietet hier verschiedene Upgrade-Möglichkeiten an. Das gilt ebenso für den Tonarm, den Abtaster und insgesamt günstigere Komplettpaket-Lösungen. Selbst Spezial-Konfigurationen macht die Manufaktur möglich. Unser Testmodell entspricht nahezu dem zweitkleinsten Ausstattungspaket. Es bietet bereits einen Spitzen-Arm: Auf der Tonarm-Basis thront der Transrotor TA 30, der auf dem Rega-Flaggschiff RB 3000 basiert. Er wird schon bei den Briten komplett von Hand gefertigt und dann in Bergisch Gladbach abermals optimiert. Dieser exzellente Neun-Zoll-Arm agiert mit einem Aluminiumrohr, das sich hin zur Kopfplatte leicht verjüngt und zugleich in der Wandstärke abnimmt. Durch diese ausgefuchste Masseverteilung glänzt der Arm mit exzellenter Steifigkeit sowie extremer Resonanz- und Vibrationsresistenz. Dank superber Lagerwellen und -sitze, die individuell zu jeweils perfekten Paaren selektiert werden, punktet der Arm mit herausragender Leichtgängigkeit und Spielfreiheit. Mit elf Gramm effektiver Masse harmoniert dieser eher leichte Arm mit den meisten marktgängigen Tonabnehmern.

Hier ist der Bellini mit dem Transrotor TA30 ausgestattet. Dieser einteilige Top-Tonarm basiert auf dem Rega RB 3000, dem Spitzenmodell des britischen Phono-Spezialisten.
Beim Abtaster bietet unser Bellini ein Sonder-Upgrade: Er ist mit dem Merlo Reference bestückt. Dieses Moving Coil-System basiert auf dem Goldring Elite. Es wird aber für Transrotor mit markanten Modifikationen gefertigt. Das aufgrund des massearmen Ankers eh schon geringgewichtige System ist hier nochmals leichter realisiert. Dafür wurde bei den Generatorspulen, die dieser Anker trägt, die Anzahl der Silberdraht-Wicklungen reduziert. Das System ist dadurch noch agiler und folgt umso getreuer dem Rillenverlauf. Allerdings ist das erzeugte Signal dadurch noch kleiner und sensibler. Die zweite Modifikation betrifft den Diamanten: Statt des ursprünglichen Gyger-S-Schliffs weist er den von Transrotor entwickelten Harmonic-Schliff auf. Dies ist ein speziell polierter Line-Contact-Typ. Er ermöglicht dem System eine hohe Abtastfähigkeit von 80 Mikrometern. Die Nadel taucht tiefer in die Rille ein und holt aus ihr mehr Musikinformation mit höherer Präzision und größerer Dynamik heraus. Schließlich unterliegt das System einer abermals strengeren Selektion zugunsten einer noch besseren Kanalgleichheit.

Der Bellini im Betrieb. Unter der Schallplatte sorgt ein neun Kilo schwerer Teller für ruhige Rotation. Über der Schallplatte bürgt mit dem Merlot Reference ein ausgezeichnetes Moving Coil-System für eine exzellente Abtastung der Vinyl-Rille. Der Diamant weist dafür den speziellen Harmonic-Schliff von Transrotor auf.
Das Aufbauen des Bellini ist, wie bei jedem Transrotor-Laufwerk, ein regelrechter Spaß. Die Manufaktur macht es dem stolzen Besitzer möglichst leicht – mit einer weitgehenden Vormontage und einer bestens verständlichen, bebilderten Bedienungsanleitung. So gelingt die waagerechte Ausrichtung des Chassis über die Höhenverstellung der Füße im Nu – wie auch die folgenden Schritte: Motor einsetzen und an die externe Steuerung samt Schaltnetztei anschließen, Lager schmieren, Riemen aufziehen, Teller aufsetzen. Nun brauchen wir nur mit dem Gegengewicht, das wir am hinteren Arm-Ende aufsetzen, das Rohr schwebend in die Waagerechte bringen und dann mit dem Auflagekraft-Rädchen am Tonarm das richtige Auflagegewicht einstellen. Das gelingt mithilfe einer Tonarmwaage. Damit ist das Aufbauen erledigt, denn Transrotor hat den Tonarm samt Abtastsystem bereits optimal montiert und perfekt justiert. Das gilt ebenso für die Geschwindigkeitseinstellungen der Motorsteuerung. Auch die optionale Haube ist anschließend mit zwei Handgriffen installiert. Diese Vorbereitung und Durchdachtheit der Montage seitens Transrotor ist vorbildlich.

