Die größte Gefahr für die Demokratie komme von rechts, sagt die neue saarländische Verfassungsschutzchefin. Auch Linksextreme und Islamisten bereiten den Behörden Sorgen.
Saarbrücken · Die größte Gefahr für die Demokratie komme von rechts, sagt die neue saarländische Verfassungsschutzchefin. Auch Linksextreme und Islamisten bereiten den Behörden Sorgen.
07.10.2026 , 17:48 Uhr
Die neue Chefin des saarländischen Verfassungsschutzes, Natalie Grandjean (Mitte), und Innenminister Reinhold Jost (SPD, rechts) haben am Mittwoch das Lagebild Verfassungsschutz 2025 vorgestellt.
Foto: Florian Rech„Die größte Bedrohung für die freiheitlich demokratische Grundordnung kommt im Saarland von rechts“, sagt Natalie Grandjean, seit Juli neue Leiterin des saarländischen Verfassungsschutzes. Tatsächlich werden nach Angaben des Verfassungsschutzes Rechtsextreme immer aktiver im Saarland. Die Zahl rechtsextremistischer Straftaten ist 2025 auf 491 erfasste Fälle gestiegen (2024: 477 Fälle). Die Fälle von Gewalttaten, meist Körperverletzung und schwere Körperverletzung, hat sich 2025 sogar fast verdoppelt (2025: 31 Fälle, 2024: 17 Fälle). Das geht aus dem „Lagebild Verfassungsschutz 2025“ hervor, das Verfassungschefin Grandjean am Mittwoch zusammen mit Innenminister Reinhold Jost (SPD) vorgestellt hat.
Die Zahl der rechten Straftaten sei auf einem Fünf-Jahres-Hoch, so Grandjean. Konkret handele es sich bei den Taten vor allem um „Propagandadelikte“. Neben dem klassischen rechtsextremen Feindbild „Asyl und Migration“ richteten sich die Straftaten der Rechten vermehrt auch gegen queere Menschen. So seinen 2025 vermehrt Demonstrationen gegen Veranstaltungen der LGBT-Community beobachtet worden. Die AfD im Saarland wird laut Verfassungsschutzbericht weiterhin als rechtsextremer Verdachtsfall beobachtet.
2025 gab es im Saarland aber auch mehr linksextremistisch motivierte Straftaten. Allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau. Ihre Anzahl stieg von 25 Fällen im Jahr 2024 auf 39 Fälle in 2025. Darunter waren elf Gewalttaten. Grandjean bezeichnete die Straftaten von links als „Resonanzstraftaten“. Die Linksextremen reagierten auf den Aufstieg der AfD im Land und einen empfundenen Rechtsruck in der Gesellschaft. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, befürchtet Verfassungsschützerin Grandjean noch mehr Aktionen von Linksextremisten. „Einen Linksterrorismus, der sich gegen kritische Infrastruktur richtet, wie wir das aus Nord- und Ostdeutschland kennen, sehen wir im Saarland nicht“, so Grandjean.
Die größte Gefahr schwerer Gewalttaten gehe im Saarland nach wie vor von Islamisten aus. 440 Personen im Saarland werden diesem Bereich zugeordnet, so die Leiterin des Verfassungsschutzes. Die Zahl islamistischer Straftaten sei 2025 auf 25 Fälle gestiegen (2024: 18 Fälle). Darunter falle eine Gewalttat, nämlich der Angriff eines Islamisten auf einen Bürger mit jüdischer Religionszugehörigkeit. Insgesamt sei die Zahl der Straftaten aus antisemitischer Motivation 2025 aber zurückgegangen (2025: 35 Fälle, 2024: 49 Fälle).
„Der Verfassungsschutz ist ein Bollwerk. Wir sind das Frühwarnsystem der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Und ich glaube, wir leben in einer Zeit, in der seit Verabschiedung des Grundgesetzes wir noch nie solchen Angriffen auf diese Grundordnung ausgesetzt waren wie im Moment“, so Verfassungsschützerin Grandjean. Der saarländische Verfassungsschutz sei aber gut auf diese Gefahren eingestellt und personell gut aufgestellt, sagte Grandjean. (jos)