Kaputt heißt nicht wertlos. In Quierschied reparieren Ehrenamtliche Geräte, Spielzeug und Alltagsgegenstände gegen eine Spende. Jetzt suchen sie neue Tüftler. Was Interessierte mitbringen sollten.
Serie | Quierschied · Kaputt heißt nicht wertlos. In Quierschied reparieren Ehrenamtliche Geräte, Spielzeug und Alltagsgegenstände gegen eine Spende. Jetzt suchen sie neue Tüftler. Was Interessierte mitbringen sollten.
Der Reparaturzirkel in Quierschied gibt alten Gegenständen eine zweite Chance. Von links: Reinhard Rijneveen, Mitglied des Zirkels und Lothar Strobel, Gründer der Vereinigung
Foto: BeckerBredelReparieren, statt wegwerfen – das ist die Grundidee hinter dem Reparaturzirkel Quierschied. Die Initiative besteht aus einer Gruppe von Menschen, die Freude daran haben, Elektro-Kleingeräte, Alltagsgegenstände oder Spielzeug zu reparieren. Gleichzeitig möchten sie damit einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.
Wie der Reparaturzirkel Quierschied entstand
„Die Idee, diese Vereinigung zu gründen, kam mir, nachdem ich einen Bericht über eine Gruppe aus Nordrhein-Westfalen gesehen hatte. Sie traf sich regelmäßig, um die verschiedensten Haushaltsgegenstände für ihre Nachbarn zu reparieren“, erzählt Lothar Strobel, Gründer des Reparaturzirkels. Da er selbst schon immer gerne Dinge reparierte, fühlte er sich inspiriert und recherchierte sofort, ob es ein ähnliches Konzept bereits im Saarland gibt. „Ich habe nichts dazu gefunden und nahm das Ruder einfach selbst in die Hand.“
Gemeinsam mit 14 weiteren Interessierten gründete er schließlich im November 2012 den Reparaturzirkel in Quierschied. Heute treffen sich elf Ehrenamtliche an jedem dritten Donnerstag im Monat in der Taubenfeldschule in der Josef-Haydn-Straße in Quierschied, um gemeinsam gegen eine Spende Gegenstände zu reparieren, die ihnen vorbeigebracht werden.
Reparieren statt wegwerfen: Was der Reparaturzirkel Quierschied repariert – und was nicht
„Unser Motto lautet: ‚Wir reparieren alles, was zu schade zum Wegwerfen ist und wofür es keine Reparaturwerkstatt mehr gibt.’ Spielzeug, Haushaltswaren, Uhren und Mobiliar geben wir so eine zweite Chance. Mediale Gegenstände wie Smartphones, Computer und Fernseher reparieren wir aber nicht. Der Aufwand wäre im Ehrenamt einfach zu groß und es gibt genügend gewerbliche Werkstätten, die auf diese Arbeit auch angewiesen sind“, erläutert Lothar Strobel weiter.
Bilderstrecke zuletzt aktualisiert:
25.08.2026
Geplante Obsoleszenz, also die vom Hersteller bewusst verkürzte Lebensdauer von Produkten, etwa durch den Einsatz minderwertiger Bauteile oder fest verbauter Akkus, sei ein großes Thema für den Reparaturzirkel. „Viele Geräte sind so konstruiert, dass sie ein künstliches Ablaufdatum haben. Da geht eine Sicherung kaputt oder es bahnen sich Fehler in den Gerätschaften an, damit diese bereits vorzeitig kaputt gehen. Wir sehen auch immer häufiger, dass Produkte so gebaut werden, dass sie beim Öffnen beschädigt werden. Das erschwert die Reparatur erheblich“, so Strobel.
Kurioses aus der Werkstatt: Wenn Reparieren zur Überraschung wird
Doch nicht nur moderne Geräte sorgen gelegentlich für Überraschungen. Manchmal kommt auch schon mal die eine oder andere Kuriosität beim Reparaturzirkel an. Strobel denkt direkt an einen besonderen Fall: „Ein Mitglied unserer Gruppe brachte mal eine Bakelit-Puppe aus den 1920er-Jahren her. Er wollte der Puppe ein neues Auge einsetzen. Diese hatte dann aber geschielt und er musste alles noch mal neu machen.“
Momentan sucht der Zirkel händeringend nach neuen Mitstreitern, die Spaß daran haben, Dinge zu reparieren und technisches Interesse mitbringen. Vorkenntnisse seien laut Strobel nicht erforderlich – das Interesse allein genüge. Wer gerne tüftelt, sich gerne engagiert und gleichzeitig auch noch etwas für die Umwelt tun möchte, ist bei den Reparaturterminen gerne willkommen. (hck/lwg)