Die exzellenten, selektierten Lager des Arms ermöglicht die maximal leichte und geschmeidige Beweglichkeit. Mit dem hintere Gegengewicht wird der Arm ausbalanciert. Das Auflagegewicht stellt man dann mit dem seitlichen Rändelrad ein. Die abschließende Antiskating, das die im Betrieb auf die Nadel wirkende Zugkraft ausgleicht, stellt man über den Schiebemechanismus ein, der frontal aus dem Lager herausragt. Das Tonarmrohr liegt auf diesem Bild auf der Bank auf. Sie lässt sich mit dem Lifthebel herrlich geschmeidig und hochpräzise anheben und absenken.
Für den Hörtest nehmen wir wie Haube aber erst einmal wieder ab. Wir schließen den Bellini an unseren Phono-Vorverstärker Lehmannaudio Decade und unseren Vollverstärker Hegel H360 an. Die Schallwandlung übernimmtt ein Paar Audio Physic Midex. Als erstes prüfen wir die Stille: Wir setzen den Transrotor in Gang, genießen beim Einschalten wieder das Deckel-Drehen der externen Antriebssteuerung, achten nun aber auf Motor und Laufwerk im Betrieb. Wir hören: nichts. Der Antrieb und das Lager agieren herrlich geräuschfrei. Top! Diese wohltuende Ruhe bleibt auch nach dem Einschalten der Verstärker erhalten: Kein Sirren, kein Brummen, kein Rauschen. Diese Stille ist keine Selbstverständlichkeit. Die meisten Plattenspieler liefern irgendein Geräusch, da sie mechanisch wie elektrisch überaus sensibel auf die Umgebung, die Klangkette und die Kabelverlegung reagieren. Gerade die Nähe von Strom- und Signalkabeln ist kritisch. Doch obwohl der Bellini mit einem hochempfindlichen MC-System spielt, das eine hohe Verstärkung erfordert, herrscht im Raum wunderbare Stille.

Im Betrieb wird der Motor durch eine aufgesetzte metallene Kappe kaschiert. So ist das Laufwerk optisch noch aufgeräumter.
Dank dieser Stille kommt die Musik umso besser zur Geltung. Das erfahren wir gleich bei unserem ersten Test-Track, dem berühmten Klassiker „Bye Bye Blackbird“ in der intimen Interpretation von Patrica Barber: Die US-amerikanische Sängerin und Pianistin verwandelt, begleitet von Bass und Schlagzeug, die Nummer in eine völlig entschleunigte, melancholische Late-Night-Nummer, als spielte das Trio in einem Nachtclub für die letzten Gäste. Die Klasse dieser Interpretation, der Aufnahme und der Wiedergabe zeigt sich sofort in den ersten Takten: Das Trio steigt mit dem kurzen, prägenden Motiv ein, das den ganzen Song hindurch, wenn auch variiert, stoisch wiederholt die Basis bildet: Ein Klavierakkord samt Bass- und Bassdrum-Unterstützung auf die Eins des Taktes, die Wiederholung dann auf die „Zwei und“. Klingt kompliziert, doch dieser Offbeat hört sich lässig und laid back an, weil der zweite Akkord dann auch eineinhalb Takte lang ausgehalten wird – und weil der Bellini diese Eröffnung grandios präsentiert.

