Was bedeutet der Neustart des Luxembourg Philharmonic mit dem jungen Martin Rajna? Der Beginn der Zusammenarbeit mit einem neuen Chefdirigenten ist natürlich ein emotionaler Moment für ein Orchester, man stellt sich auf einander ein und wird herausgefordert. Martin war der Wunschkandidat der Orchester und der Direktion und wir freuen uns auf eine ganz besondere erste […]
Was bedeutet der Neustart des Luxembourg Philharmonic mit dem jungen Martin Rajna?
Der Beginn der Zusammenarbeit mit einem neuen Chefdirigenten ist natürlich ein emotionaler Moment für ein Orchester, man stellt sich auf einander ein und wird herausgefordert. Martin war der Wunschkandidat der Orchester und der Direktion und wir freuen uns auf eine ganz besondere erste Saison.
Worauf sind Sie am meisten stolz, was das Programm 26/27 angeht?
Stolz ist in der künstlerischen Planung meines Erachtens kein guter Begleiter, ich freue mich, wenn das Publikum neue Initiativen mit Empathie aufnimmt und gleich zu Beginn der Saison wird es mit einer szenischen Produktion mit Figuren von Georg Baselitz und einem herausragendem Line up mit Isabel Faust und Dominique Horowitz Gelegenheit dazu haben.
Welches ist beim Publikum das beliebteste Format?
In unserem Haus definitiv das Konzert! Das ist natürlich Spaß; Ich denke unserem Publikum ist weniger das Format als der Inhalt wichtig und da sind es immer die großen Bs , Bach, Beethoven, Brahms und in Zukunft hoffentlich auch Bartok, die unsere Publikum begeistern.
Haben Sie eigentlich nie daran gedacht einen eigenen Opernzyklus mit konzertanten oder semi-staged Opern anzubieten.
Doch und wir produzieren fast jede Saison 1- 3 , manchmal 3 mehr oder weniger konzertante Opern, aber das ist natürlich auch eine budgetäre Herausforderung, in der kommenden Saison gibt es in der Tat nur einen ersten Aufzug der Walküre, aber dafür eine ganze Riehe Werke mit Chorsymphonik von Brittens War Requiem, über Beethovens C- Dur sowie die Missa Solemnis bis hin zur großen c-Moll Messe KV 427 von Wolfgang Amadeus Mozart.
Philharmonie LuxembourgSie bewerben Ihre Veranstaltungen jetzt mit Tags, Gefühlvoll, Greatest Hits, Beruhigend, Anregend usw. Finden Sie wirklich das Bachs Kantaten ‘beruhigend’ und Mahlers Lied von der Erde ‘monumental’ sind oder Beethovens Missa Solemnis mit Geratest Hits passend angezeigt wird?
Im Allgemeinen sind die Tags als Hilfestellung bei der Auswahl von Konzerten gedacht, insbesondere für Personen, die die Werke oder Künstler nicht unbedingt kennen und andere Anhaltspunkte benötigen als bloßes Name-Dropping. Sie sollen daher eher einen Eindruck von der Atmosphäre oder dem Erlebnis vermitteln, das man von einem Konzert erwarten kann, als eine musikwissenschaftliche Beschreibung der Werke zu liefern. Allerdings erfolgt die Auswahl nicht willkürlich: Die Dramaturgie prüft und bestätigt die vorgeschlagenen Tags ebenfalls, und wir korrigieren sie im Laufe der Saison, wenn wir feststellen, dass eine Wahl nicht relevant genug ist.
Für die neue Saison haben wir das gesamte System überarbeitet. Insbesondere haben wir die Liste der Tags überarbeitet, um die Art des Konzerts (Vokal, Jazz, Sinfonie usw.) viel deutlicher hervorzuheben und bestimmte Tags zu vermeiden, die tatsächlich etwas zu allgemein oder nicht immer ganz passend erscheinen können. Es gibt auch eine kleine Schwierigkeit im Zusammenhang mit den Sprachen: Die Tags wurden ursprünglich auf Englisch konzipiert, und manche französischen oder deutschen Übersetzungen geben nicht immer genau dieselbe Nuance wieder. Daher haben wir auch diesen Aspekt für die neue Saison überarbeitet. Und wie bei allem, was mit Emotionen zu tun hat, bleibt ein gewisses Maß an Subjektivität unvermeidlich…
Um auf die von Ihnen angeführten Beispiele zurückzukommen:
Bachs Kantaten: Insgesamt ja, wir sind der Ansicht, dass die Werke dieses Konzerts eine recht ‘friedliche’ Dimension haben. Mit dem neuen System wäre dieses Konzert wahrscheinlich eher als ‘Vocal & Soulful’ eingestuft worden, was tatsächlich präziser ist.
Mahlers Das Lied von der Erde: Hier passt ‘monumental / episch’ tatsächlich recht gut. Es handelt sich immerhin um ein besonders umfangreiches und ambitioniertes Werk im Repertoire Mahlers.