In die stählerne Lagerspindel ist oberseitig mit eine Keramikkugel eingelassen. Auf ihr ruhen und rotieren im Betrieb die Subteller-Einheit und der darauf aufliegende Hauptteller. Um die Reibung zu minimieren, wird die gesamte Spindel ausgiebig geschmiert. Das Spezial-Öl füllt dann auch weitgehend die innere Aufnahme der Wanne.
Die hochgradige Rotationskonstanz des Antriebs, die exzellente Laufruhe des Lagers und die schiere Masse insbesondere des Tellers sorgen für eine absolut entspannte und ruhige Wiedergabe. Sie hat durch die Präzision und Leichtgängigkeit des Arms und die sensibel-impulstreue Abtastung des MC-Systems zudem eine herrliche Stimmigkeit und Akkuratesse – und bietet einen herausragenden Detailreichtum. Durch dieses Zusammenspiel findet die Musik vor einem akustisch absolut schwarzen Hintergrund statt und offenbart, trotz der wenigen gespielten Töne und Schläge, einen regelrechten Klangkosmos. Das beginnt schon beim Klavier: Barber gestaltet ihre Eröffnungs-Akkorde vollgriffig mit Oktavierungen und Ajoutierungen, und obwohl ihr Anschlag behutsam ist, vernehmen wir den subtilen Tastendruck, hören jeden einzelnen Ton des komplex aufgetürmten Akkords – und vernehmen dann das Ausklingen dieses Mehrklangs. Gerade das ist ein echtes Erlebnis: Barber spielt ein Steinway Grand Piano, man hört durch die Wiedergabe der schwingenden Saiten förmlich die Größe dieses Flügels – und die Vielzahl der gespannten Drähte.
Beim Steinway Grand Piano sind es rund 230 dieser Drähte, weil die mittleren und hohen Töne jeweils zwei bis drei Saiten besitzen. Sie werden durch den Resonanzboden mitangeregt, sodass ein schillernder, mit zahlreichen Obertönen strahlender Klang entsteht, der sich im Lauf des Verklingens aber immer wieder verändert, weil sich die Frequenzen mal verstärken, mal auslöschen. Darum verströmt ein Flügel eine herrliche Klang-Magie. Sie offenbart sich aber nur, wenn Aufnahme und Wiedergabe superb sind – und das ist hier der Fall. Barbers Klavierakkorde unterlegt Marc Johnson stets punktgenau mit zwei Basstönen. Auch hier genießen wir: Der Kontrabass hat eine herrliche Sonorität und Fülle. Wir spüren seine Kraft schon mit dem kurzen Anzupf-Moment der Saiten, dann aber auch tonal mit jener leichten Mächtigkeit, die einem Kontrabass zueigen ist. Bald wechselt Johnson vom Grundton zur Quinte, was den Song wunderbar weiterentwickelt und zugleich auch den Ton vom Knurrigen ins leicht Näselnde überführt.

Ein schmaler Schlitz im Motordeckel ermöglich dem Riemen freien Lauf. Transrotor verwendet auch hier seinen speziellen Rundriemen, der keine Klebestelle aufweist und so den geschmeidigen Lauf garantiert.
Wegen dieser verschiedenen Klangcharaktere lieben ja gerade Jazzer den Kontrabass – und der Bellini zeigt uns seine Wandlungsfähigkeit mit Bravour. Beim Tonwechseln hören wir zudem, wie Johnson umgreift. Gerade diese feinen Nebengeräusch vermitteln uns das Gefühl, keine sterile Konserve zu hören, sondern einen echten Musiker vor uns zu haben. Dafür sorgt auch eine superbe Dynamik. Sie hat sich ja beim Klavier und beim Bass bereits gezeigt, noch eindrucksvoller geschieht das nun beim Schlagzeug – und zwar im Verbund mit der exzellenten Auflösung und Detailvielfalt: Adam Nussbaum touchiert mit einem Besen ganz sanft sein Ride-Becken, das mit Nieten präpariert ist, um den Ausklang zu verlängern und dem Sound eine leichtes Rascheln beizugeben. Danach spielt Nussbaum, wiederum mit Besen, ein variierendes rhythmisches Motiv auf der Snare, deren mit Snare-Teppich ebenfalls mitschwingt. Das alles wissen wir, weil die Wiedergabe uns das Metall der Besenborsten hören lässt, das Rascheln der Nieten im Ride-Becken …

Die Antriebssteuerung erlaubt auch eine Feinjustage der beiden Umdrehungsgeschwindigkeiten 33⅓ und 45 UpM. Dies geschieht durch zwei Trimm-Potis. Sie sind über ein Loch im Deckel zugänglich. Der zum Justieren nötige Schraubendreher gehört ebenso zum Lieferumfang wie die Stroboskop-Scheibe, die hier auf dem Plattenteller liegt.
… sowie das Rauschen der Metalldrähte im Snare-Teppich – und natürlich die Berührungen der Besen-Borsten beim Auftreffen aufs Snarefells. So vermittelt der Bellini regelrecht erfahrbare Stofflichkeit und Körperlichkeit. Diese Details präsentiert er uns mit perfekter Dynamik. So werden selbst kleinste Abstufungen, die Nussbaum in seinem Spiel permanent vornimmt, hörbar. Das sorgt, wie die wahrnehmbaren Nebengeräusch, für ein Wie-echt-Gefühl und vermittelt eine herrliche Lebendigkeit. Diese tolle Dynamik erleben wir auch später, als Barber ihr Klaviersolo spielt: Es ist, als säßen wir neben ihr am geöffneten Klavierkasten, denn auch den Flügel können wir geradezu physisch wahrnehmen. Das gilt ebenso für die Räumlichkeit: Durch die exzellente Auflösung übermittelt die Wiedergabe auch die Schallreflexionen des Aufnahmeraums. Das ist das berühmte Studio 4 der Chicago Recording Company, und aufgrund der immersiven, weiträumigen und bestens tiefengestaffelten 3D-Abbildung haben wir das Gefühl, bei Barber, Johnson und Nussbaum im Studio zu sein, während sie „Bye Bye Blackbird“ einspielen.
Ein weiteres Highlight dieser offenen, klaren und natürlichen Wiedergabe ist der Gesang. „Bye Bye Blackbird“ vermittelt ja die Atmosphäre eines ausklingenden Barabends, und hier passen Barber und ihr Vokal-Stil perfekt: Mit attraktiver, tief timbriert-sonorer Stimme bietet sie ihre faszinierende Kombination von Intimität und Distanziertheit. Die Intimität entsteht dabei durch die sanfte und leise Gesangsweise sowie die Nähe zum Mikrofon: Bei einer exzellenten Wiedergabe hört man dann auch die kleinsten Vibrati, die teils gehauchte Töne, die oft nur in Nuancen variierte Lautstärke und Eindringlichkeit. Bei einer weniger gelungenen Wiedergabe geht dieser Teil unter, dann bleibt allein Barbers zugleich vermittelte Kühle – und der Gesang lässt einen kalt. Der Bellini hingegen lässt uns mit seinem vorzüglichen MC-Abtaster jede noch so kleine Stimmwendung hören – bis hin zu den fast nicht wahrnehmbaren Atmern. So erleben wir eine Nähe und Vertrautheit, als sänge Barber nicht nur vor uns, sondern auch für uns.