Beethovens Missa solemnis: ‘Greatest Hits’ mag auf den ersten Blick tatsächlich überraschen. Aber dieses Tag entspricht dem, was wir früher ‘Classical Hits’ nannten: Es bezeichnet Schlüsselwerke des Repertoires, und wir wollten diese Kategorie auf andere Genres ausweiten – zum Beispiel auf den Jazz mit bestimmten Konzerten, die Coltrane gewidmet sind. Es ist auch eines der Tags, die sich besonders an ‘Musical Explorers’ richten, also an Menschen, die unverzichtbare Werke entdecken möchten. Wir geben übrigens zu, dass dies wahrscheinlich eines der Konzerte ist, bei denen wir am meisten gezögert haben. Aber offenbar stehen wir mit unserer Interpretation nicht ganz allein da: Auch Classic FM zählt Beethoven zu den Komponisten, die einige der größten Werke aller Zeiten geschrieben haben.
Stephan GehmacherSie veranstalten jetzt auch Konzerte im Foyer, Au c(h)oeur des colonnes? Wieso?
Wir haben vor gut einem Jahr ein Chor A Capella-Konzert im Foyer veranstaltet und wir waren alle begeistert von der fantastischen Akustik und Atmosphäre einer modernen Kathedrale und waren uns einig, dass wir den Raum öfters mit Musik füllen müssen. Den Auftakt mach am 11.11. das Huelgas Ensemble unter der Leitung von Paul van Nevel
Haben Sie eine Aufschlüsselung der Besucher par Nationalitäten bez. per Trennung von Leuten, die in Luxemburg leben und jenen die aus dem Ausland kommen.
Wir können Statistiken nur auf der Grundlage der verkauften Eintrittskarten erstellen, bei denen die Kunden ihre Adresse korrekt angegeben haben. Die Prozentsätze werden anhand der Anzahl der verkauften Eintrittskarten für Veranstaltungen berechnet, die 2025 in der Philharmonie stattfanden. Die Verteilung sieht wie folgt aus: Luxemburg: 79,34 %, Rest der Welt: 20,66 %. Betrachtet man insbesondere die wichtigsten Länder im Ausland, so ergibt sich folgendes Bild: Deutschland: 10,87 % , Frankreich: 6,07 %, Belgien: 2,25 %. Deutschland macht somit etwas mehr als die Hälfte der aus dem Ausland gekauften Eintrittskarten aus. Es ist jedoch zu beachten, dass diese Zahlen der beim Kauf der Eintrittskarte angegebenen Adresse entsprechen und nicht der Staatsangehörigkeit der Zuschauer. Anhand dieser Daten lässt sich die Staatsangehörigkeit nicht ermitteln.
Wie erfolgreich ist der Trier Shuttle?
Im Laufe der Saisonen ist ein stetiger Anstieg der Passagierzahlen zu beobachten: 2022/2023: 2.969 Passagiere, 2023/2024: 3.017 Passagiere, 2024/2025: 3.235 Passagiere, 2025/2026: 3.690 Passagiere
Auch die neue Saison 2026/27 hat sehr gut begonnen, und es liegen bereits zahlreiche Buchungen vor. Der positive Trend setzt sich somit fort.
Warum werden die andren Grenzregionen nicht betreut?
Derzeit liegen uns nicht genügend Anfragen für andere Städte oder Regionen vor, um die Einrichtung neuer Shuttlebusverbindungen zu rechtfertigen. Wir beobachten jedoch die Entwicklung der Nachfrage. Was Luxemburg betrifft, zeigen uns die Zahlen, dass Besucher bereits den öffentlichen Nahverkehr bevorzugen, der im ganzen Land kostenlos ist. Der Bedarf an einem zusätzlichen Shuttlebus ist daher für Ziele in Luxemburg geringer.
© Philharmonie Luxembourg / Eric EngelWie verteilen sich die Altersschichten? Ist das Publikum so alt wie immer gesagt wird?
Auch im Jahr 2025 war das Publikum der Philharmonie wieder zahlreich vertreten: Bei 663 Veranstaltungen aller Art – Konzerte, Workshops, Vorträge, Führungen usw. – und für alle Altersgruppen wurden rekordverdächtige 224.826 Besucher begrüßt. Die Auslastung stieg damit im Vergleich zu 2024 um 6 %.
Wir stellen zudem eine positive Entwicklung hinsichtlich der Verjüngung des Publikums fest: Die Zahl der erwachsenen Besucher im Alter von 30 Jahren und jünger stieg im Vergleich zu 2024 um fast 5 %. Dieser Trend ist Teil eines kontinuierlichen Rückgangs des Durchschnittsalters unseres Publikums. Die uns derzeit vorliegenden Daten sind jedoch mit einer gewissen Vorsicht zu interpretieren.
Erst seit kurzem erfragen wir systematisch die Geburtsdaten, insbesondere über Phil30 und die neue Website, sodass ein erheblicher Teil unserer Kunden diese Angabe noch nicht gemacht hat. Für das Jahr 2025 verfügen wir dennoch über eine Zuverlässigkeitsrate von 60,6 %, was uns ermöglicht, das Durchschnittsalter auf 45 Jahre zu schätzen. Zum Vergleich: Im Jahr 2023 lag es bei 48 Jahren und im Jahr 2024 bei 46 Jahren.
Welchen Künstler hätten Sie sich mal auf der Bühne der Philharmonie gewünscht, ohne dass ihr Wunsch je in Erfüllung gegangen wäre?
Glenn Gould, da waren die Philharmonie und ich aber leider ein paar Jahre zu spät dran ….