Die Antriebssteuerung verhilft dem Motor zu noch größerer Konstanz und Laufruhe. Der vollmetallenen Deckel der gewichtigen Metalldose ist drehbar: So schaltet man den Motor ein und wählt die Umdrehungsgeschwindigkeit. Auf die Betätigung des Deckels ist aufgrund der superb-sahnigen Rastung ein haptischer Hochgenuss.
Diese superben Qualitäten liefert der Bellini auch bei knifflig-kompakter Fusion-Kost. Der frühere Steely Dan-Mastermind Donald Fagen hat für „Brite Nitegown“ dreizehn Mitmusiker eingesetzt: Rhythmusgruppe mit zusätzlichem Percussionisten-Duo, zwei Gitarren, zwei Keyboards, Marimba, Bläsersektion und Backgound-Chor. Trotzdem behält der Bellini den Überblick und liefert auch diese dicht instrumentierte Nummer mit herrlicher Offenheit und Transparenz. So ist jedes Instrument heraushörbar – mit jedem Ton: Seien es die abgestoppt gespielte, perkussiven Gitarren-Patterns, seien es die Mittelstimmen der spritzigen Bläser-Einwürfe. Auch hier ist die Wiedergabe völlig stimmig und entspannt. Dabei liefern die beteiligten Spitzenmusiker einen geradezu überbordenden Input an Einfällen und Finessen. Doch dank des akustischen Durchblicks, den der Bellini ermöglicht, können wir all diese Ideen verstehen – und haben deshalb einen umso größeren Genuss. Diese Aufgeräumtheit reicht bis zur Bass- und Schlagzeug-Fraktion und ist hier insbesondere wegen Freddie Washingtons ultratiefem, trotzdem definiertem Fünfsaiter-Fundament und Keith Carlock fetter, aber konturierter Bassdrum ein Fest.
Die Stimmigkeit der Wiedergabe ergibt sich auch aus dem Bellini-Gesamtpaket – also dem Zusammenspiel mit dem Merlo Reference. Das merken wir beim Einsatz alternativer Abtaster. Mit dem MM-System Transrotor Uccello ist die Wiedergabe zwar etwas kompakter und kräftiger. Wir bevorzugen aber die überragende Auflösungsfähigkeit, Frische und Offenheit eines MC-Systems. All das liefert dann durchaus das nun ausprobierte Goldring Ethos, dessen Diamant einen dem Harmonic-Schliff verwandten Line-Contact-Schliff besitzt. Mit dem Merlo Reference erleben wir die Wiedergabe aber als noch stringenter und stimmiger. Das gilt auch für unseren finalen Genuss: „O soave fanciulla“ aus Puccinis „La bohème“ mit Anna Netrebko als Mimì und Rolando Villazón als Rodolfo. Die Weltstars gestehen sich direkt vor uns ihre Liebe – mit schlichtweg atemberaubender Präsenz. Auch die begleitende Staatskapelle Dresden präsentiert sich bis hin zur zarten Klarinette als geradezu gegenwärtiger Klangkörper. Mit dieser selbstverständlichen Immersivität gelingt die Wiedergabe zum Dahinschmelzen schön. Das ist große Oper!

Der Transrotor Bellini TMD im Hörraum. Hiers spielt er mit dem Vollverstärker Luxman L-505Z und dem Lautsprecher Spatial Europe MC Series No.4.
Der hochaktuelle Transrotor Bellini TMD ist bereits ein Quasi-Klassiker: Er vereint in nuce alle Tugenden der High End-Manufaktur und bietet so klangliche Exzellenz im relativ kompakten Format. Dafür sorgen die Transrotor-typische Auslegung als riemengetriebenes Masselaufwerk, das charakteristische Design in glänzendem Acryl und spiegelblankem Aluminium, die perfekte Material- und Fertigungsqualität sowie die bewährte Ausstattung mit einem hochgradig konstanten Präzisionsantrieb und dem für seine exquisite Laufruhe berühmten TMD-Lager. Dank dieser Klasse-Kombination liefert der Bellini in Verbindung mit dem Top-Tonarm TA30 und dem superben MC-System Merlo Reference eine vollkommen entspannte und ruhige Wiedergabe: Die Musik findet mit herrlicher Stimmigkeit vor einem akustisch absolut schwarzen Hintergrund statt. So glänzt der Bellini mit souveränem akustischem Durchblick: Er punktet mit ausgezeichneter Transparenz, großartigem Auflösungsvermögen, herrlichem Detailreichtum, hochgradiger Akkuratesse und einer geradezu anspringenden Dynamik. Das mündet in einer atemberaubenden Präsenz von Musikern und Instrumenten und einer immersiven Räumlichkeit. Somit steht der Transrotor Bellini TMD für kompakte Grandezza.
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